In Polen drohen massenhafte Lehrerstreiks

Die polnische Lehrergewerkschaft (ZNP), die größte im Lande für Beschäftigte im Bildungswesen, hat angekündigt, dass sie für September einen "Streiknotstand" ausrufen will, der zu einem landesweiten Generalstreik eskalieren könnte.

EURACTIV.pl
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Die Gewerkschaften wollen ein gewerkschaftsübergreifendes Protestkomitee vorbereiten. Sollten diese Maßnahmen nicht helfen, könnte der Protestalarm in einen Streik umschlagen. Der letzte derartige Streik in Polen fand im Jahr 2019 statt. [Shutterstock/BearFotos]

Die polnische Lehrergewerkschaft (ZNP), die größte im Lande für Beschäftigte im Bildungswesen, hat angekündigt, dass sie für September einen „Streiknotstand“ ausrufen will, der zu einem landesweiten Generalstreik eskalieren könnte.

Die Gewerkschaften wollen ein gewerkschaftsübergreifendes Protestkomitee vorbereiten. Sollten diese Maßnahmen nicht helfen, könnte der Protestalarm in einen Streik umschlagen. Der letzte derartige Streik in Polen fand im Jahr 2019 statt.

Die Lehrer:innen fordern Gehaltserhöhungen von 20 Prozent, eine Angleichung ihrer Gehälter an den nationalen Durchschnittslohn sowie eine Erhöhung der Staatsausgaben für Erziehung und Bildung.

Die Lehrergewerkschaften liegen seit langem im Streit mit der polnischen Regierung, da sie nach wie vor zu den am schlechtesten bezahlten Berufen im öffentlichen Dienst des Landes gehören. Vor drei Jahren fand der größte Streik im polnischen Bildungswesen seit den 1990er Jahren statt, der jedoch nicht die erhofften Ergebnisse in Form von Gehaltserhöhungen brachte.

Das polnische Bildungswesen hat mit vielen Problemen zu kämpfen, darunter veraltete Unterrichtsformen, ein ideologisch geprägter Kernlehrplan, die massenhafte Abwanderung von Lehrer:innen sowie Lehrermangel. Laut Berechnungen der Gewerkschaft fehlen 20.000 Lehrer.

Das Bildungsministerium verteidigt sich, weil seit Mai die Gehälter in allen Haushaltsbereichen um 4,4 Prozent angehoben wurden. Ab dem nächsten Jahr wird eine weitere Erhöhung von 9 Prozent erwartet. Dies stellt jedoch die Lehrer nicht zufrieden, die bereits unterbezahlt sind und unter der Inflation leiden.

Trotz der Ankündigung der Gewerkschaft, mit einem Streik zu drohen, zeigte sich der Vorsitzende der Organisation, Slawomir Broniarz, zurückhaltender.

In einem Interview mit OKO.press sagte er: „Es wäre unverantwortlich, heute über einen Streik zu sprechen oder ein konkretes Datum zu nennen. Wir haben verschiedene Vorschläge für Protestaktionen, auch solche, die das Budget der Lehrer nicht belasten und kein außerordentliches Engagement erfordern.“

Den Gewerkschaftern zufolge müsste der Streik selbst etwa einen Monat nach seiner Ankündigung stattfinden.