Internetfirmen sehen EU-Datenschutzoffensive entgegen
Internetfirmen werden die ausdrückliche Zustimmung von Internetnutzern ersuchen müssen, bevor sie deren persönliche Daten herunterladen können, und müssen es ermöglichen, dass private Informationen aus dem Internet endgültig gelöscht werden können. Dies entgeht einer Strategie der Europäischen Kommission über den Datenschutz, die heute (4. November) enthüllt werden soll.
Internetfirmen werden die ausdrückliche Zustimmung von Internetnutzern ersuchen müssen, bevor sie deren persönliche Daten herunterladen können, und müssen es ermöglichen, dass private Informationen aus dem Internet endgültig gelöscht werden können. Dies entgeht einer Strategie der Europäischen Kommission über den Datenschutz, die heute (4. November) enthüllt werden soll.
Einem Entwurfsdokument zufolge, in das EURACTIV Einblick erlangte, bereitet sich die Europäische Kommission auf ein Durchgreifen bei den Internetfirmen vor, insbesondere den Sozialnetzwerken und den Online-Werbefirmen, über die Art und Weise, wie diese die privaten Daten der Bürger benutzen.
Es sei wesentlich, dass die Einzelpersonen gut, klar und transparent von Datenaufsehern darüber informiert würden, wie und von wem ihre Daten gesammelt würden, aus welchen Gründen und für wie lange, steht es im Entwurf der Kommissionsmitteilung.
Die Bürger sollten informiert bleiben, was ihre Rechte seien, wenn sie auf ihre Daten zugreifen, sie korrigieren oder löschen möchten, schreibt das Dokument, das „Eine umfassende Strategie zum Datenschutz in der Europäischen Union“ betitelt wurde.
Facebook und Google
Der Versuch ist zum größten Teil auf die Probleme zurückzuführen, die die Kommission mit Firmen wie Google, Yahoo! und Facebook gehabt hat.
Facebook hat übermäßig lange Konflifte über die Privatsphäre mit nationalen Behörden für den Datenschutz gehabt. Quellen aus der Kommission lassen verlauten, dass das Unternehmen aus seinen Schwierigkeiten noch nicht herausgekommen sei.
Einige Sozialnetzwerke hätten sich strengeren Regelungen zur Privatspäre angepasst, aber mit Facebook habe es einige Probleme gegeben, so eine Quelle aus der Kommission.
Insbesondere verschwinden Facebook-Profile Beschwerden der Kommission zufolge nie endgültig und sie können wiederhergestellt werden, was bedeutet, dass die Daten vom Unternehmen theoretisch weiterhin verwendet werden könnten.
Nutzer haben sich auch beschwert, dass es eine Privateinstellung geben müsse, um anderen Nutzern zu verbieten, Fotos von ihnen zu veröffentlichen. Derzeit können sie nachträglich die Markierungen ihrer Namen von den Fotos anderer Nutzer entfernen, aber sie nicht gänzlich aus dem Netz nehmen.
Die Quelle erwähnte auch das deutsche Unternehmen StudiVZ und MySpace von NewsCorp als besorgniserregend.
Maßgeschneiderte Werbung
Das „Predictive Behavioural Targeting“ ist eine Form der Werbung, bei der Werbende die Surfgeschichte eines Internetnutzers untersuchen, um ihnen Reklame zu senden, die von Interesse sein könnte. Diese wird im Dokument auch als eine Praxis hervorgehoben, die strengerer Regeln bedarf.
Die Explosion der beteiligten Akteure und die technologische Komplexität der Praxis machten es schwierig für eine Einzelperson zu wissen und zu verstehen, wann persönliche Daten eingesammelt werden, von wem und zu welchem Zweck, heißt es im Dokument.
Dies ist bei Internetfirmen auf Unverständnis gestoßen, da sich das „Predictive Behavioural Targeting“ auf Cookies verlässt (Internetcode, der die Surfdaten der Internetnutzer sammelt). Internetfirmen sind der Ansicht, dass diese schon in der Datenschutzrichtlinie abgehandelt worden seien.
Ende 2009 wurde diese Richtlinie aktualisiert und enthält nun eine Bestimmung, die Internetfirmen auffordert, Nutzer zu informieren, wenn ihre Daten heruntergeladen werden.
Quellen aus der Industrie zufolge seien Cookies ungeheuer wichtig für ihre Geschäftsmodelle und die Kommission solle beschwerliche Datenschutz- und Zustimmungshinweise zu erfinden vermeiden, um ihre Geschäfte nicht zu erschweren.
Zehn Pop-Ups auf dem Bildschirm bei jeder Internetnutzung zu haben sei völlig unmachbar, sagte eine Quelle.
Eine Quelle aus der Kommission bestätigte, dass Pop-Ups eine von mehreren Maßnahmen sei, die man in Betracht ziehe, um die Zustimmung von Nutzern zum Herunterladen von Daten zu ersuchen.
Internetfirmen hätten von der Europäischen Kommission die öffentliche Versicherung erhalten, dass Cookies unter die Datenschutzrichtlinie fielen, sagte eine Quelle aus Industriekreisen EURACTIV.