Israelische Holocaust-Kontroverse um Buzek [DE]

Vor der Gedenkfeier für die Opfer des Holocaust in Auschwitz wurde Jerzy Buzek, Präsident des Europäischen Parlaments, gestern (26. Januar) von israelischen Intellektuellen dafür kritisiert, dass er den nationalsozialistischen Völkermord mit der kommunistischen Unterdrückung verglichen hatte.

Vor der Gedenkfeier für die Opfer des Holocaust in Auschwitz wurde Jerzy Buzek, Präsident des Europäischen Parlaments, gestern (26. Januar) von israelischen Intellektuellen dafür kritisiert, dass er den nationalsozialistischen Völkermord mit der kommunistischen Unterdrückung verglichen hatte.

„Es ist unvorstellbar, dass die Gedenkfeier in Auschwitz eine Ansprache des Parlamentspräsidenten beinhalten wird, der Initiativen unterstützt, die den Holocaust vertuschen und verschleiern“, sagte Schimon Samuel, Direktor für Internationale Beziehungen am Simon-Wiesenthal-Zentrum laut der israelischen Tageszeitung Haaretz. 

Efraim Zuroff, Büroleiter des Zentrums in Israel, behauptete, die Aussagen Buzeks seien Teil von Bemühungen zur „Schaffung einer historischen und intellektuellen Infrastruktur, um den derzeitigen Status der Schoah als beispiellosen Fall von Völkermord zu untergraben und letztlich zu abzuschaffen.“
Professor Yehuda Bauer von der Hebräischen Universität sagte, Buzeks Vergleich müsse als Teil einer „Kampagne zur Marginalisierung des Holocaust“ angesehen werden.

Die Kritik wurde im Vorfeld der Rede Buzeks in Auschwitz-Birkenau am Mittwoch (27. Januar) anlässlich des 65. Jahrestags der Befreiung des Lagers geäußert.
Der Ort, der sich in der Nähe der polnischen Ortschaft O?wi?cim befindet, war das größte Vernichtungslager im Zweiten Weltkrieg. Geschätzte 1,1 Millionen Menschen starben hier – 90% davon waren Juden.

Hochrangige Politiker aus vielen Ländern, darunter der polnische Präsident Lech Kaczy?ski, der israelische Ministerpräsident Netanjahu und weitere 200 Mitglieder des Europäischen Parlaments und der nationalen Parlamente werden zu den Feierlichkeiten erwartet.

Kritiker sagen, dass Buzek offenbar außer Acht gelassen habe, dass in vielen europäischen Ländern Kommunisten an der Spitze des Kampfes gegen den Faschismus standen. Die europäischen Mitte-Links-Fraktionen forderten eine differenziertere Lesart der Geschichte und bezeichneten einige Konservative als „Taliban“, die stärker durch Ideologie als durch gesunden Menschenverstand motiviert seien.

In einer Erklärung vor der Gedenkfeier in Auschwitz schien Buzek möglichen Angriffen zuvorkommen, indem er die Singularität des Holocaust betonte. 
„Die Schoah ist beispiellos und der tragischste Fall von Völkermord in der Geschichte der Menschheit“, sagte er und fügte hinzu: „Das Erinnern an Auschwitz und die Verhinderung einer ähnlichen Tragödie für die Zukunft ist die Verantwortung jedes europäischen Politikers.“

Buzek war der erste polnische Ministerpräsident, der am Marsch der Lebenden in Auschwitz 1998 zusammen mit dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilnahm, der seitdem an die Regierung zurück gekommen ist.

Wie EURACTIV aus polnischen Kreisen im Europäischen Parlament erfuhr, möchte Buzek zudem die Erinnerung an Auschwitz-Birkenau zu einem der Höhepunkte seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit machen.