Wie ein Mega-Tourismusprojekt Ägyptens UNESCO-Kandidatur gefährdet

Kairo untergrabe genau die Organisation, deren Führung es anstrebt, sagt ein griechischer Europaabgeordneter

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Politik
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[[Photo credit: Sarantis Michalopoulos]]

Griechische Politiker machen keinen Hehl aus ihrer Ablehnung eines Tourismusressorts, das derzeit in der Nähe eines alten orthodoxen Klosters in der ägyptischen Wüste Sinai gebaut wird. Doch nun gibt weiteres Konfliktpotenzial: Kairos Kandidat für den Vorsitz der Kulturorganisation der Vereinten Nationen, der UNESCO.

Das Kloster der Heiligen Katharina aus dem 6. Jahrhundert am Fuße des Berges Sinai hat für Juden, Christen und Muslime eine große Bedeutung. Es wird von Mönchen der griechisch-orthodoxen Kirche geführt und empfängt jährlich über 100.000 Besucher. Es bewahrt außerdem wertvolle byzantinische Ikonen, Mosaike und frühchristliche Manuskripte.

Doch Ägypten ist dabei in der Umgebung Luxushotels, Villen und Einkaufszentren zu bauen, deshalb scheint das Schicksal der lokalen Beduinen und des Klosters ungewiss.

Im Mai entschied ein ägyptisches Gericht, dass das Kloster auf staatlichem Grund steht, die Mönche dort jedoch weiterhin ihren religiösen Praktiken nachgehen dürfen.

[Die Bibliothek des Katharinenklosters auf dem Sinai beherbergt Manuskripte, die ebenso bedeutend und wertvoll sind wie die in der Vatikanischen Bibliothek. Foto: Sarantis Michalopoulos | Euractiv]

Kurze danach hat Euractiv exklusiven Zugang zu dem Gelände bekommen, in dem Mönche und lokale Beduinen ihre Besorgnis darüber, ob das Kloster überleben würde, zum Ausdruck brachten. Griechische und ägyptische Politiker verhandeln derzeit über eine langfristige politische Lösung.

Ein nächster Streit führt die Sage fort: Wer soll die Leitung der in Paris ansässigen UNESCO, die mit dem Schutz des Weltkulturerbes beauftragt ist, übernehmen?

Kulturschock

Der nächste Generaldirektor der UNESCO wird im Oktober gewählt. Zwei Hauptkandidaten haben sich zur Wahl gestellt: Khaled El-Enany, der ehemalige ägyptische Minister für Tourismus und Altertümer, und Firmin Edouard Matoko aus der Republik Kongo.

El-Enany scheint gute Karten zu haben, er wird bereits von der Afrikanischen Union, der Arabischen Liga und mehreren europäischen Staaten unterstützt.

Politiker wie der griechische EU-Abgeordnete Nikolas Farantouris (Fraktion Die Linke) argumentieren jedoch, dass die ägyptische Kandidatur mit dem in Klosternähe entstehenden Resort unvereinbar ist, da dieses von der UNESCO als Stätte von außergewöhnlichem universellem Wert eingestuft wird.

„Wir können unsere Augen nicht vor der Symbolik des Zeitpunkts verschließen“, schrieb Farantouris in einem offenen Brief an die UNESCO, das EU-Parlament und die EU-Kommission. „Während in Ägypten Gerichtsentscheidungen gefällt werden, die das Erbe des Klosters untergraben, strebt Ägypten gleichzeitig die Führung jener Organisation an, die sich selbst als Hüterin des universellen Erbes bezeichnet.“

Ägyptische Beamte bestehen darauf, dass die Mönche ihre Religion ohne Unterbrechung weiter ausüben können. Ein Dokument, das Euractiv im August einsehen konnte, deutete jedoch darauf hin, dass die ägyptischen Behörden die Aufsicht über den Schatz des Klosters übernehmen würden, darunter vergoldete Ikonen und jahrhundertealte Manuskripte.

Ein UNESCO-Sprecher erklärte, die Organisation habe Kairo gebeten, die weitere Umsetzung des Tourismusprojekts auszusetzen, bis eine Bewertung der Auswirkungen auf das Kulturerbe durchgeführt werden könne. Dabei handelt es sich um eine Überprüfung, wie sich Entwicklungsprojekte auf den Wert von Welterbestätten auswirken könnten.

Er erklärte weiter, dass die ägyptischen Behörden gebeten worden sein, die natürliche Umgebung des Klosters zu schützen. Außerdem sollte seine abgelegene Lage bewahrt werden und „dringend eine Expertenmission eingeladen werden, um das Anwesen zu begutachten und Ägypten zu beraten, damit die Stätte nicht beeinträchtigt wird“.

Bei einem Treffen im Juni vereinbarten die Außenminister Ägyptens und Griechenlands, „auf die Wahrung der Rechte des Klosters hinzuarbeiten“. Der ägyptische Außenminister Badr Abdelatty betonte, dass das Gerichtsurteil die tiefe spirituelle Bedeutung des Klosters und seinen angesehenen religiösen Status bekräftige.

Das Schicksal des Katharinenklosters und die Kandidatur von El-Enany für die UNESCO-Leitung haben auch die koptischen Christen alarmiert, eine religiöse Minderheit in Ägypten mit geschätzt zehn Millionen Gläubigen.

Adel Guindy, Mitbegründer und erster Präsident von Coptic Solidarity, hat gesagt, dass El-Enany und Ägyptens bisherige Bilanz nicht vielversprechend seien, wenn es um die Wahrung der UNESCO-Mission gehe.

„Es gibt unzählige Fälle, in denen wertvolle Ikonen, Manuskripte oder Gebäude durch unachtsame Eingriffe beschädigt wurden“, sagte Guindy. Er verwies dabei auf den Abriss historischer Stätten, schlechte Restaurierungspraktiken und strenge Medienbeschränkungen.

„Ein grundlegender Schlüssel zum Verständnis Ägyptens: Der Staat schützt, fördert und dient dem Islam. Alles andere muss sich unterordnen“, ergänzte er.

Das ägyptische Präsidialamt nicht auf Euractivs Anfragen zu einer Stellungnahme geantwortet.

Lokale Beduinen „übersehen“

Ben Hoffler war früher im Sinai als Berater für nachhaltigen Tourismus tätig. Er sieht in den rechtlichen Schritten Ägyptens, dem Kloster seine Landrechte zu entziehen, ein Zeichen dafür, dass es an einer echten Absicht zur Erhaltung der Stätte mangelt.

[Bauwerke am Fuße des Berges Sinai, Foto: Ben Hoffler. „Die Farben, die Geometrie, die Stile und die Baumaterialien sind für St. Catherine und seine traditionelle Architektur fremd.“]

„Das Wohlergehen einiger der ältesten und wertvollsten Kulturlandschaften und -institutionen der Menschheit wird den kommerziellen Interessen der ägyptischen Regierung und ihrer Partner geopfert“, erklärt er. „Ich glaube, es gibt ernsthafte Zweifel daran, dass das Kloster in ein oder zwei Jahrzehnten noch existieren wird – zumindest in der Form, wie wir es kennen.“

Hoffler äußerte auch Besorgnis über den lokalen Jebeleya-Beduinenstamm. Der Stamm hatte aufgrund der touristischen Entwicklung wichtige angestammte Gebiete verloren, ohne dafür eine Entschädigung zu bekommen. Weideflächen und Häuser wurden zerstört, und ein großer Friedhof wurde exhumiert und durch einen Parkplatz ersetzt.

[Ein lokaler Beduinen-Ziegenhirte. Foto: Sarantis Michalopoulos | Euractiv]

Laut Hoffler wird den Beduinen ohne ihre Zustimmung eine neue städtische Umgebung aufgezwungen, die ihr nomadisches Erbe bedroht. Angesichts der 12.000 Arbeitskräfte, die für den Bau des Resorts zuziehen, argumentierte er, dass die lokale Gemeinschaft in ihrer eigenen Heimat marginalisiert werde.

Als Euractiv Kontakt mit El-Enanys Wahlkampfteam aufnahm, war dieses für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Was die EU tun wird

Die EU-Staaten stimmen bei UNESCO-Wahlen einzeln und nicht als Gruppe ab. Mehrere Länder – darunter Frankreich, Deutschland, Spanien und Österreich – haben bereits ihre Unterstützung für El-Enany bekundet.

Eine mit UNESCO-Angelegenheiten vertraute Quelle in Paris erklärte gegenüber Euractiv, dass möglicherweise auch geopolitische Überlegungen eine Rolle spielen.

Die EU ist bestrebt, gute Beziehungen zu Kairo aufrechtzuerhalten, insbesondere nach mehreren Vereinbarungen über grüne Energie und Bemühungen zur Eindämmung der Migration aus Afrika.

„Es ist ein Unterwasserkabel geplant, um erneuerbare Energie von Ägypten über Griechenland nach Europa zu übertragen“, erklärte die Quelle. Weiter heißt es, dass Athen das Projekt wahrscheinlich nicht gefährden werde.

Besondere Griechenland befindet sich in einer heiklen Lage. Ägypten gilt als regionaler Verbündeter im Widerstand gegen ein türkisch-libysches Abkommen, das die Seegebiete im Mittelmeer neu definiert und sowohl die griechische als auch die ägyptische Souveränität infrage stellt.

Athen hat noch nicht bekannt gegeben, ob es El-Enany unterstützen wird. Auf Anfrage von Euractiv antwortete die Ständige Vertretung Griechenlands bei der UNESCO, dass ihr Missionsleiter Giorgos Koumoutsakos derzeit nicht im Amt sei.

(vib)