Italiens Schuldenkrise bewegt auch Österreich
Die Überschuldung in Italien, das "Down-Ranking" der "Unicredit"-Bank, führt zu mannigfachen Spekulationen - auch über die Zukunft des größten österreichischen Geldinstitutes, der "Bank Austria", einer Tochter der italienischen "Unicredit".
Die Überschuldung in Italien, das „Down-Ranking“ der „Unicredit“-Bank, führt zu mannigfachen Spekulationen – auch über die Zukunft des größten österreichischen Geldinstitutes, der „Bank Austria“, einer Tochter der italienischen „Unicredit“.
Aus Mailand gibt es dazu immer wieder Dementis, dass man nicht daran denke, sich vom "Familiensilber" zu trennen. Gleichzeitig ist aber in Wien sogar davon Rede, dass die Stadt selbst Interesse haben könnte, die "Bank Austria" gewissermaßen zurückzukaufen.
Der Grund für diese Überlegungen liegt in der Firmengeschichte der letzten 20 Jahre. Zunächst begann es damit, dass 1991 die damals größte österreichische Sparkasse, die so genannte "Zentralsparkasse der Stadt Wien" mit der angeschlagenen "Länderbank", die im Eigentum der Republik stand, fusioniert wurde. Beide Bankinstitute standen politisch der SPÖ nahe. Aus dieser Fusion ging dann eine Großbank hervor, der man den Namen "Bank Austria" gab.
Rot-schwarze Bankengeschichte
Das Pendant zur "Länderbank" war auf ÖVP-Seite die so genannte "Creditanstalt". Ein vom Image her nicht nur vornehmes, sondern auch erfolgreiches Bankhaus. 1820 gegründet, war sie mit der Industrialisierung Österreichs eng verbunden und wurde zur größten Bank der österreichisch-ungarischen Monarchie. Nach den Mühen der Kriegs- und Zwischenkriegszeiten verstärkte die Bank in den 1980-er Jahren sukzessive ihre Auslandsaktivitäten, um nach dem Fall des Eisernen Vorhangs vor allem die Marktpräsenz in den mittel- und osteuropäischen Ländern auszubauen.
Bis die CA, wie die "Creditanstalt" hieß, vom innenpolitischen Gezerre zwischen SPÖ (die damals den Finanzminister stellte) und der ÖVP erfasst wurde – ein typisch österreichisches Phänomen. Während das SPÖ-geführte Finanzministerium den Verkauf der Anteile im Ganzen präferierte, schlug das ÖVP-geführte Wirtschaftsministerium einen Verkauf über die Wiener Börse vor.
Im Hintergrund hatte vor allem auch die Raiffeisengruppe Interesse an der CA. Gegen einen Zusammenschluss mit den "bäuerlichen" Bankern wehrten sich freilich die "Herren im Nadelstreif", die in der CA den Ton angaben, und sie spielten damit dem "Klassengegner", den sozialdemokratischen Wirtschaftslenkern, in die Hände. So zogen nämlich in einer Haur-Ruck-Aktion einen Verkauf der Stimmrechte der CA an die damals SPÖ-nahe Bank Austria durch. Ein Verkauf, der zu einer Krise in der rot-schwarzen Koalition führte, die bis heute Nachwirkungen zeigt: Wenn es um wirtschaftliche Transfers geht, misstraut man einander.
Bank-Austria-Verkauf ein lukratives Geschäft?
Doch damit ist die Bankgeschichte noch nicht zu Ende, ging doch 2001 die nunmehrige "Bank Austria Creditanstalt" in der "Bayerischen Hypo- und Vereinsbank" auf, die ihrerseits 2005 von der "UniCredit" übernommen wurde. 2008 wurde der Name "Creditanstalt" im Zuge einer Markenanpassung an den "Unicredit"-Konzern entfernt. Aktuell denken die italienischen Banker sogar daran, den Namen "Bank Austria" in Österreich zu liquidieren, was mit einigem Unbehagen aufgenommen wurde.
Die aktuellen Spekulationen rund um die Zukunft werden unter anderem dadurch genährt, dass die "Unicredit"-Gruppe via Kapitalerhöhung 7,5 Milliarden Euro auftreiben muss. Ein Verkauf der österreichischen Tochter, die unverändert in Mittel- und Osteuropa eine starke Marktposition hat und – wie es in Bankenkreisen heißt – "ihr Geld Wert ist", könnte viele Euros in die Kassen der italienischen Mutter bringen.
Herbert Vytiska (Wien)
Der Autor ist Politik- und Medienberater. Er war über 15 Jahre lang Pressesprecher des ehemaligen österreichischen Vizekanzlers Alois Mock.