Kaum Fachkräfte aus Euro-Krisenländern
Deutsche Unternehmen beklagen einen Mangel an Fachkräften. In Spanien, Portugal oder Griechenland suchen viele junge, gut ausgebildete Menschen Jobs. Monika Varnhagen, Leiterin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), erläutert in einem Zeitungsinterview, wo es welche Potenziale gibt und wieso dennoch kaum ausländische Fachkräfte nach Deutschland kommen.
Deutsche Unternehmen beklagen einen Mangel an Fachkräften. In Spanien, Portugal oder Griechenland suchen viele junge, gut ausgebildete Menschen Jobs. Monika Varnhagen, Leiterin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), erläutert in einem Zeitungsinterview, wo es welche Potenziale gibt und wieso dennoch kaum ausländische Fachkräfte nach Deutschland kommen.
Deutschland hat ein Luxusproblem: Es gibt mehr Jobs für Hochqualifizierte als qualifizierte Arbeitnehmer. Die Bundesagentur für Arbeit sucht daher über ihre Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) auch im Ausland nach geeigneten Bewerbern.
Rekrutierung in Spanien
Monika Varnhagen, Leiterin der ZAV, sagt im Interview mit "Die Welt", dass alle Europäer vor denselben Problemen stünden: "Die Bevölkerung schrumpft und wird immer älter, es fehlt überall an Nachwuchs und Fachkräften". Dennoch werbe die Bundesagentur auch in Krisenländern wie Spanien derzeit gezielt Bewerber an.
"Es gibt ein großes Potenzial in Spanien, Tausende von Ingenieuren sind arbeitslos, auch IT-Spezialisten. Das Interesse an Deutschland ist groß. Doch für die Vermittlung gibt es noch Hürden: Die größte Hürde sind die fehlenden Sprachkenntnisse. Nur jeder Zehnte hat überhaupt Grundkenntnisse der deutschen Sprache", sagt Varnhagen. 17.000 Spanier hätten sich bereits über Jobmöglichkeiten in Deutschland informiert.
Deutsche Mittelständler hätten mit der ZAV zusammen eine erste Rekrutierungsreise nach Barcelona unternommen und dort 70 Interviews mit potenziellen Bewerbern geführt. Eine zweite Rekrutierungsreise finde im September statt.
Griechenland, Bulgarien, Kroatien
Auch in Griechenland und Portugal sondiert die ZAV derzeit die Möglichkeiten von gezielten Anwerbungen. Allerdings sprächen weniger als zwei Prozent der portugiesischen Ingenieurs-Absolventen Deutsch. Größeres Potenzial gäbe es im Bereich Pflege. "Dort gibt es ein großes Interesse von Pflegekräften, in Deutschland zu arbeiten. Hier finden wir unter Umständen Fachkräfte für deutsche Krankenhäuser und Pflegeheime", sagt Varnhagen im Welt-Interview.
In Griechenland wiederum sei Deutschland vor allem für Mediziner interessant. Mit Blick auf Ost- und Südosteuropa sieht Varnhagen in Bulgarien und in Kroatien ein Potenzial für Ingenieure, Ärzte, Pflegepersonal und Facharbeiter. "Aus Polen könnten Ingenieure und Fachkräfte kommen", so Varnhagen.
Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst
Der Fachkräftemangel ist nicht nur für die deutsche Wirtschaft ein Problem. Auch der öffentliche Dienst hofft auf Zuwanderer. Allerdings sind die Hürden im deutschen System zu hoch, sagte Peter Heesen, Chef des Deutschen Beamtenbundes dbb (EURACTIV.de vom 3. Januar 2011).
Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz
Die Bundesregierung hat im März 2011 ein Gesetz zur vereinfachten Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse verabschiedet. Das "Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz" gibt allen Einwanderern – egal ob aus der EU oder aus Drittstaaten – einen Rechtsanspruch auf ein Anerkennungsverfahren.
"Dieses Gesetz ist auch ein Beitrag zur Mobilität von Arbeitnehmern. Außerdem geht es auch um den steigenden Fachkräftebedarf in Deutschland", erläuterte Bundesbildungsministerin Annette Schavan das Ziel des Gesetzes vor der Auslandspresse (EURACTIV.de vom 22. März 2011). Laut Schavan seien in Deutschland technische Fachkräfte und Ingenieure besonders begehrt. Zunehmend würden auch Ärzte und Pflegepersonal gesucht.
mka
Links
Die Welt: "Großes Potenzial in Spanien" (18. Juli 2011)
Weitere Beiträge zum Thema auf EURACTIV.de
Deutschlands Weg zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse (22. März 2011)
Heesen: Deutscher "Schwachsinn" für ausländische Fachkräfte (3. Januar 2011)
EU befördert internationale Arbeitnehmerfreizügigkeit (2. Dezember 2010)