Klimaziele: Schottland macht Druck auf London

Die schottische Regierung und britische Unternehmen machen im Vorfeld eines Gipfeltreffens zum fünften Jahrestag des Pariser Klimaabkommens Druck auf die britische Regierung, ehrgeizigere Klimaziele für 2030 festzulegen.

EURACTIV.com
Westminster
Die britische Regierung hatte ihrerseits im November einen 12 Milliarden Pfund schweren Zehn-Punkte-Plan für eine "grüne Erholung von COVID-19" angekündigt. [<a href="https://pixabay.com/users/mark_taylor66-16753235/" target="_blank" rel="noopener">Mark_Taylor66 / Pixabay</a>]

Die schottische Regierung und britische Unternehmen machen im Vorfeld eines Gipfeltreffens zum fünften Jahrestag des Pariser Klimaabkommens Druck auf die britische Regierung, ehrgeizigere Klimaziele für 2030 festzulegen.

Der Gipfel, der für Samstag kommender Woche (12. Dezember) geplant ist, soll vor allem Impulse für den globalen COP26-Klimagipfel geben, der im kommenden Jahr im schottischen Glasgow stattfinden wird.

Nur einen Tag zuvor, am 11. Dezember, findet in Brüssel ein EU-Gipfel statt, bei dem von den Staats- und Regierungschefs der EU erwartet wird, sich auf das EU-Klimaziel 2030 zu einigen. Bisher gab es diesbezüglich noch Widerstand von Seiten Polens.

Das für 2030 vorgesehene Ziel des Vereinigten Königreichs ist indes bereits höher als das von der EU anvisierte: Es liegt bei 57 Prozent im Vergleich zu den Werten von 1990. Die Europäische Kommission plant ihrerseits einen Richtwert von 55 Prozent für die gesamte EU, während das Europäische Parlament 60 Prozent präferieren würde.

Klimaexperten merken dennoch an, die Klimaziele Londons seien durchaus erreichbar, dabei aber immer noch nicht im Einklang mit dem Ziel des Landes, bis 2050 Netto-Null-Emissionen vorzuweisen.

Schottland hat hingegen sein eigenes Ziel erhöht und angekündigt, seine Emissionen bis 2030 um 75 Prozent zu reduzieren. Ziel sei es, bereits 2045 Netto-Null zu erreichen.

Obwohl es Teil des Vereinigten Königreichs ist, beabsichtigt Schottland demnach auch, im Rahmen des Pariser Abkommens einen eigenen, sogenannten national festgelegten Beitrag (NDC) zu präsentieren. „Solange wir Teil des Vereinigten Königreichs sind, kann Schottland formell keinen eigenen NDC einreichen. Die schottische Regierung ist jedoch entschlossen, sich mit den globalen Klimazielen zu befassen und diese zu erhöhen, bevor sie die Welt im nächsten Jahr in Glasgow willkommen heißt,“ erklärte dazu Roseanna Cunningham, Schottlands Ministerin für Umwelt und Klimawandel.

Die Vorlage eines (inoffiziellen) NDC und die damit öffentlich zur Schau gestellten höheren Ambitionen Schottlands im Vergleich zum Rest des UK dürfte den Druck auf Westminster erhöhen – auch mit Blick auf die anstehenden schottischen Parlamentswahlen im kommenden Mai. Die in Edinburgh regierende Scottish National Party wird ihren Wahlkampf unter anderem auf Forderungen nach einem zweiten Referendum über die Unabhängigkeit aufbauen.

Die schottische Regierung hatte bereits zuvor Druck auf die britische Führung ausgeübt, indem sie auf Einmalzahlungen an das Gesundheitspersonal drängte, um diesem für die Anstrengungen während der COVID-19-Krise zu danken.

Die britische Regierung hatte ihrerseits im November einen 12 Milliarden Pfund schweren Zehn-Punkte-Plan für eine „grüne Erholung von COVID-19“ angekündigt.

Druck kommt derweil auch von britischen Unternehmen: Mehr als 75 – darunter wirtschaftliche Schwergewichte wie Tesco, BT, ScottishPower, Sky, E.ON, EDF und Coca-Cola – unterzeichneten einen Brief an Premierminister Boris Johnson, in dem betont wird, man brauche dringend ein ehrgeiziges Emissionsziel im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen und dem britischen Ziel von Netto-Null-Emissionen bis 2050.

„Wir glauben, dass das Vereinigte Königreich die Möglichkeiten hat, das richtige Maß an Ambition zu zeigen, um einen grünen Wirtschaftsaufschwung in die Wege zu leiten und auch die internationale Dynamik zu fördern“, heißt es in dem Schreiben.

Keith Anderson, CEO von ScottishPower, forderte ein britisches Reduktionsziel von 70 Prozent bis 2030 und erklärte, sein Unternehmen sei bereit und gewillt, beim Wettlauf in Richtung Netto-Null an vorderster Front zu agieren.

Anderson weiter: „Wenn wir die Vorteile dieser Wende in vollem Umfang nutzen und die Einführung neuer Technologien vorantreiben, Verhaltensänderungen unterstützen und mit einem Tempo vorankommen wollen, das die Klimawissenschaft als erforderlich ansieht, dann muss der Ehrgeiz [der Unternehmen] durch ein ebenso ambitioniertes britisches NDC-Ziel für 2030 untermauert werden.“

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]