Kommission: Klimawandel ist größtes Gesundheitsproblem des Jahrhunderts
Es wird erwartet, dass die Zahl der mit dem Klimawandel in Zusammenhang stehenden Tode in Europa zunehmen wird, wenn keine angemessenen Maßnahmen ergriffen werden.
Es wird erwartet, dass die Zahl der mit dem Klimawandel in Zusammenhang stehenden Tode in Europa zunehmen wird, wenn keine angemessenen Maßnahmen ergriffen werden. Der Kampf gegen nicht übertragbare Krankheiten (NCDs) könnte jedoch dazu beitragen, die Anzahl an Klimatoten zu verringern.
Die Europäische Umweltagentur (EUA) veröffentlichte erst am Mittwoch einen Bericht, in dem extreme Hitze als die größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit in Europa bezeichnet wird. Der Bericht warnt zudem vor einer Zunahme von klimabezogenen Infektionskrankheiten.
„Die Zahl der gefährdeten Menschen nimmt zu, die Bedingungen verschlechtern sich, was bedeutet, dass wir ohne angemessene Anpassung mit mehr Todesfällen rechnen müssen“, sagte Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der Europäischen Umweltagentur (EUA), am Mittwoch (9. November).
In dem Bericht wird davor gewarnt, dass Hitzewellen bis zum Ende des Jahrhunderts zum Tod von 90.000 Europäern pro Jahr führen könnten, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden. Dem Bericht der EUA zufolge war extreme Hitze zwischen 1980 und 2020 bereits für etwa 129.000 Todesfälle verantwortlich.
Clara de la Torre, Generaldirektorin der GD CLIMA der Europäischen Kommission, kommentierte die Ergebnisse mit den Worten, dass der Umgang mit dem Klimawandel eine Frage von Leben und Tod sei und dass Maßnahmen ergriffen werden müssten.
„Letztendlich steht unsere Gesundheit auf dem Spiel“, sagte sie und fügte hinzu, dass die Menschheit „Gefahr läuft, einen Planeten zu haben, auf dem wir nicht [leben] können.“
Politische Maßnahmen der Länder
Bezüglich der nationalen Strategien stellte der Bericht fest, dass klimabedingte Gesundheitsgefahren in erster Linie in den nationalen Anpassungsstrategien und weniger in den Strategien zur nationalen Gesundheit erörtert wurden.
„Dies deutet darauf hin, dass sich die nationalen Gesundheitssysteme ernsthafter mit diesen Fragen befassen müssen“, so Bruyninckx.
In dem Bericht wird auch festgestellt, dass die derzeitigen Strategien nicht zukunftssicher sind, wenn es um Hitzewellen, Überschwemmungen oder die zunehmende Bedrohung durch Krankheitserreger und Infektionskrankheiten geht.
„Nur wenige dieser Pläne konzentrieren sich darauf, gefährdete Gruppen zu identifizieren [und] die notwendigen Partnerschaften aufzubauen, um darauf zu reagieren, geschweige denn neue Strategien für Gesundheitseinrichtungen zu entwickeln“, sagte Bruyninckx.
Er forderte Abmilderungs- und verstärkte Anpassungsmaßnahmen und warnte davor, dass „beim derzeitigen Stand des politischen Engagements die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit und das Wohlergehen vor allem der gefährdeten Bevölkerungsgruppen weiter zunehmen werden.“
NCD-Belastung verringern
Die EU-Kommission versucht dem Problem insbesondere durch den Kampf gegen nicht-übertragbare Krankheiten entgegenzuwirken.
Der Kampf gegen nicht-übertragbare Krankheiten „wird auch dazu beitragen, die Bevölkerung auf die erheblichen Veränderungen vorzubereiten, die mit dem Klimawandel einhergehen werden“, so Ryan optimistisch.
Seiner Meinung nach sind „Menschen mit Fettleibigkeit, Menschen mit Atemwegserkrankungen und Menschen mit anderen nicht übertragbaren Krankheiten, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, besonders gefährdet.“
„Wir reden ständig über COVID, wir reden über Grippe, wir reden über übertragbare Krankheiten, weil diese Dinge in den Schlagzeilen sind. Tatsächlich aber gehen 80 Prozent unserer Krankheitslast auf nicht übertragbare Krankheiten zurück“, mahnte Ryan.
Darüber hinaus erklärte die WHO Europa am Mittwoch, dass nichtübertragbare Krankheiten für 90 Prozent aller Todesfälle verantwortlich sind, und rief dazu auf, den Kampf gegen sie zu verstärken.
„Viele Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronischen Atemwegserkrankungen, Diabetes und anderen nichtübertragbaren Krankheiten könnten durch kosteneffiziente Maßnahmen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, verhindert werden. Aber es muss noch viel mehr auf verschiedenen Ebenen getan werden“, sagte Nino Berdzuli, Direktorin der Abteilung für Ländergesundheitsprogramme beim WHO-Regionalbüro für Europa.
Der Bericht der EUA kam zum Zeitpunkt der 27. Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP27), auf der führende Politiker:innen, Aktivist:innen und Expert:innen aus aller Welt derzeit über Wege zur Beschleunigung des Abbaus fossiler Brennstoffe diskutieren.
„Die Entscheidungen der COP27 werden sich auf fast acht Milliarden Menschen auf unserem Planeten auswirken, und auch auf alle Menschen in zukünftigen Generationen. Wir befinden uns also in einer wirklich entscheidenden Phase. Und wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, wie wir das Problem angehen“, schloss Torre.
[Bearbeitet von Alice Taylor]