Kommunistische Flaggen entfachen Kontroverse in Albanien
Die Darstellung der albanischen Flagge des früheren kommunistischen Regimes bei einem Musikfestival, mit einem goldenen Stern über dem Adler in der Mitte, hat landesweit eine kontroverse Debatte ausgelöst.
Die Darstellung der albanischen Flagge des früheren kommunistischen Regimes bei einem Musikfestival, mit einem goldenen Stern über dem Adler in der Mitte, hat landesweit eine kontroverse Debatte ausgelöst.
Das kommunistische Regime Albaniens unter Diktator Enver Hoxha war eines der brutalsten, das die Welt je gesehen hat. Fast 50 Jahre lang war das Land vom Rest der Welt abgeschnitten. Tausende wurden verfolgt, inhaftiert, gefoltert und vertrieben, und der größte Teil der Bevölkerung wurde bespitzelt.
Darüber hinaus wurden die Bürger:innen ihres Landes und ihres Besitzes beraubt, und viele kämpfen noch 30 Jahre nach dem Sturz des Regimes um eine Entschädigung. Heute werden noch immer über 6.000 Menschen vermisst, von denen nicht bekannt ist, wo sich ihre Leichen befinden.
Am Wochenende fand in Tirana das Sunny Hill Festival statt, an dem an zwei Tagen mehrere tausend Menschen teilnahmen. Eine Gruppe namens „Nothing Like the Sun“ zeigte die Flagge während eines Videoclips zu ihrem Lied „What is better than being Albanian“. Das Video, in dem auch die Flagge zu sehen ist, ist seit 2014 auf YouTube zu sehen.
Das Foto, das ohne Kontext und ohne den Rest des Videos in den sozialen Medien gepostet wurde, sorgte für weit verbreitete Empörung, da viele es als Beleidigung gegenüber denjenigen empfanden, die von den Kommunist:innen ermordet, gefoltert und verfolgt wurden.
Enkelejd Alibeaj, Fraktionsvorsitzender der Demokratischen Partei, sagte: „Das Auftauchen der Symbole des Kommunismus ist kein Zufall in einem Land, das lange Zeit unter der von den Kommunisten errichteten Diktatur gelitten hat. Von Zeit zu Zeit erscheinen Symbole der Diktatur, die die Erinnerung, das Leiden und die Opfer von Tausenden von Albanern beleidigen.“
Der Bürgermeister von Tirana, Erion Veliaj, sagte, das Video sei eine Satire und solle das Regime verhöhnen, was auch der Künstler hinter dem Lied, Alban Nimani, bestätigte.
„Die Darstellung der Nationalflagge mit dem Stern hat nichts mit der Verherrlichung des Kommunismus zu tun; im Gegenteil, in dem Videoclip bricht der Kommunismus zusammen“, so Nimani.
„Wir sind uns der Verfolgungen, der Verbrechen und des Leids, die der Kommunismus in Albanien verursacht hat, sehr bewusst, da auch wir zu verfolgten Familien gehören“, fügte er hinzu.
Doch nicht alle sind von der Argumentation überzeugt.
„Die Dekommunisierung muss durchgeführt werden, um der kommunistischen Vergangenheit auf würdige Weise zu begegnen, den Opfern ihre Menschenwürde zurückzugeben und die Wunden der totalitär-kommunistischen Diktatur durch das Verbot von Symbolen zu heilen“, schrieb Enriketa Papa, Historikerin und Spezialistin für Kommunismusverbrechen.
Das Sternsymbol wurde im April 1992, ein Jahr nach dem Sturz des Regimes, per Gesetz aus der albanischen Flagge entfernt.
Erst vergangene Woche war eine Stalin-Statue im Garten des ehemaligen kommunistischen Premierministers Mehmet Shehu im Zentrum von Tirana aufgetaucht. Auch eine Lenin-Statue und ein ZIS-Auto, das einst der Geheimpolizei Sigurimi gehörte, sind in der Nähe gefunden worden.
Die zuständigen Stellen erklärten, die Stücke seien Teil einer Ausstellung. Das Kulturministerium stellte klar, dass sie zu den 100 Werken der Nationalen Kunstgalerie gehörten, die derzeit umgebaut werde, und zur „sicheren Aufbewahrung“ an die Orte im Zentrum der Stadt verfrachtet worden seien.
Simon Mirakaj, der während der Zeit des kommunistischen Regimes als „Volksfeind“ bezeichnet wurde und 44 Jahre im Exil verbrachte, hält die Rückgabe von Objekten, die den Kommunismus verherrlichen, für sehr heikel.
„Ihre Ausstellung ist für uns und für alle Albaner sehr heikel, da es sich um zwei Personen handelt, die in ihren Ländern und in anderen Ländern, die von der ehemaligen Sowjetunion abhängig waren, viele Wunden verursacht haben“, so Mirakaj gegenüber BIRN.
Çelo Hoxha, Direktor des Instituts für Kommunismusforschung, hält es für falsch, die Statuen ohne Erklärung in der Öffentlichkeit auszustellen.
„Es gibt zwei Vorgehensweisen für Objekte dieser Art: Sie können zerstört oder aufbewahrt und in speziellen Museen für den Kommunismus mit bestimmten Erklärungen oder in speziellen Galerien ausgestellt werden, aber sie können nicht in öffentlichen Räumen ausgestellt werden“, sagte Hoxha gegenüber BIRN.