Laufzeitverlängerung in Deutschland ausgesetzt
Die Bundesregierung hat erste Konsequenzen aus der Nuklearkatastrophe in Japan gezogen. Die Verlängerung der Laufzeiten der 17 deutschen Atomkraftwerke wird für drei Monate ausgesetzt. In Frankreich hat Energieminister Éric Besson Forderungen nach einem Referendum über einen Nuklearausstieg abgelehnt. In Japan scheint die Lage in drei Reaktoren außer Kontrolle geraten zu sein.
Die Bundesregierung hat erste Konsequenzen aus der Nuklearkatastrophe in Japan gezogen. Die Verlängerung der Laufzeiten der 17 deutschen Atomkraftwerke wird für drei Monate ausgesetzt. In Frankreich hat Energieminister Éric Besson Forderungen nach einem Referendum über einen Nuklearausstieg abgelehnt. In Japan scheint die Lage in drei Reaktoren außer Kontrolle geraten zu sein.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Guido Westerwelle haben heute ein dreimonatiges Moratorium zur Laufzeitverlängerung der 17 Atomkraftwerke verhängt. Die Bundesregierung zieht damit eine erste politische Konsequenz aus der Nuklearkatastrophe in Japan.
Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP hatten erst 2010 entgegen der Proteste aus Opposition und Zivilgesellschaft beschlossen, die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke zu verlängern.
Im Gespräch ist das Aus für die beiden ältesten Atommeiler Neckarwestheim 1 und Biblis A, die 1976 und 1975 in Betrieb gegangen waren.
Bundesaußenminister und FDP-Chef Westerwelle erklärte, dass die vereinbarte Laufzeitverlängerung keine Garantie für den Weiterbetrieb jedes Atommeilers bedeutet habe.
Nukleardebatte in Frankreich
In Frankreich forderten Umweltaktivisten und Politiker am Wochenende ein Referendum, mit dem das Volk über die zivile Nutzung der Kernenergie entscheiden sollte. Das berichtete EURACTIV Frankreich. Umweltaktivist Nicolas Hulot sagte, dass die Kernenergienutzung in Frankreich "mindestens Gegenstand einer nationalen Debatte, eines Referendums" sein müsse.
Anstelle einer unnötigen Debatte über den Islam, sollte es ein Referendum zur Atompolitik geben, sagte auch die liberale Europaabgeordnete Corinne Lepage. Der grüne Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit unterstrich die Forderung der Grünen nach einem Atomausstieg.
In Frankreich stammen 80 Prozent der produzierten Energie und 20 Prozent der verbrauchten Energie aus Atomkraftwerken.
Der französische Energieminister Éric Besson lehnte die Forderungen nach einem Referendum über einen Nuklearausstieg ab. Das Volk könne über dieses Thema bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen 2012 abstimmen.
Drohende Nuklearkatastrophe
Im Unglückskraftwerk Fukushima gab es am heutigen Montag eine zweite Wasserstoffexplosion und weitere Nachrichten, die den schlimmstmöglichen Fall einer Kernschmelze erwarten ließen. Zudem drehte über Japan der Wind, so dass eine radioaktive Wolke nun doch über das Inland ziehen könnte. Der Großraum Tokio mit seinen rund 35 Millionen Einwohnern liegt nur rund 240 Kilometer südlich der Atomanlage. Dabei sind ohnehin schon Millionen Menschen im Land ohne Strom und Wasser, und heftige Nachbeben erschütterten Japan auch am Montag.
In dem Atomkomplex spitzte sich die Lage Medienberichten zufolge am Montag dramatisch zu. Eine Kernschmelze in Reaktor 2 sei nicht mehr auszuschließen, berichtete die Nachrichtenagentur JiJi unter Berufung auf den Betreiber Tepco. Die Brennstäbe lägen dort inzwischen weitgehend trocken, würden nicht mehr von Kühlwasser bedeckt und seien teilweise beschädigt. Eine Kernschmelze erhöht das Risiko für das Austreten von Radioaktivität deutlich.
EURACTIV/rtr/mka mit EURACTIV Frankreich