Lehren aus EHEC: EU verstärkt Epidemie-Prävention

Die EU-Kommission stockt die Gelder für Forschungsprojekte zur Reaktion auf Epidemien auf. Damit will die EU offenbar eine Wiederholung des unglücklichen Krisenmanagements vermeiden, das deutsche Behörden in der EHEC-Krise zeigten.

Die EU wird die EHEC-Forschung mit weiteren 2,1 Millionen Euro fördern. Im Bild: Melanie Hassel, Abteilungsleiterin im rheinland-pfälzischen Landesuntersuchungsamt, zeigt eine Diagnosik von EHEC-Keimen an einer Salatprobe. Foto: dpa
Die EU wird die EHEC-Forschung mit weiteren 2,1 Millionen Euro fördern. Im Bild: Melanie Hassel, Abteilungsleiterin im rheinland-pfälzischen Landesuntersuchungsamt, zeigt eine Diagnosik von EHEC-Keimen an einer Salatprobe. Foto: dpa

Die EU-Kommission stockt die Gelder für Forschungsprojekte zur Reaktion auf Epidemien auf. Damit will die EU offenbar eine Wiederholung des unglücklichen Krisenmanagements vermeiden, das deutsche Behörden in der EHEC-Krise zeigten.

Die EU wird weitere 12 Millionen Euro aus ihrem Forschungsbudget einsetzen, um Europas Fähigkeit zur Bekämpfung von Krankheitserregern wie E.coli (EHEC) zu verbessern. Damit reagiert die EU-Kommission auf die Erfahrungen der EHEC-Epidemie, die im Mai in Deutschland ausgebrochen war. Von Mai bis Juli 2011 hatten sich europaweit 3.910 Menschen infiziert, 46 Menschen starben, davon 45 in Deutschland.

Mit E.coli verseuchte Bockshornkleesamen aus Ägypten wurden inzwischen als die Verursacher des EHEC-Ausbruchs in Deutschland und eines davon unabhängigen EHEC-Ausbruchs in Bordeaux (Frankreich) identifiziert.

Kritik an Deutschland

Vor allem in der Anfangszeit wurde das Krisenmanagement der deutschen Behörden im In- und Ausland stark kritisiert (EURACTIV.de vom 8. Juni 2011). Spanien zeigte sich besonders verärgert, da dessen Landwirte aufgrund eines deutschen Fehlurteils starke Einkommenseinbußen erleiden mussten (EURACTIV.de vom 9. Juni 2011). Ende Juli erklärte das Robert-Koch-Institut den EHEC-Ausbruch offiziell für beendet.

Die EU wird die betroffenen Gemüsebauern mit Nothilfen von insgesamt 227 Millionen Euro für ihre Verluste entschädigen (EURACTIV.de vom 29. Juli 2011).

ANTIGONE

Die EU-Kommission kündigte an, dass ein grenzüberschreitendes Konsortium namens ANTIGONE ab Herbst den E.coli-Stamm erforschen soll, der für die tödliche Darminfektion verantwortlich war. Dafür ist ein spezielles Budget von 2,1 Millionen Euro vorgesehen. Erforscht werden auch andere Bakterien und Viren, z.B. der Erreger von Krim-Kongo-Fieber, Ebola, SARS, Pest oder Q-Fieber.

"Ziel des Projekts ist es insbesondere, die Faktoren zu bestimmen, die Viren und bakterielle Erreger dazu befähigen, die Speziesbarriere zu überwinden und so von Tieren auf Menschen überzugehen", heißt es in der Mitteilung der Kommission.

Bisher ist geplant, dass sich 14 Institute aus sieben Ländern an dem Projekt beteiligen. Aus Deutschland beteiligen sich das Universitätsklinikum Bonn, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) – Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

Russland beendet Gemüse-Embargo

Die EU-Kommission gab diese Woche bekannt, dass Russland die strikten Auflagen für die Einfuhr von Gemüse aus EU-Ländern zum 9. August wieder aufgehoben hat. Russland hatte am 2. Juni ein Einfuhrverbot für Frischgemüse aus allen EU-Ländern verhängt. Wenige Wochen später wurde das generelle Gemüse-Embargo durch ein aufwändiges Zertifizierungssystem ersetzt.

mka

Ein englischsprachiger Beitrag zu diesem Thema erschien auf EURACTIV.com.

Links

Dokumente

EFSA: Tracing seeds in relation to E.coli (STEC) Outbreaks in Germany and France (5. Juli 2011)

EU-Kommission: Neues Forschungsvorhaben zur Reaktion auf unerwartete Epidemierisiken (9. August 2011)

EU-Kommission: Russia’s decision to cancel temporary import requirements for fresh EU vegetables (8. August 2011)

Weitere Beiträge zum Thema auf EURACTIV.de

EHEC: EU-Hilfen für Landwirte aufgestockt (29. Juli 2011)

EHEC: 210 Millionen Euro für europäische Bauern (15. Juni 2011)

EHEC: Gurken, Tomaten und Salat wieder gesund (10. Juni 2011)

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