Lieferausfälle: Gazprom weist alle Vorwürfe von sich

Angeblich soll Russlands Energieriese Gazprom seine Gasexporte nach Europa gedrosselt haben. Der Konzern zeigt sich überrascht - und wirft der Ukraine vor, sich mehr als ihren Anteil abzuzweigen.

Angesichts der Kältewelle sei der russische Gasbedarf gestiegen, erklärte der russische Energiekonzern Gazprom. Dennoch werde man den Verpflichtungen gegenüber seinen europäischen Kunden nachkommen. Foto: dpa
In den Streit zwischen EU-Kartellwächtern und dem russischen Energiekonzern Gazprom kommt Bewegung. [Foto: dpa]

Angeblich soll Russlands Energieriese Gazprom seine Gasexporte nach Europa gedrosselt haben. Der Konzern zeigt sich überrascht – und wirft der Ukraine vor, sich mehr als ihren Anteil abzuzweigen.

"Aufgrund des strengen Winters in Russland und Temperaturen von bis zu minus 35 Grad kommt es derzeit zu Einschränkungen in der Anlieferung von Erdgas aus Russland. Dies hat auch Auswirkungen auf den Gastransport nach Europa", teilte der österreichische Energiekonzern OMV am Donnerstag mit. In Österreich kämen derzeit 30 Prozent weniger Erdgas an als sonst. Fast 50 Prozent des österreichischen Gasbedarfs wird normalerweise von Russland gedeckt.

Italien warf Russland nach Angaben der Agentur Interfax vor, 20 Prozent weniger Gas geliefert zu haben. Ähnliche Vorwürfe kamen auch aus Tschechien, Ungarn, Polen und der Slowakei. Die Gasflüsse von Russland nach Italien, Polen und die Slowakei seien am Mittwoch zwischen 8 und 10 Prozent unter die üblichen Werte gefallen, bestätigte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Am Freitag teilte Brüssel mit, dass auch Bulgarien, Griechenland, Ungarn und Rumänien betroffen seien.

Die RWE-Tochter Supply & Trading, die für den Gasimport zuständig ist, bekommt derzeit 30 Prozent weniger Gas als üblich, erklärte eine RWE-Sprecherin gegenüber Dow Jones. Die Versorgung der Kunden sei aber sichergestellt.

Der russische Energieriese ließ hingegen mitteilen, das Unternehmen habe in den kalten Tagen seine Gaslieferungen auf ein Maximum herauf geschraubt: "Gazprom pumpt derzeit täglich Gasmengen nach Europa, die in der Jahresauswertung 180 Milliarden Kubikmetern gleichkommen", teilte der Konzern am Donnerstag unter Berufung auf Gazprom-Vizevorstandschef Alexander Medwedew mit. Angesichts des kalten Wetters laufe die Gasversorgung auf vollen Touren. Im vergangenen Jahr seien etwa 150 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa geflossen.

Allerdings beziehe die Ukraine, die in diesem Jahr die Gaseinfuhr aus Russland stark reduzieren will, momentan Gas in deutlich höheren Mengen als im Vertrag vorgesehen, so Medwedew. Die derzeitige Menge, die die Ukraine beziehe, entspreche aufs Jahr gerechnet 60 Milliarden Kubikmeter, was deutlich höher als vertraglich festgesetzt sei.

Ukraine: "reibungsloser Transit"

Die Ukraine wies auf den "reibungslosen Transit" von russischem Gas in den Westen gemäß Lieferverträgen von Gazprom. "Zusätzliche Gasmengen, die die Ukraine jetzt wegen extremer Kälte verbraucht, stammen aus ukrainischen Untergrundgasspeichern", teilte der nationale Versorger Naftogaz am Donnerstag in Kiew mit. Durch ukrainisches Territorium werden jährlich im Durchschnitt rund 100 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland gepumpt.

Medwedew zufolge wurden die Gaslieferungen auch in Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) erhöht, darunter in die Ukraine und nach Weißrussland. Deutlich mehr Gas werde Gasspeichern entnommen. Allein aus seinen europäischen Speichern pumpe der Gazprom-Konzern in der letzten Woche fast 300 Prozent mehr Gas als sonst, sagte Medwedew.

Ein englischsprachiger Beitrag zum Thema erschien auf EURACTIV.com.

dto mit RIA Novosti

Links

Dokumente

OMV: OMV/EconGas zu Einschränkungen russischer Erdgaslieferungen: Versorgung für Österreich unter den derzeitigen Bedingungen sichergestellt (2. Februar 2012)

Presse

Dow Jones: RWE bekommt 30 Prozent weniger Gas aus Russland (2. Februar 2012)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

RWE beendet Gespräche mit Gazprom (22. Dezember 2011)

"Oettinger steuert an nachhaltiger Energieversorgung vorbei" (15. Dezember 2011)