Litauen führend in Europa bei der Beschäftigung ukrainischer Flüchtlinge
Litauen ist unter den EU-Ländern führend bei der Eingliederung ukrainischer Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. Mehr als die Hälfte der Ukrainer:innen im erwerbsfähigen Alter, die nach der russischen Invasion im Februar ins Land gekommen sind, haben Arbeit gefunden.
Litauen ist unter den EU-Ländern führend bei der Eingliederung ukrainischer Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. Mehr als die Hälfte der Ukrainer:innen im erwerbsfähigen Alter, die nach der russischen Invasion im Februar ins Land gekommen sind, gehen dort einer Arbeit nach.
Zigmantas Dargevičius sagt, dass er ukrainischen Flüchtlingen helfen wollte und einigen von ihnen eine Stelle in einer von ihm geführten Hotelkette angeboten habe. Im Sommer, auf dem Höhepunkt der Saison, war das leicht zu bewerkstelligen, und außerdem waren die Ukrainer:innen angesichts des Arbeitskräftemangels ein Gewinn. Er sagt, er plane, im Frühjahr, wenn die Saison wieder beginnt, mehr Ukrainer:innen aufzunehmen.
„Es gibt nur ein Problem – die meisten sprechen kein Englisch, so dass wir ihnen keine [kundenorientierten] Jobs geben können“, sagt Dargevičius, CEO von Best Baltic Hotels.
In Kaunas hat eine Ukrainerin ein eigenes Unternehmen gegründet, das Lebensmittel herstellt und verkauft. Sie sagt, sie habe ein ähnliches Geschäft in der Ukraine, daher sei es nicht schwer gewesen, in Litauen anzufangen.
Bis jetzt, sagt sie, sind alle ihre Mitarbeiter:innen ukrainische Kolleg:innen, mit Ausnahme einer Verkäuferin, die Litauerin ist.
„Wir haben jetzt 10 Mitarbeiter:innen. Es gibt eine Facebook-Gruppe mit dem Namen Ukrainer:innen in Kaunas, und ich habe dort eine Anzeige aufgegeben, in der ich mitteilte, dass ich Mitarbeiter:innen suche, vorzugsweise ukrainische, weil es für mich einfacher ist, das Geschäft weiter auszubauen. Vielleicht werde ich später mehr litauische Frauen einstellen, aber im Moment möchte ich meine eigenen Frauen beschäftigen“, sagt Natalia Fayer, die Gründerin von Pas Mamą.
„Ich habe gute Erfahrungen in Kaunas gemacht, die Leute sind gut und hilfsbereit. Ich bin froh, dass das ganze Team aus der Ukraine kommt, wir verstehen uns und es ist viel einfacher zu arbeiten“, sagt Olha Synko, ein Flüchtling aus der Ukraine.
„Wir sind es gewohnt, unser ganzes Leben lang zu arbeiten. Ich bin Erzieherin, aber jetzt versuche ich einen anderen Beruf. Ich bin froh, dass ich arbeiten und Kontakte knüpfen kann“, sagt eine andere Ukrainerin, Olha Poshtarenko.
Fayer, die Gründerin, will ihr Geschäft ausbauen.
„Der Plan ist, unsere Produkte für den litauischen Kunden attraktiv zu machen. Dann werden wir expandieren und Markengeschäfte einrichten, in denen die Kund:innen Produkte für Frühstück, Mittag- und Abendessen finden können“, erzählt sie.
Nach Angaben des Ministeriums für soziale Sicherheit und Arbeit gründen nur sehr wenige Ukrainer:innen ihr eigenes Unternehmen. Litauen hat jedoch unter den EU-Mitgliedstaaten den höchsten Anteil ukrainischer Flüchtlinge an den Erwerbstätigen. Etwa die Hälfte der Menschen im erwerbsfähigen Alter hat einen Arbeitsplatz gefunden.
„Litauen war wahrscheinlich eines der ersten Länder, das seinen Arbeitsmarkt geöffnet hat. Als die Lett:innen und Est:innen noch darüber diskutierten, was sie ändern sollten, arbeiteten die Menschen in Litauen bereits, und wir arbeiten auch sehr schnell daran, Menschen in qualifizierte Jobs zu bringen. Im Moment arbeiten etwa 1.000 Menschen in den Bereichen Bildung, Sozialversicherung und Gesundheitswesen“, so der stellvertretende Minister Vytautas Šilinskas.
Bei der Arbeitsaufsichtsbehörde sind mehr als 200 Beschwerden ukrainischer Arbeitnehmer:innen eingegangen, meist über nicht gezahlte Löhne.
Über 21.000 in Beschäftigung
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine haben mehr als 21.000 Ukrainer:innen in Litauen Arbeit gefunden. Nach Angaben des Ministeriums für soziale Sicherheit und Arbeit zahlen sie monatlich etwa 5 Millionen Euro an Steuern.
Die meisten Ukrainer:innen arbeiten in der verarbeitenden Industrie, im Baugewerbe, im Transport- und Lagerwesen, im Beherbergungs- und Gaststättengewerbe sowie im Groß- und Einzelhandel, heißt es in der Erklärung.
„Ich bewundere die Arbeitsmoral und Stärke der Ukrainer:innen und ihren Beitrag zur litauischen Wirtschaft. Gleichzeitig danke ich unseren Arbeitgeber:innen, die Ukrainer:innen, die vor dem Krieg geflohen sind, Arbeit gegeben haben“, wird Ministerin Monika Navickienė in der Erklärung zitiert.
Die Gehälter der Ukrainer:innen reichen vom Mindestlohn bis zu fast 2.000 pro Monat, je nach Art ihrer Arbeit. Im Durchschnitt verdiente ein Ukrainer im November rund 1.048 Euro vor Steuern.
Bislang sind rund 71 500 Ukrainer:innen nach Litauen gekommen, darunter Kinder, ältere Menschen und Menschen im arbeitsfähigen Alter.
Dieser Artikel erschien ursprünglich bei EURACTIVs Medienpartner lrt.lt.