Macron will EU-"Farm-to-Fork"-Strategie wegen Ukraine-Krieg anpassen
Frankreichs Agrarsektor wird" landwirtschaftliche Unabhängigkeit" anstreben und Produktivität über Ziele für nachhaltige Landwirtschaft stellen, um die Herausforderungen, die sich aus dem post-Ukrainekriegs in Europa ergeben, bewältigen zu können. EURACTIV Frankreich berichtet.
Frankreichs Agrarsektor soll „landwirtschaftliche Unabhängigkeit“ anstreben und im Rahmen des Europäischen Green Deals Produktivität über Ziele für nachhaltige Landwirtschaft stellen. Damit sollen die Herausforderungen, die sich aus den Folgen des Ukrainekriegs in Europa ergeben, bewältigt werden, so der französische Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag (17. März) auf einer Pressekonferenz. EURACTIV Frankreich berichtet.
Während der Krieg in der Ukraine weiter tobt, stellte Macron sein Fünfjahresprogramm für den Fall seiner Wiederwahl im April vor, das sich auf die Unabhängigkeit in einem „stärkeren Europa“ konzentriert. Im Mittelpunkt stehen dabei Landwirtschaft und Industrie.
In Anlehnung an den „Resilienzplan“, den die Regierung am Mittwoch (16. März) angekündigt hatte, erläuterte Macron sein Projekt, das auf „landwirtschaftlicher, industrieller und kreativer Unabhängigkeit“ basiert.
Macron hat auch beschlossen, Themen in Angriff zu nehmen, die auf EU-Ebene sehr heikel sind, was sich auf die „Farm to Fork“-Strategie auswirken würde. Die Strategie sieht unter anderem vor, den Einsatz von Pestiziden bis 2030 zu halbieren und den Gebrauch von chemischen Düngemitteln um 20 Prozent zu reduzieren.
Die Neuausrichtung der Agrarproduktion scheint Macrons Priorität zu sein, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Ernährungssicherheit durch die aufeinanderfolgenden globalen Krisen und die zu erwartenden „tiefgreifenden Nahrungsmittelkrisen“ zu einer großen Herausforderung geworden ist.
Der französische Präsident möchte die „Farm to Fork“-Strategie der EU, die auf einer Welt „vor dem Krieg in der Ukraine“ basiere, anpassen, da die Umsetzung der bisherigen Pläne laut einigen aktuellen Studien zu einem „Rückgang der Produktion um 13 Prozent“ führen könnte.
„Europa kann es sich nicht leisten, weniger zu produzieren“, sagte er und forderte eine Revision der „Farm to Fork“-Ziele.
Generationswechsel
Der Generationswechsel stelle eine große Herausforderung dar, da etwa die Hälfte der französischen Landwirt:innen bis 2026 nicht mehr tätig sein wird, so Macron auf der Konferenz.
Er will ein „Gesetz über die Ausrichtung und Zukunft der Landwirtschaft“ vorschlagen, um die Ausbildung, Etablierung und Unterstützung der Landwirt:innen zu erleichtern.
Einige konkrete Maßnahmen wie die Gewährung eines Kredits ohne Bürgschaft in Höhe von bis zu 50.000 Euro mit Zahlungsaufschub von zwei Jahren sind im Programm für 2022 des Präsidenten aufgelistet, welches nun online ist. Dies kommt zu dem bereits geltenden Stipendium für Junglandwirt:innen, der DJA – „Dotation Jeune Agriculteur“, hinzu.
Aufbauend auf den Erfolgen seiner fünfjährigen Amtszeit, insbesondere den Gesetzen Egalim1 und 2, die den Erzeuger:innen ihr Einkommen sichern sollen, möchte der französische Präsident „unsere Landwirtschaft weiter umgestalten, weiter erzeugen und auf mehr Qualität hinarbeiten.“ Dazu gehören auch Reformen, die kurzen Lieferketten und Bioprodukten Vorrang einräumen würden.
Mehr Eiweißanbau
Macron will außerdem den Eiweißplan stärken. Er verwies darauf, dass dies „eine französische Initiative aus dem Jahr 2018 war, die wir dann europäisiert haben“. Diese Maßnahme zielte darauf ab, die Anbaufläche von eiweißreichen Pflanzen wie Soja innerhalb von 10 Jahren zu verdoppeln, um die Abhängigkeit des Blocks von anderen Kontinenten zu verringern.
Die Landwirtschaftsminister:innen haben der Kommission bereits den Vorschlag vorgelegt, Agrarflächen für die Produktion von Eiweißpflanzen zur Verfügung zu stellen. Das Thema soll auf dem nächsten Agrifisch-Rat der EU am 21. März in Brüssel diskutiert werden.
Nach Angaben der Kommission haben 18 Mitgliedstaaten Pläne zu gekoppelten Einkommensbeihilfen für den Anbau eiweißhaltigen Pflanzen in ihre nationalen Strategiepläne aufgenommen, in denen die EU-Länder detailliert darlegen, wie sie die neun EU-weiten Ziele der reformierten GAP erreichen wollen
[Bearbeitet von Gerardo Fortuna und Alice Taylor]