Marktfragmentierung ein Hindernis für saubere Autos [DE]
Unterschiedliche Umweltschutzbestimmungen und Steuersysteme in der EU verhindern erschwinglichere Preise für umweltfreundliche Fahrzeuge.
Unterschiedliche Umweltschutzbestimmungen und Steuersysteme in der EU verhindern erschwinglichere Preise für umweltfreundliche Fahrzeuge.
Der europäische Automobilmarkt ist weiterhin stark fragmentiert und die Hauptursachen für die Preisunterschiede sind die variierenden Steuerregeln und Umweltschutzbestimmungen. Zu diesem Ergebnis kommt die Kommission in einem Bericht von 2005 (siehe EURACTIV 1. August 2005).
„Wir brauchen einen gemeinsamen Markt. Leider haben wir bisher keinen, weil die Steuervorschriften, vor allem im Bereich Umweltschutz, den europäischen Markt aufteilen,“ sagte Jean-Martin Folz, Chef des Automobilherstellers PSA Peugeot Citroën, während eines Treffens des Arbeitgeberverbandes UNICE am 17. Oktober 2006.
Marktfragmentierung würde derzeit die Hersteller daran hindern, die Größenvorteile des Binnenmarkts auszunutzen, warnte Folz. Das gleiche gelte für umweltfreundliche Technologien.
Die hohen Ölpreise haben dazu geführt, dass die Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs eine Priorität für die EU geworden ist. Der letzte Woche von der Kommission vorgelegte Energieeffizienzplan beinhaltet jedoch keine Vorschriften, die die Autohersteller zwingen könnten, die CO2-Emissionen zu reduzieren, was wiederum zu Kraftstoffeinsparungen führen würde.
Anstelle rechtlicher Verpflichtungen betonte die Kommission, dass sie falls notwendig 2007 Gesetze auf den Weg bringen werde, um zu gewährleisten, dass bis 2012 das Ziel von 120g CO2/km erreicht werde. Sie werde diese Maßnahmen nur dann ergreifen, wenn deutlich würde, dass freiwillige Verpflichtungen nicht ausreichten.
Der Aktionsplan sieht vor, die Kennzeichnung verbrauchsarmer Kraftfahrzeuge EU-weit zu harmonisieren, um Verbraucher von einem Wechsel zu sauberen Autos zu überzeugen. Solche Kennzeichnungen gibt es bereits in sieben EU-Staaten (Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien). Sie sind ähnlich konzipiert wie die Kennzeichnung für Elektrogeräte, Kühlschränke und Waschmaschinen, die der Verbraucher bereits kennt.
Diese Informationen sind jedoch nutzlos, wenn die Verbraucher nicht gewillt sind, für umweltfreundlichere Modelle mehr zu bezahlen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Briefing-Dokument der Umweltdirektion der Kommission, das auf einen britischen Bericht von 2006 verweist.
Während 83% der Autokäufer angaben, umweltbewusst zu sein, sagten nur 3%, dass das Emissionsniveau einen entscheidenden Einfluss auf ihre Kaufentscheidung habe, so der Bericht.
In Zukunft könnten Steuervorteile eingeführt werden, um die Wahl der Verbraucher zu beeinflussen. In Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden gibt es bereits solche Regelungen, jedoch unterscheiden sie sich stark voneinander. Während in Frankreich eine Zulassungssteuer von 380€ für Neuwagen anfällt, deren CO2-Emissionen 200 g/km übersteigen, erhalten die Verbraucher in den Niederlanden einen Abschlag von 6000€ beim Kauf eines Hybridfahrzeugs.
Die Kommission hat im Juli 2005 einen Vorschlag vorgelegt, der darauf abzielt, die Steuervorteile für Kraftfahrzeuge zu harmonisieren. Das Europäische Parlament hat diesem Vorschlag vor kurzem zugestimmt (siehe EURACTIV 6. September 2006). Der Vorschlag wird jedoch voraussichtlich an der Einstimmigkeitsregel im Ministerrat scheitern.