Marktversagen droht: EU-Ratspräsidentschaft diskutiert Anreize zur Antibiotikaforschung
Die belgische Ratspräsidentschaft hat sich mit der Frage befasst, wie die EU auf Antibiotikaresistenzen reagieren soll. Vom 6. bis 8. Mai fand dazu ein hochrangiges Treffen statt, bei dem erörtert wurde, wie man einem drohenden Marktversagen in dem Bereich entgegentreten könnte.
Die belgische Ratspräsidentschaft hat sich mit der Frage befasst, wie die EU auf Antibiotikaresistenzen reagieren soll. Vom 6. bis 8. Mai fand dazu ein hochrangiges Treffen statt, bei dem erörtert wurde, wie man einem drohenden Marktversagen in dem Bereich entgegentreten könnte.
Antibiotikaresistente Infektionen in Europa fordern jedes Jahr mehr als 35.000 Todesopfer. Daher hat sich die Antibiotikaresistenz nach Corona zu einer anhaltenden Gesundheitskrise entwickelt und damit zu einer Priorität für die Arzneimittelreform der Kommission.
Die Forschungs- und Entwicklungsprogramme (F&E) sehen düster aus, denn seit den 1980er Jahren wurden keine neuen Klassen von Antibiotika mehr entdeckt. In der Zwischenzeit hat sich die Resistenz gegen bestehende Antibiotika beschleunigt.
Auf dem Treffen wurden auch verschiedene Anreize für die Pharmaindustrie diskutiert. Die Teilnehmer waren sich einig, dass eine Kombination von Förderungs- und Belohnungsanreizen (in der Frühphase und in der Markteintrittsphase) notwendig sei, um einem Marktversagen im Bereich Forschung und Entwicklung entgegenzuwirken.
Mehrere Teilnehmer äußerten Vorbehalte gegenüber den von der Kommission vorgeschlagenen und von der Industrie unterstützten übertragbaren Exklusivitätsscheinen. Diese gewähren einem Entwickler ein zusätzliches Jahr regulatorischen Datenschutz für eines seiner Produkte oder die Möglichkeit, es an ein anderes Unternehmen zu verkaufen, das bereits eine Marktzulassung besitzt.
Christine Årdal vom norwegischen Institut für öffentliche Gesundheit stellte das Modell der jährlichen Einnahmegarantie, auch „Netflix-Modell“ genannt, vor. Dieses Modell zielt darauf ab, den übermäßigen Einsatz von Antibiotika zu verhindern, indem die Bezahlung vom Verbrauch abgekoppelt wird. Es ist auch in einer kürzlich vom EU-Parlament verabschiedeten Entschließung enthalten.
Es liegt jetzt am Rat, zu handeln. Mit Blick auf die bevorstehende ungarische Ratspräsidentschaft legte sich der ungarische Staatssekretär für Gesundheit, Peter Takács, nicht auf einen bestimmten Anreiz fest. Er erklärte, die ungarische Regierung sei „offen dafür, alle Möglichkeiten zu prüfen.“ Nach Ansicht von Takács sollten auch die gemeinsame Beschaffung, die verpflichtende Vorratshaltung von Antibiotika mit engem Wirkungsspektrum und Investitionen in Horizon Europe in Betracht gezogen werden. Letztes Jahr war Ungarn einer von 14 Staaten, die sich in einem Schreiben gegen übertragbare Exklusivitätsscheine aussprachen.
Die nächste Ratssitzung zur Erörterung des zweiten Kompromisstextes über Anreize zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen ist für den 28. und 29. Mai angesetzt.
Der belgische Vizepremierminister Frank Vandenbroucke schloss die Veranstaltung mit dem neuen Dokument über Antibiotikaresistenzen, in dem Präventions- und Kontrollmaßnahmen skizziert werden. Diese basieren auf der Empfehlung des Rates vom letzten Jahr zu den EU-Zielen für Antibiotikaresistenzen.
[Bearbeitet von Kjeld Neubert]