Mayer: Herabstufung der Euro-Länder nachvollziehbar
Nach der Herabstufung von neun Euro-Ländern hat die US-Ratingagentur Standard & Poor's dem Euro-Rettungsfonds EFSF seine Bestnote AAA entzogen. Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, erläuterte gegenüber EURACTIV.de, weshalb die Herabstufung der Euro-Länder nachvollziehbar sei und welche Konsequenzen nun gezogen werden müssten.
Nach der Herabstufung von neun Euro-Ländern hat die US-Ratingagentur Standard & Poor’s dem Euro-Rettungsfonds EFSF seine Bestnote AAA entzogen. Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, erläuterte gegenüber EURACTIV.de, weshalb die Herabstufung der Euro-Länder nachvollziehbar sei und welche Konsequenzen nun gezogen werden müssten.
Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat dem Rettungsfonds EFSF die Bestnote "AAA" entzogen. Die Bonität werde nur noch mit der zweitbesten Note AA+ eingestuft, teilte die Agentur am Montag in Washington mit. Der EFSF wies unmittelbar nach Bekanntgabe der Entscheidung von S&P darauf hin, dass die beiden anderen Bonitätswächter, Moody’s und Fitch Ratings, den Fonds weiterhin mit dem Spitzenrating bewerteten. "Keine der beiden Ratingagenturen hat irgendeine Entscheidung über den EFSF in unmittelbarer Zukunft angekündigt", hieß es in einer Mitteilung.
EFSF-Chef Klaus Regling erklärte, die Kreditkapazität von 440 Milliarden Euro werde durch die Herunterstufung durch S&P nicht verringert. "Der EFSF hat genug Mittel, um seine Verpflichtungen unter den laufenden und potenziellen künftigen Anpassungsprogrammen zu erfüllen, bis der ESM seine Arbeit im Juli 2012 aufnimmt." Der französische Finanzminister François Baroin stieß ins gleiche Horn. Auch nach der Herabstufung bestehe keine Notwendigkeit, den Fonds aufzustocken. "Die Verleihkapazität des EFSF ist weiter intakt. Es gibt genügend Mittel und Garantien, um die derzeitigen und künftigen Verpflichtungen zu erfüllen", sagte Baroin.
"Natürlich wäre mehr Wettbewerb gut"
An der Herabstufung wichtiger Euroländer durch die US-Ratingagentur Standard & Poor’s entzündet sich derzeit hefitge Kritik. Die Rede ist von einem gezielten Angriff gegen Europa und von einer Art Eigenwerbung für die Agenturen. Zugleich werden wieder Forderungen nach einer Europäischen Ratingagentur erhoben. "Natürlich wäre mehr Wettbewerb auf diesem Sektor gut", sagte Thomas Mayer am Montag gegenüber EURACTIV.de. Dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank zufolge könne es jedoch nicht darum gehen, nun eine neue Agentur aufzubauen, weil man mit den Ratings der bestehenden Agenturen nicht zufrieden ist. "Im Grunde wäre es besser, wenn man von den Agenturen insgesamt wegkommen würde und sich die Investoren mehr auf ihre eigene Analyse verlassen würden."
"Die Herabstufungen kommen etwas spät, wie gewöhnlich, und so sieht es aus, als ob sie nun zur Unzeit kämen. Sieht man sich die Entwicklung der Staatsfinanzen und das Krisenmanagement über einen längeren Zeitraum an, dann sind die Herabstufungen durchaus nachvollziehbar", so Mayer.
Moritz Kraemer von Standard & Poor’s hatte am Montag im Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt, dass die sogenannte Macht seiner Branche auch von der Politik gewollt sei, indem sie "die Ratings in Regulierungen für Banken oder Investoren fest verdrahtet haben". Dem stimmt Mayer zu: "In der Tat haben die mit der Finanzregulierung betrauten Stellen den Agenturen die Macht gegeben über die sich die Politik nun beklagt, indem sie Banken und Versicherungen zwingen, bei ihren Entscheidungen die Ratings zu berücksichtigen."
Standard & Poor’s hatte Frankreich und Österreich am Freitag vom Spitzenrating herabgestuft sowie sieben weiteren Euro-Staaten wegen wachsender Risiken in der Schuldenkrise schlechtere Noten verpasst. Da die Bestnote für den EFSF maßgeblich durch die entsprechende Bewertung von sechs der 17 beteiligten Euro-Staaten abhängt, war absehbar, dass auch der Fonds zurückgestuft würde.
Der EFSF wurde im Mai 2010 geschaffen, nachdem Griechenland als erster Euro-Staat mit einem Kreditpaket der Partnerstaaten vor der Pleite gerettet werden musste. Er nimmt mit Garantien seiner Mitgliedstaaten Kredite am Kapitalmarkt zur Finanzierung hoch verschuldeter Euro-Länder auf, die sich nicht mehr selbst zu tragbaren Kosten finanzieren können. Portugal und Irland waren die ersten Nutzer des Fonds, auch Griechenlands zweites Rettungspaket wird über den EFSF gestemmt. Im Juli soll er aber vom permanenten Rettungsmechanismus ESM abgelöst werden.
dto mit EURACTIV/rtr
Links
EFSF: Statement following Standard & Poor’s decision to downgrade its long-term rating (16. Januar 2012)
Standard & Poor’s: Various Rating Actions On 16 Eurozone Sovereign Governments (13. Januar 2012)
Presse
Deutschlandfunk: "Wir wollen keine quasi regulatorische Funktion übernehmen" (16. Januar 2012)
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