Mehrheit der Polen unterstützt Abschuss unbekannter Objekte im nationalen Luftraum

Ein Zwischenfall mit einer möglichen Militärdrohne aus der Ukraine sorgte in Polen für Aufruhr. Laut aktuellen Umfrage wollen nun die meisten Polen, dass die Armee potenziell gefährliche Objekte, die in den Luftraum ihres Landes eindringen, abschießt. 

EURACTIV.pl
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Nach Ansicht von 58,8 Prozent der Befragten sollte Polen Objekte abschießen, die von der Ukraine aus in den polnischen Luftraum fliegen. [Artur Widak/NurPhoto via Getty Images]

Ein Zwischenfall mit einer möglichen Militärdrohne aus der Ukraine sorgte in Polen für Aufruhr. Laut aktuellen Umfrage wollen nun die meisten Polen, dass die Armee potenziell gefährliche Objekte, die in den Luftraum ihres Landes eindringen, abschießt. 

Anfang dieser Woche drang ein nicht identifiziertes Objekt, vermutlich eine Militärdrohne, von der Ukraine aus in den polnischen Luftraum ein. Die Ukraine stand zu diesem Zeitpunkt unter massivem russischen Beschuss. Die polnischen Streitkräfte, die für die Überwachung des polnischen Luftraums zuständig sind, konnten das Objekt jedoch nicht abschießen, da sie es nicht identifizieren konnten.

In Friedenszeiten muss das Militär ein Objekt überprüfen, bevor es abgeschossen wird, um zu vermeiden, dass versehentlich zivile Objekte getroffen werden, wie Oberstleutnant Jacek Goryszewski, Sprecher des Einsatzkommandos der Streitkräfte, erklärte.

Die Armee verlor schon bald den Kontakt zu dem Objekt. Das Objekt, das auf polnischen Boden hätte fallen können, wurde von den polnischen Behörden gesucht, jedoch ohne Ergebnis.

Die Reaktion der polnischen Armee wurde allgemein kritisiert, da sie das Land möglicherweise einem ausländischen Luftangriff aussetzen könnte.

Der pensionierte General Roman Polko, ehemaliger Befehlshaber der Spezialeinheit GROM, vertrat die Ansicht, dass Polens Reaktion als Schwäche ausgelegt werden könnte. Eine solche Entscheidung „ist eine Botschaft an den Kreml, dass Polen an einem bewölkten Tag angegriffen werden sollte, weil es nicht bereit ist.“

Er forderte „mehr Mut und gesunden Menschenverstand“, anstatt „Verfahren zu folgen, die das blockieren, was […] der Sicherheit des Landes dient.“

Die meisten Polen unterstützen seine Position, wie die jüngste Umfrage des SW Forschungsinstituts für die Tageszeitung Rzeczpospolita ergab.

Nach Ansicht von 58,8 Prozent der Befragten sollte Polen Objekte abschießen, die von der Ukraine aus in den polnischen Luftraum fliegen. Dies gilt auch dann, wenn nicht ganz klar ist, ob es sich um militärische oder zivile Objekte handelt. 22,1 Prozent stimmten nicht zu, während 19,4 Prozent keine klare Meinung hatten.

Die Ansicht, dass Polen auch nicht identifizierte Objekte abschießen sollte, war vor allem bei Männern und Menschen mit geringerer Bildung beliebt: 70,9 Prozent der Befragten mit grundlegender Bildung unterstützten dies.

Im vergangenen Monat hatte die Ukraine Polen gebeten, sich an der Verteidigung des ukrainischen Luftraums zu beteiligen und Objekte abzuschießen, die in Richtung Polen fliegen, sich jedoch noch auf ukrainischem Gebiet befinden. Warschau vermied eine klare Antwort und verwies auf die Notwendigkeit, die NATO-Verbündeten zu konsultieren.

Der bisherige NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg wies die Forderung jedoch entschieden zurück und schloss eine solche Beteiligung am Konflikt zwischen der Ukraine und Russland aus.

„Die Politik der NATO bleibt unverändert – wir werden uns nicht an diesem Konflikt beteiligen“, sagte der Norweger gegenüber dem ukrainischen Rundfunk Edyni Novyny.

„Die NATO wird nicht direkt an der Zerstörung russischer Flugzeuge beteiligt sein.“

[Bearbeitet von Nick Alipour]