Exklusiv: USA lehnen deutsche Forderung zur Integration von US-Artillerieraketen ab

Die Ablehnung könnte die Zusammenarbeit der Bundeswehr mit den USA und anderen NATO-Partnern erheblich erschweren.

EURACTIV.com
Defense Minister Boris Pistorius travels to the USA
14 July 2025, USA, Washington: Boris Pistorius (SPD, 2nd from left), Federal Minister of Defense, is received by his US counterpart Pete Hegseth (2nd from right). The main focus of the meeting will be on equipping the Ukrainian armed forces for the ongoing defensive campaign against Russia - in particular strengthening air defenses. However, the rearmament of NATO and the stationing of US troops in Germany are also likely to play a role. Photo: Kay Nietfeld/dpa (Photo by Kay Nietfeld/picture alliance via Getty Images) [Photo by Kay Nietfeld/picture alliance via Getty Images)]

BERLIN – Die US-Regierung hat erneut eine Anfrage des Bundesverteidigungsministeriums abgelehnt, die von Berlin in den USA beschafften GMLRS-Raketen (Guided Multiple Launch Rocket Systems) mit europäischen Raketenwerfern zu integrieren, wie Euractiv erfuhr.

Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren mehrfach entsprechende Anträge gestellt. Doch weder die Biden- noch die Trump-Administration zeigte sich laut deutschen und US-amerikanischen Regierungskreisen offen dafür. Die Weigerung könnte die Interoperabilität der Bundeswehr mit den USA und anderen NATO-Partnern gefährden – viele davon setzen auf US-Produkte.

Die Modernisierung und der Ausbau der deutschen Raketenartillerie zählen zu den Kernprojekten der sogenannten Zeitenwende, der sicherheits- und verteidigungspolitischen Neuausrichtung als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine. Eine der zentralen Lehren aus dem Krieg: Deutschland muss seine Fähigkeiten in der Raketenartillerie wiederaufbauen.

Deutschland nutzt seit Jahrzehnten die MARS-II-Werfer, die mit US-Systemen kompatibel sind. Das Verteidigungsministerium will jedoch künftig auf das Euro-PULS-System setzen – ein Gemeinschaftsprojekt der Rüstungsunternehmen Elbit und KNDS, das mit Waffen verschiedener Hersteller bestückt werden kann.

Berlin hat fünf Euro-PULS-Systeme zu Testzwecken gekauft; sie sollen ab 2026 in die Bundeswehr integriert werden.

Der Umstieg bringt jedoch neue Probleme mit sich: Für die Integration US-amerikanischer Munition in das Euro-PULS-System ist eine Genehmigung Washingtons erforderlich. Die von der Bundeswehr genutzten, in den USA beschafften GMLRS-Raketen, die derzeit auf MARS II verschossen werden, sind bislang nicht kompatibel mit Euro-PULS.

Das Verteidigungsministerium zeigte sich lange zuversichtlich, dass Washington die notwendige Freigabe erteilen würde. Doch seit fast drei Jahren bleibt diese aus.

Damit steckt das Ministerium in einer Zwickmühle: Die neuen Euro-PULS-Systeme wären nicht mit den vorhandenen GMLRS-Beständen der Bundeswehr nutzbar – und die fehlende US-Freigabe erschwert zudem die Zusammenarbeit mit NATO-Partnern.

Staaten wie Italien, Polen, Bulgarien, Rumänien und die baltischen Länder haben sich bereits für das US-System HIMARS und die zugehörigen GMLRS-Raketen entschieden.

Ein wahrscheinlicher Grund für die US-Blockade: Die Integration der Feuerleitsoftware, die Werfer und Rakete verbindet, könnte anderen Herstellern Einblicke in die Funktionsweise hochmoderner US-Raketen verschaffen – darunter der bis zu 1.000 Kilometer weit reichenden PrSM.

Einige Beamte im Verteidigungsministerium halten es dennoch für möglich, dass die USA eine neue Softwarelösung bereitstellen könnten, die diese Bedenken umgeht.

Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums erklärte auf Anfrage von Euractiv per E-Mail, die US-Entscheidung sei noch nicht endgültig.

(cm, jl)