Menschenrechtler fordern Untersuchung zu Schiffsunglück im Mittelmeer
Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch haben eine "glaubwürdige" Untersuchung des Schiffsunglücks vor der griechischen Küste gefordert, bei dem im Juni Hunderte von Migranten ums Leben gekommen waren.
Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch haben eine „glaubwürdige“ Untersuchung des Schiffsunglücks vor der griechischen Küste gefordert, bei dem im Juni Hunderte von Migranten ums Leben gekommen waren.
Ein überfülltes Fischerboot, das Schätzungen zufolge zwischen 400 und 750 Menschen aus Pakistan, Syrien und Ägypten an Bord hatte, war in internationalen Gewässern vor Griechenland auf dem Weg von Libyen nach Italien gesunken. Etwa 104 Menschen überlebten, 82 Tote wurden von den Behörden geborgen.
Überlebende berichteten von einem vergeblichen Versuch der griechischen Küstenwache, das Schiff abzuschleppen, was zum Kentern geführt habe.
Die griechische Küstenwache und die Regierung erklärten, dass kein Versuch unternommen wurde, das Boot abzuschleppen, und dass es gekentert sei, als die Küstenwache etwa 70 Meter entfernt war.
Die griechischen Justizbehörden haben eine Untersuchung über die Ursachen der Katastrophe eingeleitet, die mehr als ein Jahr dauern könnte. Auch das Vorgehen der Küstenwache wird untersucht.
In einer gemeinsamen Erklärung erklärten Amnesty und Human Rights Watch, sie hätten während eines Besuchs in Griechenland vom 4. bis 13. Juli 19 Überlebende, vier Angehörige der Vermissten sowie Nichtregierungsorganisationen, UN-Organisationen und Vertreter der griechischen Küstenwache und Polizei befragt.
„Die von Amnesty International und Human Rights Watch befragten Überlebenden gaben übereinstimmend an, dass das zum Unglücksort entsandte Schiff der griechischen Küstenwache ein Seil an der Adriana befestigte und mit dem Schleppen begann, wodurch sie ins Schwanken geriet und schließlich kenterte“, hieß es.
Judith Sunderland, stellvertretende Direktorin für Europa und Zentralasien bei Human Rights Watch, erklärte, die Diskrepanzen zwischen den Berichten der Überlebenden und der Version der Behörden seien „äußerst besorgniserregend.“
Beide Gruppen forderten eine vollständige und glaubwürdige Untersuchung des Schiffsunglücks, um die Verantwortung für den Untergang des Schiffes und die Verzögerungen oder Mängel bei den Rettungsmaßnahmen zu klären, die zu dem Verlust zahlreicher Menschenleben beigetragen haben könnten.
Die EU-Behörde für Menschenrechte hatte im vergangenen Monat ebenfalls eine Untersuchung des Unglücks angekündigt. Dabei soll auch der Frage nachgegangen, ob die EU-Grenzschutzagentur Frontex ihren Rettungspflichten nachgekommen ist.