MEPs fordern striktere CO2-Limits für Autohersteller

Autobauer sollen die CO2-Emissionen ihrer Fahrzeuge bis 2030 um 45 Prozent senken müssen. Mit dieser Forderung übertrifft das EU-Parlament die Vorschläge der Kommission.

EURACTIV.com
Plenary session – Situation in Syria
Der Bericht der maltesischen Abgeordneten Miriam Dalli wurde vom Umweltausschuss des EU-Parlaments angenommen. [[European Parliament]]

Autobauer sollen die CO2-Emissionen ihrer Fahrzeuge bis 2030 um 45 Prozent senken müssen, entschieden die Mitglieder des EU-Parlamentsausschusses für Umwelt am gestrigen Montagabend. Damit würde ein Vorschlag der Kommission deutlich ausgeweitet.

Die EU-Parlamentarier waren sich einig, dass das Ziel der Kommission, die Ausstöße aller Neuwagen in den kommenden Jahren um 30 Prozent zu senken, nicht ausreichend sei. Sie votierten für ein 45-Prozent-Ziel. Ebenso soll ein Zwischenziel für das Jahr 2025 von 15 auf 20 Prozent angehoben werden.

Der Bericht der sozialdemokratischen MEP Miriam Dalli erhielt eine Mehrheit von 38 Stimmen im Umweltausschuss. Im nächsten Schritt muss der Vorschlag nun vom gesamten EU-Parlament gebilligt werden. Die Abstimmung soll während der Plenarsitzung im Oktober stattfinden. Dalli zeigte sich sichtlich erfreut, dass ihre Parlamentskollegen trotz des “intensiven Lobbyings” im Endeffekt für eine Verschärfung der Regelungen stimmten.

Tatsächlich sahen sich die Parlamentarier und EU-Beamten heftigen Lobby-Aktivitäten der Industrie gegenüber, seit die Kommission ihren Vorschlag im November 2017 vorgestellt hatte. Die Lobbygruppen wandten sich gegen das allgemeine CO2-Emissionsziele sowie gegen diverse Details der Gesetzesvorschläge.

So betonte der Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA), 20 Prozent sei das “realistischste” Ziel. Die Organisation warnte auch vor Arbeitsplatzabbau, was Dalli wiederum als “größtes Drohszenario” der Autobauer abtat.

Die Abgeordneten stimmten auch dafür, die Verkaufsziele für emissionsarme und emissionsfreie Fahrzeuge auf 20 Prozent der Gesamtverkäufe im Jahr 2025 und 40 Prozent in 2030 anzuheben. Darüber hinaus soll ein Sanktionssystem für Automobilhersteller eingeführt werden, wenn sie diese Ziele nicht erreichen. Europäische Verbraucherschutzorganisationen begrüßten diesen Vorschlag.

Ein Übertreffen der gesetzten Ziele würde hingegen mit zusätzlichen CO2-Zertifikaten belohnt.

Emissionsziele nicht ausreichend für Paris-Abkommen

Die gestrige Abstimmung in Straßburg hat gezeigt, dass die EU-Abgeordneten sich den Behauptungen der Automobilhersteller nicht anschließen, wonach die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen aufgrund fehlender Ladeinfrastruktur gering ist. Stattdessen stimmen sie eher mit NGO-Gruppen wie Transport & Environment (T&E) darin überein, dass es stattdessen die mangelnde Auswahl an Automodellen ist, die den Absatz beeinträchtigt.

Der Bericht der maltesischen Abgeordneten Dalli wurde von T&E allerdings nicht nur gelobt: Die NGO warnte, dass selbst die neu geforderten Zielvorgaben die EU „nur auf 60 Prozent“ der Emissionsminderungen bringen würden, die erforderlich wären, damit der Verkehrssektor die Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen erfüllt.

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments schlug des Weiteren vor, alle neuen Pkw und Transporter-Vans bis 2040 emissionsfrei zu bauen. Sollte diese Forderung tatsächlich in der Plenarsitzung angenommen werden, würde dies Teil der aktuellen Herkulesaufgabe der Kommission, eine Klimastrategie für die Mitte des Jahrhunderts auszuarbeiten, die die EU auf einen Paris-konformen Weg bringen soll.

Ursprünglich wollten die Parlamentarier auch Ausnahmen für Nischenhersteller abschaffen: Alle Marken seien in der Lage, Emissionen zu reduzieren, hieß es. Diese Gesetzesänderung wurde jedoch abgelehnt.

Dieselgate nach wie vor Thema

Dallis Bericht wirbt auch für das Schließen von Schlupflöchern bei der Abgasuntersuchung. Damit solle eine Wiederholung des Diesel-Skandals vermieden werden, von dem weltweit elf Millionen Autos betroffen waren.

Die Gesetzgeber sprachen sich dafür aus, das Testen in der tatsächlichen Fahrpraxis zu einem „integralen Bestandteil“ der Abgasuntersuchung zu machen. Somit hätten die Automobilhersteller weniger Spielraum als bei den aktuellen Tests, die vorrangig im Labor stattfinden.

Jüngste Untersuchungen der Gemeinsamen Forschungsstelle der Kommission haben ergeben, dass die Autofirmen bereits Schwachstellen im neuen weltweiten Prüfverfahren für leichte Nutzfahrzeuge (WLTP) ausnutzen, um die erfassten Emissionen im Vergleich zum Realausstoß zu verringern.

Die neuen EU-Regelungen werden die in den Jahren 2020-2021 erfassten Werte als Ausgangspunkt für zukünftige Ziele nehmen. Einige Automobilhersteller – von denen keiner namentlich genannt wurde – sollen in Tests daher bereits veraltete Batterien und optimierte Schaltmuster genutzt haben, um den aktuellen Kraftstoffverbrauch künstlich zu erhöhen.

Und Lkw?

Die Vorschläge in Bezug auf Auto- und Van-Ausstöße werden komplettiert vom jüngsten – und erstmaligen – Vorschlag der Kommission, die CO2-Emissionen von Lkw zu beschränken. Der Vorschlag wird von Seiten der Industrie allerdings als bloßes „Kopieren” der Gesetzesvorschläge für Pkw kritisiert.

Der für Änderungsvorschläge der EU-Parlamentarier zum Kommissionsvorschlag zuständige MEP Bas Eickhout zeigte sich gestern zuversichtlich, dass die Zustimmung des Umweltausschusses für ambitioniertere Auto-Emissionsziele auch Einfluss auf neue Lkw-Regelungen haben könnte.

Der niederländische Grünen-Abgeordnete sagte gegenüber EURACTIV, die Abstimmung unterstreiche, dass das EU-Parlament „an vorderster Front für neue Technologien im Transportsektor” stehen wolle. Eine ähnliche Gesetzgebung für Lkw “würde uns näher an das Ziel von sauberer Luft in den Städten und dem Erreichen der Paris-Verpflichtungen bringen.“

Trilog-Verhandlungen

Sollte Dallis Bericht auch im Parlaments-Plenum in der ersten Oktoberwoche angenommen werden, könnten die Trilog-Verhandlungen mit der EU-Kommission und dem Rat beginnen. Letzterer legt seine Position in der darauffolgenden Woche fest.

Während Länder wie Frankreich, Irland und die Niederlande hohe Ziele befürworten, ist es unklar, ob Dalli auf die Unterstützung der Kommission zählen kann, um weniger ambitionierte Mitgliedstaaten zu überzeugen.

Während die EU-Exekutive in den Gesprächen über saubere und erneuerbare Energien genau dies geschafft hat, warnte der Leiter der Klimadirektion der Kommission, Mauro Petriccione, mit Blick auf die Fahrzeugemissionsziele bereits, eine Überschreitung der 30-Prozent-Marke könnte gravierende soziale Auswirkungen haben.