Nachhaltigkeitsboni könnten in europäischen Unternehmen bald Realität sein

Die Europäische Kommission könnte innerhalb der nächsten zwei Wochen einen Text verabschieden, der die Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen mit der Ausschüttung von Boni durch Unternehmen verknüpft. EURACTIV Frankreich berichtet.

EURACTIV France
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Derzeit wird darüber diskutiert, ob die Bonusklausel nur für große Konzerne gelten soll und ob die Festlegung eines solchen Rahmens wirklich Aufgabe der EU sein sollte. [Andrii Yalanskyi / Shutterstock]

Die Europäische Kommission könnte innerhalb der nächsten zwei Wochen einen Text verabschieden, der Menschenrechts- und Umweltfolgen der Unternehmenstätigkeit mit der Ausschüttung von Boni verknüpft. EURACTIV Frankreich berichtet.

Sollte die Initiative für eine nachhaltige Unternehmensführung angenommen werden, würde sich dies auf die Direktor:innnen und Führungskräfte auswirken, die ihre bisher gewinnabhängigen Boni stattdessen an Nachhaltigkeitsziele koppeln müssten.

„Wenn wir Wirtschaft und Umwelt in Einklang bringen wollen, ist es absolut notwendig, dass sich dies in den Boni widerspiegelt“, sagte Pascal Canfin, Vorsitzender des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments (ENVI) und Verfasser der Klausel, die in den Text aufgenommen werden soll.

„Eine EU-Studie zu diesem Thema hat ergeben, dass nur ein Drittel der großen Unternehmen angibt, die Sorgfaltspflicht unter Berücksichtigung aller Menschenrechts- und Umweltauswirkungen zu erfüllen“. Dies berichtete die CEC European Managers, eine Organisation, die europäische Manager:innen vertritt, im März 2021.

Die Organisation erklärte damals, sie „begrüße die neue EU-Initiative zur nachhaltigen Unternehmensführung“.

„Wenn wir über die Unternehmensführung sprechen, können wir sehen, dass kurzfristige wirtschaftliche Interessen immer das Handeln von Unternehmensmanager:innen bestimmen, die zum Beispiel unter dem Druck ihrer Aktionär:innen stehen“, sagte die Europaabgeordnete Marie Toussaint im Mai 2022 auf Euronews.

„Wenn wir Maßnahmen für diejenigen einführen, die sich nicht an die Regeln halten, werden die Aktionär:innen nicht mehr die Möglichkeit haben, Druck auf die Manager:innen von Total, Esso und Shell auszuüben, damit sie die fossilen Brennstoffe weiterhin in einer Weise ausbeuten, die die Welt gefährdet“, fügte sie hinzu.

Autonomie bewahren

Wenn der Text angenommen wird, können kurzfristige finanzielle Vorteile und langfristige Wertschöpfung in Verbindung mit Fragen der nachhaltigen Entwicklung in Einklang gebracht werden.

Derzeit wird darüber diskutiert, ob die Bonusklausel nur für große Konzerne gelten soll und ob die Festlegung eines solchen Rahmens Aufgabe der EU sein sollte.

Nach Ansicht von Canfin wird die Autonomie der Unternehmen gewahrt bleiben.

Die Unternehmen werden weiterhin frei entscheiden können, wie viel ihrer variablen Vergütung mit Nachhaltigkeitszielen verknüpft wird und was diese Ziele beinhalten, beispielsweise die Reduzierung von Plastikverpackungen oder den Schutz der Biodiversität.

Verknüpfung mit Umwelt- und Sozialkriterien

Die Boni von etwa 100 in der EU ansässigen Unternehmen sind bereits an ökologische und soziale Kriterien geknüpft, so Canfin. In den meisten Fällen betreffen diese Kriterien 10-20 Prozent des Gesamtbetrags, in seltenen Fällen sogar 30 Prozent, fügte der Abgeordnete von der Renew-Europe-Fraktion hinzu.

Wenn wir jetzt nicht zu einer Verpflichtung übergehen (…), werden wir keinen Wandel in dem erforderlichen Ausmaß vollzogen haben, um erfolgreich zu sein und die Interessen mit dem Green Deal in Einklang zu bringen“, fügte er hinzu.

Die Europäische Kommission wird den Text voraussichtlich am 15. Februar vorlegen.

[Bearbeitet von Alice Taylor]