Nationalbank: "Österreichs Wirtschaft ist leistungsstark"

Die Sparbemühungen der österreichischen Regierung finden bei der Ratingagentur Moody's positives Echo. Auch ein Bericht der Österreichischen Nationalbank stellt dem Land im Europavergleich ein gutes Zeugnis aus.

Nur die Metaller haben vor kurzem gestreikt. Ansonsten sind in Österreich (und in der Schweiz) Streiks ein Fremdwort. Foto: dpa
Nur die Metaller haben vor kurzem gestreikt. Ansonsten sind in Österreich (und in der Schweiz) Streiks ein Fremdwort. Foto: dpa

Die Sparbemühungen der österreichischen Regierung finden bei der Ratingagentur Moody’s positives Echo. Auch ein Bericht der Österreichischen Nationalbank stellt dem Land im Europavergleich ein gutes Zeugnis aus.

Die Ratingagentur Moody’s, die zur Zeit Österreich einen Besuch abstattet und für Spannung sorgt, äußert sich sehr positiv über die Sparbemühungen der österreichischen Bundesregierung. Die Schuldenbremse "unterstützt die Kreditwürdigkeit sowohl der österreichischen Regierung als auch der unteren Verwaltungsebenen", heißt es in einem aktuellen Bericht. Und man nimmt – zur Freude der Regierung – gleich auch jene in die Pflicht, die in den vergangenen Tagen dagegen Widerstand angekündigt haben: "Dies gilt insbesondere, wenn die Oppositionsparteien die Verfassungsänderung unterstützen.“

Vor diesem Hintergrund veröffentlicht die Österreichische Nationalbank einen Bericht, der einen "Überblick über die Fakten zu Österreich und seinen Banken" liefert.

Niedrige Arbeitslosigkeit sorgt für Stabilität

Das Urteil der Österreichischen Nationalbank zur wirtschaftlich-finanziellen Situation der Alpenrepublik fällt positiv aus und wird durch eine Vielzahl von Fakten dokumentiert:

• Österreich weist gegenüber dem Euroraum einen Wachstumsvorsprung und ein höheres Wohlstandsniveau auf. So lag 2010 das Pro-Kopf-Einkommen 16,7 Prozent über dem Euroraum-Durchschnitt.

• Österreichs Wirtschaft ist breit diversifiziert und verfügt über eine sektoral ausgewogene Wirtschaftsstruktur.

• Die Innovationskraft Österreichs übertrifft einer aktuellen internationalen Vergleichsstudie zufolge den EU-Durchschnitt; dies spielt für die künftige wirtschaftliche Entwicklung eine zentrale Rolle.

• Angesichts der niedrigen Arbeitslosigkeit und der geringen Streikhäufigkeit hält Österreich auch bei der sozialen Stabilität eine gute Position. Die Inflationsrate seit der Euro-Einführung liegt mit durchschnittlich 1,8 Prozent unter jener des Euroraums (2,0 Prozent).

• Auf dem österreichischen Immobilienmarkt kam es im Unterschied zu vielen anderen Ländern in den letzten Jahren zu keiner Überhitzung. Daher leiden weder die privaten Haushalte noch die Banken an den Nachfolgeproblemen einer Immobilienblase.

Hohe Sparquote – moderate Haushaltsverschuldung

• Österreich weist eine hohe Sparquote (von derzeit 9,1 Prozent) auf: Das Finanzvermögen der privaten Haushalte ist demnach beträchtlich (498 Milliarden EUR bzw. 175 Prozent des BIP).

• Die Verschuldung der privaten Haushalte (94,7 Prozent relativ zum Nettoeinkommen) und Unternehmen (238,8 Prozent des Bruttobetriebsüberschusses bzw. 91,3 Prozent des BIP) ist im Vergleich zum Euroraum moderat.

• Die moderate Lohnstückkostenentwicklung der letzten Jahre sichert die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs nachhaltig ab. Die Produktivität sowohl pro Erwerbstätigen als auch pro Stunde entwickelte sich deutlich besser als im Euroraum-Durchschnitt.

• Der österreichische Außenhandel mit Waren ist sowohl regional als auch nach Gütergruppen stark diversifiziert und – da zwischen 2007 und 2010 zu 54 Prozent mit anderen Euroraum-Staaten abgewickelt – weitgehend frei von Währungsrisiken. Fast ein Drittel der Exporte ging 2010 nach Deutschland.

Verschuldung liegt unter dem Euroraum-Durchschnitt

• Die seit 2002 jährlich erwirtschafteten Leistungsbilanzüberschüsse (zuletzt:2,7 Prozent des BIP) bestätigen Österreichs internationale Wettbewerbsfähigkeit (Leistungsbilanz des Euroraums: –0,4 Prozent des BIP). Prognosen zufolge werden diese Überschüsse in den nächsten Jahren noch zunehmen.

• Die Nettoverschuldung Österreichs lag 2009 bei 13,5 Prozent des BIP und damit rund 3 Prozentpunkte unter dem Wert für die EU-27 (16,9 Prozent des BIP).

• Die Staatsverschuldung Österreichs hat sich im Jahr 2010 zwar erhöht, ist mit 72,3 Prozent aber niedriger als im Durchschnitt des Euroraums. Sie liegt auch um gut 10 Prozentpunkt unter jener Deutschlands (rund 83 Prozent).

• Der Budgetsaldo hat sich 2010 krisenbedingt auf –4,6 Prozent des BIP erhöht. Das Defizit liegt damit aber unter dem Durchschnitt des Euroraums.

Was für die Regierung, die Wirtschafts- und Finanzwelt wie Balsam auf viele Wunden wirkt, ist für viele gleichzeitig der Auftrag, gerade jetzt die internationale Stimmung zu nützen, um Reformen nicht nur in Angriff zu nehmen, sondern auch durchzuziehen, um das Land "zukunftsfit" zu machen.

Herbert Vytiska, Wien