Neue AIDS Behandlung gibt Hoffnung

Ein wegweisendes Medikament, das auf der internationalen AIDS-Konferenz in München vorgestellt wurde, könnte eine Wende herbeiführen. Die Kosten sind jedoch unerschwinglich.

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Die internationale AIDS-Konferenz (IAS) hat vom 22. bis zum 26. Juli in München stattgefunden. Über 10.000 Ärzte, Gesundheitsexperten und Aktivisten aus 175 Ländern nahmen an der größten jährlichen HIV- und AIDS-Konferenz der Welt teil. [© Salud Por Derecho]

Ein wegweisendes Medikament, das auf der internationalen AIDS-Konferenz in München vorgestellt wurde, könnte eine Wende bei der Behandlung der Geschlechtskrankheit herbeiführen. Die Kosten sind jedoch unerschwinglich.

Die internationale AIDS-Konferenz (IAS) hat vom 22. bis zum 26. Juli in München stattgefunden. Über 10.000 Ärzte, Gesundheitsexperten und Aktivisten aus 175 Ländern nahmen an der größten jährlichen HIV- und AIDS-Konferenz der Welt teil.

Trotz bedeutender Fortschritte bei der Entwicklung von Präventivmedikamenten und der Verringerung der Zahl der jährlichen HIV-Neuinfektionen von 3,3 Millionen vor fast 40 Jahren auf heute 1,3 Millionen, bleiben die Herausforderungen bestehen.

„Wir von UNAIDS setzen uns weiterhin für die Beseitigung aller Ungleichheiten ein, die die HIV-Epidemie und die gesundheitlichen Ungleichheiten weltweit vorantreiben“, sagte Winnie Byanyima, Exekutivdirektorin des gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen für HIV/AIDS (UNAIDS).

Zu den Triebkräften der Epidemie und der Ungleichheiten gehören unzureichende Finanzierung und unzureichender Zugang. Hinzu kommen Stigmatisierung, Diskriminierung und ungleiche Verteilung von Arzneimitteln zwischen Ländern mit hohem und niedrigem Einkommen.

Neue Medikamente wecken Optimismus und lösen Proteste aus

Bei der Behandlung von HIV wurden bedeutende Fortschritte erzielt, die es den Menschen ermöglichen, bei angemessener medizinischer Versorgung eine gute Lebensqualität zu erreichen.

Das zweimal jährlich injizierbare Lenacapavir des US-Pharmariesen Gilead zeigte in einer vorläufigen Phase-3-Studie zur HIV-Prävention bei mehr als 5 000 gleichgeschlechtlichen Frauen in Südafrika und Uganda eine 100-prozentige Wirksamkeit. Diese Ergebnisse deuten auf vielversprechende Fortschritte bei der Präexpositionsprophylaxe (PrEP) hin.

Bei der Präexpositionsprophylaxe handelt es sich um eine vorbeugende Behandlung für Menschen mit hohem HIV-Infektionsrisiko, die täglich in Form einer Tablette eingenommen wird.

Lenacapavir wird zweimal jährlich injiziert und eignet sich daher besser für gefährdete Gruppen wie Sexarbeiter, schwule Männer, Transsexuelle und Drogenkonsumenten. Diese Gruppen vermeiden häufig Tests und Behandlungen.

Zu einem bestimmten Preis

Mehere Universitäten haben eine Analyse durchgeführt, die von Andrew Hill auf der Konferenz vorgestellt wurde. Die Analyse untersuchte die Kosten für die Herstellung des pharmazeutischen Wirkstoffs. Sie zeigte, dass der Preis für das injizierbare Lenacapavir auf etwa 35-40 Dollar pro Patient und Jahr gesenkt werden könnte.

Dem Papier zufolge würde dies freiwillige Lizenzvereinbarungen für die Herstellung von Generika und Vereinbarungen über garantierte Abnahme voraussetzen.

Lenacapavir ist derzeit für die Behandlung und nicht für die Vorbeugung zugelassen. Gilead setzt die Kosten für das erste Jahr auf 42.250 Dollar fest.

Die Aktivisten von Ärzte ohne Grenzen (MSF) forderten auf der AIDS Konferenz 2024 eine sofortige globale Aktion, um das Monopol von Gilead auf Lenacapavir zu brechen.

„100-prozentige Wirksamkeit erfordert 100-prozentigen Zugang“, sagte Asia Russell von Health GAP, einer globalen HIV-Lobbyorganisation. „Lenacapavir zur HIV-Prävention ist eine potenziell pandemievernichtende Behandlung. Gilead untergräbt seit langem den weltweiten Zugang, indem es Länder mit mittlerem Einkommen von freiwilligen Lizenzvereinbarungen ausschließt und Lizenznehmer künstlich einschränkt.“

In Sprechchören wie „Menschen vor Profit“ und „Gileads Gier tötet“ forderten die Aktivisten das Unternehmen auf, sich zu nicht-exklusiven, transparenten und geografisch inklusiven freiwilligen Lizenzvereinbarungen über den von der UN unterstützten Medicines Patent Pool zu verpflichten. Damit könnte ein erschwinglicher Zugang gewährleisten werden.

Abgesehen von dieser Entwicklung gibt es viel Optimismus, dass mRNA-Impfstoffe gegen HIV – eine Technologie, die während der COVID-Pandemie an Bedeutung gewann – in nicht allzu ferner Zukunft verfügbar sein werden.

Schwindender Fokus der Regierung

Dem UNAIDS-Bericht 2024 zufolge führt die Aufstockung der Mittel für die HIV-Prävention zu einem Rückgang der HIV-Inzidenz.

Regionen mit den größten Finanzierungslücken – Osteuropa, Zentralasien, der Nahe Osten und Nordafrika – machen jedoch die geringsten Fortschritte.

In Mittel- und Westeuropa sowie in Nordamerika hingegen ist die Zahl der HIV-Neuinfektionen seit 2010 um 24 Prozent und die Zahl der AIDS-bedingten Todesfälle um 34 Prozent zurückgegangen.

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD/S&D), der die Konferenz eröffnete, sagte, dass die Anstrengungen verstärkt werden müssen. „Warum ist [die Finanzierung] so wichtig? Weil die vom Globalen Fonds geförderten Programme 59 Millionen Menschenleben gerettet haben. 59 Millionen! Diese Zahl spricht für sich selbst.“

In ähnlicher Weise betonte auch Byanyima die Dringlichkeit. „Die Staats- und Regierungschefs haben sich verpflichtet, die AIDS-Pandemie als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit bis 2030 zu beenden, und sie können ihr Versprechen nur dann einhalten, wenn sie sicherstellen, dass die HIV-Bekämpfung über die erforderlichen Mittel verfügt und die Menschenrechte aller Menschen geschützt werden.“