Nick Clegg, der Super-Europäer
Gegensätzlicher könnten die Koalitonspartner in Großbritannien nicht sein - zumindest was die Europapolitik betrifft. Der Euroskeptiker David Cameron sitzt bald mit einem "Super-Europäer" am Kabinettstisch: Nick Clegg war Kommissionsberater, EU-Abgeordneter, spricht fünf Sprachen und will den Euro.
Gegensätzlicher könnten die Koalitonspartner in Großbritannien nicht sein – zumindest was die Europapolitik betrifft. Der Euroskeptiker David Cameron sitzt bald mit einem „Super-Europäer“ am Kabinettstisch: Nick Clegg war Kommissionsberater, EU-Abgeordneter, spricht fünf Sprachen und will den Euro.
Nick Clegg ist jung und charmant. Aber sein wohl größter Vorteil: Er gehört keiner der beiden großen Parteien an. Der Chef der Liberaldemokraten hat zu dieser Wahl den Aufstieg vom Außenseiter zum Star geschafft. Nachdem seine Partei nach der ersten TV-Debatte unerwartet zu Höhenflügen angesetzt hatte, hat er sogar seinen Anspruch auf das Amt des Premierministers laut gemacht. Der Verdruss der Briten mit Labour und den Tories gibt Clegg Rückenwind.
Clegg ist 43 Jahre alt und ein äußerst moderner Politiker. Für einen Briten ungewöhnlich, spricht der ehemalige Europaabgeordnete vier Fremdsprachen – neben Deutsch auch Niederländisch, Spanisch und Französisch. Seine Politik ist extrem europafreundlich. Er will die Einführung des Euros und spricht positiv über das auf der Insel eigentlich verpönte Brüssel. Auch gibt er sich als Verfechter der Menschenrechte, seine Partei hatte damals auch gegen den Irakkrieg gestimmt.
Clegg, der Kosmopolit
Er kommt bei jungen Leuten gut an. Doch ob er die Arbeiterklasse für sich gewinnen kann, muss sich noch zeigen. Denn Clegg kommt aus bestem Hause. Wie Tory-Chef David Cameron besuchte er Elite-Schulen. Sein Vater war Banker, dessen Mutter russische Aristokratin. Cleggs Mutter stammt aus den Niederlanden. Nach seinem Abschluss in Cambridge studierte und arbeitete er im Ausland.
Obwohl die Tories Clegg für sich gewinnen wollten, als der noch bei der EU-Kommission arbeitete, trat er den Liberaldemokraten bei. Seit Dezember 2007 ist er deren Chef, auch wenn ihn Kritiker für zu jung und unerfahren halten.
Clegg ist mit der Spanierin Miriam González Durántez, einer erfolgreichen Anwältin, verheiratet. Nach der Geburt des jüngsten Sohnes nahm Clegg Vaterzeit. Ganz modern. Und seine drei Söhne haben auch keine englischen Namen, sondern spanische.
Patt in der EU-Politik
Beobachter erwarten, dass die Liberalen den euroskeptischen Kurs der Tories bremsen. Zum Schlagabtausch kam es im TV-Duell vor der Wahl. "Wir wollen in Europa führen, und nicht am Rand sitzen", sagte Clegg mit Bezug auf euroskeptische Äußerungen Camerons. Und ergänzte: "Wir steigern unsere Bedeutung, wenn wir mit Europa zusammen stehen".
Die Tories waren treibende Kraft hinter der Gründung einer neuen euroskeptischen Fraktion im EU-Parlament, die European Conservatives and Reformists group (ECR) (EURACTIV vom 23. Juni 2009). Seitdem stehen sie in der Kritik mit Extremisten verbündet zu sein, die zum Teil antisemitisch und schwulenfeindlich agieren.
Clegg sagte, die Tories hätten ein Bündnis mit "ein paar Verrückten und Homophoben" geschlossen, die "den Klimawandel leugnen".
dpa/awr