Nordischer Rat: Nachbarländer klagen über Schwedens Bandenkriminalität
Die Ausbreitung der schwedischen Bandenkriminalität auf die Nachbarländer ist auf dem Nordischen Rat 2024 in Reykjavik auf scharfe Kritik gestoßen. Um dem grenzüberschreitenden Problem zu begegnen, sollen lokale und nationale Behörden ihre Zusammenarbeit deutlich intensivieren.
Die Ausbreitung der schwedischen Bandenkriminalität auf die Nachbarländer ist auf dem Nordischen Rat 2024 in Reykjavik auf scharfe Kritik gestoßen. Um dem grenzüberschreitenden Problem zu begegnen, sollen lokale und nationale Behörden ihre Zusammenarbeit deutlich intensivieren.
Die Ministerpräsidenten aus Schweden, Finnland, Dänemark, Norwegen und Island trafen sich am Dienstag (29. Oktober) in der isländischen Hauptstadt zu einer Sitzung des regionalen Kooperationsgremiums zum Thema „Frieden und Sicherheit in der Arktis“. Allerdings nahm das Thema der schwedischen organisierten Kriminalität während der Diskussionen unerwartet einen prominenten Platz ein.
„Wir haben uns darauf konzentriert, unsere Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität zu vertiefen“, berichtete der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson (EVP) auf der Pressekonferenz mit seinen nordischen Amtskollegen.
Das Thema der organisierten Kriminalität in der Region steht erneut im Fokus, nachdem schwedische Banden ihre Aktivitäten auf die Nachbarländer Dänemark, Norwegen und Finnland ausgeweitet haben. Besonders besorgt sind die Behörden über die gewalttätigen Methoden der Banden.
Schweden hat eine der höchsten pro Kopf-Raten von Waffengewalt in der EU, mit 55 tödlichen Schießereien bei 363 Vorfällen im vergangenen Jahr. Das sind weit mehr als die insgesamt sechs tödlichen Schießereien in Dänemark, Norwegen und Finnland zusammen.
Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (S&D), deren Land stark vom Spillover-Effekt aus Südschweden betroffen ist, direkt auf der anderen Seite der Öresund-Meerenge, fand deutliche Worte.
„In Schweden werden Kriminelle angeheuert, um nach Dänemark einzureisen und dort schwere Straftaten zu begehen, insbesondere in Kopenhagen. Das ist völlig inakzeptabel. Wir arbeiten eng mit Schweden zusammen, um dem ein Ende zu bereiten“, sagte sie.
Laut Frederiksen zerstört der Spillover-Effekt die ‚gesamte Denkweise der nordischen Länder‘.
Im August kündigte Dänemark an, Grenzkontrollen zu Schweden einzuführen. Grund dafür sei das Wiederaufflammen der Bandenkriminalität in Schweden.
Auch der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre (S&D) drückte sein Unmut über die Situation aus.
„In Norwegen sehen wir diese Einflüsse aus Schweden in allen Polizeibezirken“, erklärte Støre. Gleichzeitig begrüßte er den offenen Umgang seines schwedischen Amtskollegen mit dem Thema.
Für ihn ist die Bandenkriminalität ein „Schlüsselthema“, das eine ernsthafte Bedrohung für die Integrität und Sicherheit der nordischen Bürger darstellt.
„Es werden sehr junge Menschen für kriminelle Aktivitäten rekrutiert, und dem muss mit aller Entschlossenheit entgegengetreten werden.“
Zu diesem Zweck wird in Stockholm ein nordisches Zentrum für Polizeibeamte aus Finnland, Norwegen und Dänemark eingerichtet. Dies kündigte die schwedische Regierung zu Beginn des Jahres an.
Die nordischen Staats- und Regierungschefs einigten sich auf dem Treffen in Reykjavik außerdem darauf, die grenzüberschreitende Kommunikation zwischen lokalen und nationalen Behörden zu erleichtern. Dabei soll eine nachhaltige Migration in die EU und die nordische Region in Zukunft sichergestellt werden.
„Wenn wir über Migration sprechen, sprechen wir auch über Kriminalität“, so Frederiksen. Sie fügte hinzu, dass die Migrationspolitik der nordischen Länder „viel zu lange blind“ gewesen sei, und lobte sich, dass sie nun offener diskutiert werde.
[Bearbeitet von Owen Morgan/Jeremias Lin]