Opiumbekämpfung der Taliban könnte sich auch auf Europa auswirken
Die EU sollte sich auf die Folgen einer künftigen Heroinknappheit vorbereiten, warnte die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD). Hintergrund ist das harte Durchgreifen der Taliban gegen Opium in Afghanistan.
Die EU sollte sich auf die Folgen einer künftigen Heroinknappheit vorbereiten, warnte die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD). Hintergrund ist das harte Durchgreifen der Taliban gegen Opium in Afghanistan.
2022 kündigten die Taliban ein Verbot des Opiumanbaus an, der früher eine tragende Säule der afghanischen Wirtschaft war. Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) schätzt, dass die Produktion seit Einführung des Verbots um 95 Prozent zurückgegangen ist.
„Die Analyse der Satellitenbilder zeigt, dass das Verbot umgesetzt wird“, erklärte Alexis Goosdeel, Direktor der Europäischen Beobachtungsstelle.
„Wir wissen, dass immer noch Vorräte vorhanden sind, entweder in Afghanistan oder entlang der Heroinroute, sodass wir davon ausgehen können, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis wir einen Rückgang auf dem Markt beobachten können.“
Laut Goosdeel gibt es jedoch in einigen EU-Mitgliedstaaten oder im Vereinigten Königreich bereits Anzeichen für eine Verknappung des Angebots.
Bei der Vorstellung des jüngsten Jahresberichts der Beobachtungsstelle sagte er: „Die Frage ist, wie es weitergehen wird. Es besteht die Gefahr, dass die Heroinkonsumenten auf Drogen umsteigen, die billiger, leichter herzustellen und viel gefährlicher als Heroin sind. Einige von ihnen können siebenhundertmal stärker sein als Morphium.“
In den Vereinigten Staaten ist die Zahl der Todesfälle aufgrund von Opioid-Überdosierungen in Verbindung mit Fentanyl-Derivaten dramatisch gestiegen. Allerdings, so Goosdeel, sei es schwierig vorherzusagen, zu welchen Substanzen die Menschen in der EU greifen würden.
„Vor zwanzig Jahren, als es eine ähnliche Knappheit gab, haben wir gesehen, dass das Verhalten der Drogenkonsumenten von Land zu Land sehr unterschiedlich war.“
2023 wurden dem EU-Frühwarnsystem zum ersten Mal sechs neue synthetische Opioide mit dem Namen „Nitazen“ gemeldet. Sie wurden mit einem starken Anstieg der Todesfälle in Estland und Lettland in Verbindung gebracht. In einigen Staaten kann ihr Vorhandensein jedoch bei postmortalen toxikologischen Tests nicht nachgewiesen werden, sodass die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit diesen Opioiden möglicherweise unterschätzt wird.
Goosdeel sagte, die Beobachtungsstelle werde im Juli Empfehlungen vorlegen, damit die Staaten sich vorbereiten.
Ein Schlüsselelement ist die Ausweitung des Zugangs zu Opioid-Agonisten und entsprechenden unterstützenden Behandlungen. Wichtig ist auch ein ausreichender Zugang zu Naxalone, einem Medikament, das eine Opioid-Überdosis schnell rückgängig macht sowie eine Anpassung der Leitlinien für den Einsatz von Naxalone, um der größeren Stärke von synthetischen Opioiden Rechnung zu tragen.
Heroin ist das am häufigsten konsumierte illegale Opioid in Europa und für einen erheblichen Teil der mit dem illegalen Drogenkonsum verbundenen Gesundheitsprobleme verantwortlich. Im Gegensatz zum Kokainkonsum, der derzeit boomt, wird Heroin eher von älteren Gruppen konsumiert und es gibt weniger neue Konsumenten.
Drogenmissbrauch mit mehreren Substanzen auf dem Vormarsch
Eine zentrale Aussage des Berichts ist die zunehmende Komplexität des Drogenkonsums.
Wie bei den Opioiden werden zunehmend komplexe Drogencocktails konsumiert. So werden beispielsweise Benzodiazepine mit Opioiden, Kokain mit Alkohol und halbsynthetische Cannabinoide mit natürlichem Cannabis gemischt, um nur einige Beispiele zu nennen.
Dem Bericht zufolge besteht „eine der Herausforderungen für die Drogenüberwachung im Jahr 2024 darin, ein besseres Verständnis dafür zu erlangen, welche Drogen tatsächlich konsumiert werden und in welchen Kombinationen.“
Die EU-Innenkommissarin Ylva Johansson bezeichnete den Bericht als eine wichtige Ressource für politische Entscheidungsträger. „Wir müssen wachsam sein; wir müssen vorbereitet sein“, sagte sie.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]