Österreichs Banken stehen zu Mittel- und Osteuropa
Österreichs Banken halten am Osteuropa-Engagement fest. Vom jüngsten Downgrading einer Ratingagentur lassen sie sich nicht verunsichern. Eine Analyse von Raiffeisen Research sieht in den CEE-Ländern unverändert eine Wachstumsregion.
Österreichs Banken halten am Osteuropa-Engagement fest. Vom jüngsten Downgrading einer Ratingagentur lassen sie sich nicht verunsichern. Eine Analyse von Raiffeisen Research sieht in den CEE-Ländern unverändert eine Wachstumsregion.
In den Kommentaren zum "Downgrading" von neun EU-Staaten wird seitens der Ratingagentur Standard&Poor’s darauf Bezug genommen, dass auch Osteuropa eine gewisse negative Sogwirkung ausübe. Dies vor allem sei dafür ausschlaggebend gewesen, dass Österreich von AAA auf AA+ abgestuft worden sei. Eine der besonders stark am osteuropäischen Markt engagierten Banken, die Raiffeisen-International-Gruppe, hat darauf bereits reagiert und festgehalten, dass man trotz aller Turbulenzen an den Aktivitäten in der CEE-Region (also MOE, Mittel- und Osteuropa) festhalten werde.
"Wir sehen Zentral- und Osteuropa als einen Ort, an dem wir weiter investieren werden. Wir werden nicht weglaufen, weil es die Wachstumsregion Europas bleiben wird", sagte Bankchef Herbert Stepic heute bei der Euromoney-Konferenz in Wien. Mit dieser Aussage will man auch ein Signal an die Regierungen Osteuropas senden, sich nicht weiter verunsichern zu lassen.
CEE sollte 2012 um 2,0 Prozent wachsen
Untermauert wird diese Botschaft durch eine Analyse von Raiffeisen Research. Deren Leiter, Peter Brezinschek, geht davon aus, dass die gesamte CEE-Region 2012 ein durchschnittliches BIP-Wachstum von 2,0 Prozent erreichen wird.
Positiv aus der Reihe tanzen dürften Polen (2,2 Prozent) und die GUS-Staaten (3,5 Prozent). Während die Aussichten für das erste Halbjahr 2012 aufgrund notwendiger Budgetkonsolidierungen sowie nachhaltiger Sparprogramme und damit verbunden einer vorsichtigen Kreditvergabepolitik als "schwach" beurteilt werden, äußern sich die Analysten optimistischer zur zweiten Jahreshälfte: "Ein genauerer Blick auf die BIP-Prognose für CEE zeigt deutlich, dass der negative Trend im ersten Halbjahr 2012 voraussichtlich durch eine bessere Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte kompensiert werden wird. Dieser Ausblick entspricht auch der für die Eurozone erwarteten Entwicklung".
Inflation rückläufig, Währungen unter Druck
Nach Angaben von Raiffeisen Research scheint in vielen Ländern der CEE-Region der Höhepunkt des Inflationszyklus bereits überschritten. "Eine höhere Inflation prognostizieren wir 2012 aufgrund der jeweiligen fiskalpolitischen Maßnahmen nur für Ungarn, die Tschechische Republik und die Ukraine“, heißt es dazu. Da rückläufige Inflationsraten möglicherweise auch zu Zinssenkungen führen, könnte dies in weiterer Folge zu einer Ankurbelung der Wirtschaft führen.
Die neuerlichen Spannungen durch die Staatsschuldenkrise dürften die CEE-Währungen im ersten Quartal 2012 vorerst weiter unter Druck bringen. "Erst nach einer Verbesserung der Situation der Wirtschaft und der Finanzmärkte im zweiten Halbjahr rechnen wir mit schrittweisen Aufwertungen der CEE-Währungen. Das gilt auch für den russischen Rubel", skizziert Brezinschek die Lage.
Herbert Vytiska (Wien)