Osteuropäische Länder wollen modulare Atomreaktoren aus den USA
Pro-Atomkraft-Länder in der EU liebäugeln nun mit dem Bau von kleinen modularen Reaktoren, die weit besser geeignet sind, russische Energieimporte zu ersetzen. Der Bau großer Kraftwerke dagegen kostet Milliarden und dauert Jahrzehnte.
Pro-Atomkraft-Länder in der EU liebäugeln mit dem Bau kleiner modularer Reaktoren, die weit besser geeignet sind, russische Energieimporte zu ersetzen. Der Bau großer Kraftwerke dagegen kostet Milliarden und dauert Jahrzehnte.
Am 1. April gab der staatliche Energiekonzern Tschechiens ČEZ bekannt, er habe ein Gebiet reserviert, auf dem der erste kleine modulare Reaktor (SMR) gebaut werden könnte. Das Unternehmen hat bereits Kooperationsvereinbarungen mit mehreren Anbietern wie der amerikanischen NuScale und GE Hitachi unterzeichnet.
Die südböhmische Region, in der der erste tschechische SMR stehen könnte, begrüßt die Initiative. „Ich versuche schon seit einigen Monaten, die US-Unternehmen davon zu überzeugen, hierherzukommen. Die Bedingungen für die Kernenergie sind bei uns ideal“, sagte der Regionalleiter Martin Kuba (ODS, ECR) in einem Interview für Seznam Zprávy.
„So wie wir es heute als normal empfinden, dass viele Städte ihr eigenes Wärmekraftwerk oder ein kleineres Kohlekraftwerk haben, wird es eines Tages normal sein, dass jede Region ihre eigene kleine Kernkraftquelle hat“, ergänzte er.
SMR haben den Vorteil, dass der größte Teil der Anlage in Massenproduktion hergestellt werden kann. Dies würde das Risiko von Verzögerungen senken und die Anfangskosten von Nuklearprojekten erheblich verringern. Außerdem sind sie im Vergleich zu Solar- oder Windkraftanlagen flexibler in der Stromerzeugung. Das stellt einen großen Vorteil für das Elektrizitätsnetz dar.
Allerdings müssen SMR denselben Bewertungsprozess durchlaufen wie konventionelle Hochleistungsreaktoren. Ein weiterer Nachteil sind die Betriebskosten, die derzeit im Vergleich zu herkömmlichen Atomreaktoren höher sind.
Die Tschechische Republik ist jedoch nicht das einzige Land, das den Einsatz von SMRs in Erwägung zieht.
Auch die Slowakei ist an der Technologie interessiert, wie Karol Galek, der für Energie zuständige Staatssekretär im slowakischen Wirtschaftsministerium, sagte. Galek geht davon aus, dass die Gespräche unter der französischen und der tschechischen Ratspräsidentschaft fortgesetzt werden.
Es gibt noch weitere Stimmen, die sich für die Technologie einsetzen. Regierungspläne liegen aber noch keine auf dem Tisch.
Auch die slowakische Firma JAVYS unterstützt die neue Technologie. Das staatliche Unternehmen ist für die Stilllegung alter Kernkraftwerke und die Entsorgung von Atommüll zuständig. Laut dem Direktor, Pavol Štuller, seien kleine modulare Reaktoren die Zukunft der Kerntechnik. Die Slowakei müsse bereit sein, auf den Zug aufzuspringen.
Während die USA bei der SMR-Technologie führend sind, kündigte der französische Präsident Emmanuel Macron im Oktober 2021 Investitionen in Höhe von 1 Milliarde Euro für Forschung und Entwicklung an. Er sagte auch, dies sei die „Priorität Nummer eins der französischen Industrie.“
Auch Polen und Rumänien sind an dieser Technologie interessiert. Beide Länder arbeiten derzeit mit US-Unternehmen zusammen.
Ein weiteres Land, das bereit ist, in SMR zu investieren, ist Estland. Tallinn hat bereits ein Abkommen mit den USA über den Kapazitätsausbau für die SMR-Infrastruktur unterzeichnet.