Pharmaindustrie: EU muss bei Forschung und Entwicklung zu USA aufschließen

Der Verband französischer Pharmaunternehmen Leem, hat am Freitag (17. Mai) im Vorfeld der EU-Wahlen im Juni sein Grundsatzprogramm vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Investitionen in Forschung und Entwicklung in Europa, um nicht hinter die Vereinigten Staaten zurückzufallen.

Euractiv.com
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Im Jahr 2024 kommen 22 Prozent der neuen Therapien weltweit aus Europa und 47 Prozent aus den Vereinigten Staaten. Dies sei "eine völlige Umkehrung der Situation von vor 25 Jahren", warnte der Verband in seinem Programm. [Gorodenkoff/Shutterstock]

Der Verband französischer Pharmaunternehmen Leem, hat am Freitag (17. Mai) im Vorfeld der EU-Wahlen im Juni sein Grundsatzprogramm vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Investitionen in Forschung und Entwicklung in Europa, um nicht hinter die Vereinigten Staaten zurückzufallen.

Im Jahr 2024 kommen 22 Prozent der neuen Therapien weltweit aus Europa und 47 Prozent aus den Vereinigten Staaten. Dies sei „eine völlige Umkehrung der Situation von vor 25 Jahren“, warnte der Verband, Les Entreprises du médicament en France, in seinem Programm.

Die Hauptursache ist der Mangel an Finanzmitteln für Innovationen. Zwischen 1990 und 2019 haben sich die Investitionen in Forschung und Entwicklung in Europa um das 4,9-fache und in den Vereinigten Staaten um das 9,5-fache erhöht. Dies geht aus Daten der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA) hervor.

Demzufolge haben die Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen in den USA die europäischen im Jahr 2022 um 25 Milliarden Euro übertroffen. Anfang der 2000er Jahre waren es lediglich zwei Milliarden.

Der Vorsitzende des französischen Pharmaverbands, Thierry Hulot, schlug Alarm.

„Vor dem Hintergrund eines verschärften globalen Wettbewerbs um Investitionen in das Gesundheitswesen muss Europa unbedingt zu den Vereinigten Staaten und China aufschließen, wenn es seine Position als Spitzenreiter bei Innovationen zurückgewinnen will.“

Neben dem Mangel an Finanzmitteln wies der Verband darauf hin, dass die übermäßige Besteuerung „die Attraktivität Europas für industrielle Investitionen beeinträchtigt“, insbesondere in Frankreich.

In dem Programm wird auch vor der Abwanderung von Fachkräften aus Europa in die USA gewarnt. „Die Ausbildung und Förderung von Talenten und die Ermutigung dieser hochqualifizierten Fachkräfte, in der Europäischen Union zu bleiben, haben Priorität.“

Der Rückstand der EU im Bereich Forschung und Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen für die Patienten. Diese haben weniger Möglichkeiten, an klinischen Tests teilzunehmen und müssen längere Wartezeiten in Kauf nehmen, um Zugang zu innovativen Medikamenten zu erhalten, so das Programm.

95 Milliarden Euro für Innovation

Der Rat der EU hat das Gesundheitswesen als einen der vier kritischen Sektoren für die Erreichung der strategischen Autonomie Europas anerkannt, hob der Verband hervor. Die anderen Sektoren sind Energie, digitale Technologie und Lebensmittel.

Im Januar 2021 startete die EU das Programm Horizons Europe. Mit einem Budget von 95,5 Milliarden Euro für den Zeitraum 2021-2027 soll das Programm innovationsbezogene Projekte in den Mitgliedstaaten finanzieren.

Es umfasst vier Schlüsselbereiche: Wissenschaft, industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und die Stärkung des Europäischen Forschungsraums.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie machte deutlich, dass Europa wirksame Forschungs- und Innovationsprogramme braucht, und führte zur Gründung einer Europäischen Agentur für biomedizinische Forschung.

Die öffentlichen Investitionen in die Gesundheitsforschung haben in den USA in 2021 einen Gesamtumfang von 40 Milliarden Euro erreicht. In der EU sind es 8,4 Milliarden Euro pro Jahr.

Angesichts des Rückstands der EU forderte der Verband „die Entwicklung einer europäischen Industriestrategie für das Gesundheitswesen, die Europas Wettbewerbsfähigkeit unterstützt, den Green Deal und die Dekarbonisierung vorantreibt und eine Perspektive für die Gesundheitssicherheit beinhaltet.“

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]