Polnische Abgeordnete sollen Beweise im Flugzeugabsturz-Ausschuss manipuliert haben

Politiker und Behörden haben kritische Informationen über den Flugzeugabsturz von Smolensk, bei dem 96 Menschen ums Leben kamen, verschwiegen. Dies geht aus einer journalistischen Untersuchung hervor, die Schlüsselfiguren beunruhigt.

EURACTIV.pl
Presentation of commission investigating the 2010 plane crash in Smolensk
Am 11. April gab der parlamentarische Unterausschuss nach jahrelangen Ermittlungen bekannt, dass die Ursache für den Absturz des Präsidentenflugzeugs von Smolensk im Jahr 2010 ein Bombenanschlag war. [EPA/GRZEGORZ JAKUBOWSKI]

Politiker und Behörden haben kritische Informationen über den Flugzeugabsturz von Smolensk, bei dem 96 Menschen ums Leben kamen, verschwiegen. Dies geht aus einer journalistischen Untersuchung hervor, die Schlüsselfiguren beunruhigt.

Am 10. April 2010 stürzte das Präsidentenflugzeug TU-154m in der Nähe von Smolensk in Russland ab, mit vielen polnischen Politiker:innen, Militärs, Geistlichen und Intellektuellen an Bord. Bei dem Absturz kamen insgesamt 96 Menschen ums Leben, darunter das damalige Präsidentenpaar Lech und Maria Kaczyński.

Am 11. April gab der parlamentarische Unterausschuss nach jahrelangen Ermittlungen bekannt, dass die Ursache für den Absturz des Präsidentenflugzeugs von Smolensk im Jahr 2010 ein Bombenanschlag war. Man gab die Russland die Schuld.

Es heißt jedoch, dass das von der Kommission geheim gehaltene Material die Möglichkeit einer geplanten Explosion ausschließt, obwohl der parlamentarische Unterausschuss unter der Leitung des ehemaligen Verteidigungsministers Antoni Macierewicz diese Theorie vertritt.

Die Untersuchung wurde am Montag in der Sendung ‚Die Macht der Lüge‚ ausgestrahlt. Journalisten:innen warfen dem Unterausschuss vor, Beweise zu manipulieren, ungünstiges Material unter den Tisch fallen zu lassen, Informationen aus dem Zusammenhang zu reißen, Informationen zu verdrehen und Hypothesen als Fakten darzustellen.

Am Dienstag gab Macierewicz bekannt, dass alle vom Ausschuss gesammelten Beweise zur Smolensk-Katastrophe veröffentlicht worden seien und wies die Kritik der Journalisten:innen zurück.

Am nächsten Tag kam es im Unterhaus des polnischen Parlaments zu einer aufgeregten Debatte, bei der der TVN24-Bericht eine Schlüsselrolle spielte. Die Abgeordnete Barbara Nowacka, deren Mutter in Smolensk starb, ergriff das Wort.

„Wie können Sie sich nicht schämen, die Teilung Polens herbeizuführen und mit einer nationalen Tragödie reine Politik zu machen? Schande“, sagte Nowacka von der Tribüne des Parlaments.

Die Abgeordnete forderte die Auflösung des parlamentarischen Unterausschusses von Macierewicz. In ihrer Rede wandte sie sich auch an den Vorsitzenden der polnischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski, dessen Bruder, Präsident Lech Kaczynski, bei dem Absturz ums Leben kam.

Politische Kommentatoren sagen, dass die Affäre im Zusammenhang mit der Arbeit von Macierewiczs Unterausschuss „den Kindern in den Schulen erzählt werden sollte.“