Putins Geschäftsgeheimnisse mit Öl

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin gewährte in Wladiwostock einen Einblick ins Geschäftsdenken und in „entstellte Realitäten“ der Ölwirtschaft. In Kosmino bei Wladiwostok eröffnete Putin ein Ölterminal und eine Pipeline für russisches Öl nach Asien.

Wladimir Putin in Wladiwostok: Der Premier, der in die Kälte kam (Foto: RIA Novosti)
Wladimir Putin in Wladiwostok: Der Premier, der in die Kälte kam (Foto: RIA Novosti)

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin gewährte in Wladiwostock einen Einblick ins Geschäftsdenken und in „entstellte Realitäten“ der Ölwirtschaft. In Kosmino bei Wladiwostok eröffnete Putin ein Ölterminal und eine Pipeline für russisches Öl nach Asien.

Nach Erkenntnissen des russischen Premiers sei heute der Verkauf von Rohöl wirtschaftlich vorteilhafter als der Verkauf von Erdölprodukten, was die "entstellten Realitäten der heutigen Wirtschaft" widerspiegle.

"Erdöl kostet mehr. Das sind die entstellten Realitäten der heutigen Wirtschaft", antwortete der Premier am Dienstag auf die Frage von Journalisten über Perspektiven des Baus von Raffinerien am Ende der Ölpipeline Ostsibirien-Pazifik.

Rohöl wird in Miet-Tankern gehortet

Nach den Worten des Premiers horten jetzt die Ölunternehmen Rohöl in gemieteten Tankern und warten ein Wachstum der Weltwirtschaft sowie einen Anstieg des Verbrauchs von "schwarzem Gold" ab, um dieses dann vorteilhafter verkaufen zu können.

In strategischer Hinsicht müsste zwar Russland Raffinerien bauen, die Strategie trete dabei jedoch in gewisser Weise in Widerspruch mit Überlegungen des wirtschaftlichen Vorteils.

Insofern sollten die Entscheidungen über den Bau von Raffinerien, darunter auch für das Ölpipeline-Projekt Ostsibirien – Pazifik, auf der Grundlage einer eingehenden Analyse getroffen werden, so Putin.

Neue Pipeline nach Asien eröffnet

Putin eröffnete bei seinem Besuch im Fernen Osten Russlands ein Ölterminal und eine neue Pipeline. Er bezeichnete den neuen Ölhafen in Kosmino in der Nähe von Wladiwostok als "wunderbares Neujahrsgeschenk".

Die neue Verladestelle am Pazifik, die umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro gekostet hat, dient der Lieferung russischen Öls nach Asien. "Das ist ein strategisches Projekt, denn es erlaubt uns den Zugang zu neuen Märkten, zu den wachsenden asiatischen-pazifischen Märkten", sagte Putin.

Russland ist derzeit vor Saudi-Arabien der größte Ölproduzent der Welt und versucht schon seit längerem, seine Energielieferungen zu diversifizieren und stärker auf dem asiatischen Markt Fuß zu fassen.

Gazprom verhandelt mit China

Nach der in diesem Jahr beschlossenen "Energiestrategie bis 2030" soll der Anteil der russischen Ölausfuhren nach Asien von derzeit sechs auf 20 bis 25 Prozent steigen. Auch seine Gaslieferungen nach Asien will Russland erhöhen. Der russische Staatskonzern Gazprom verhandelt gerade mit China.

In den kommenden Jahren werden über Kosmino bis zu 600.000 Barrel pro Tag verschifft werden. Das Öl fließt über die 4.700 Kilometer lange Pipeline WSTO (Ostsibirien – Pazifik), deren Bau rund 8,4 Milliarden Euro kosten wird. Bislang ist erst der erste Bauabschnitt bis Skoworino abgeschlossen, danach wird das Öl per Eisenbahn befördert. Mit dem Bau der WSTO-Pipeline wurde 2004 begonnen. Ab 2014 soll die Ölleitung eine Jahresleistung von 50 Millionen Tonnen haben.

red., ria novosti