Ratingagenturen nehmen Großbritannien ins Visier
Nach Moody's droht nun auch die Ratingagentur Fitch Großbritannien mit dem Entzug seiner Top-Bonität. Wegen des "nur sehr begrenzten finanzpolitischen Spielraums zum Abfangen weiterer wirtschaftlicher Schocks" wurde der Kreditausblick von stabil auf negativ gesetzt.
Nach Moody’s droht nun auch die Ratingagentur Fitch Großbritannien mit dem Entzug seiner Top-Bonität. Wegen des „nur sehr begrenzten finanzpolitischen Spielraums zum Abfangen weiterer wirtschaftlicher Schocks“ wurde der Kreditausblick von stabil auf negativ gesetzt.
Die Ratingagentur Fitch senkte den Ausblick am Mittwoch auf negativ. Begründete wurde der Schritt mit Zweifeln an der Fähigkeit des Landes, mit wirtschaftlichen Schocks umzugehen. Fitch warnte vor den Auswirkungen der angespannten Wirtschaftslage in der Euro-Zone, wo mehrere Regierungen um das Vertrauen der Finanzmärkte kämpfen. Der britische Finanzminister Danny Alexander sprach von einem Weckruf an jene, die vom Konsolidierungskurs abrücken wollten.
Wegen der schwächelnden Binnenkonjunktur und einer niedrigeren Nachfrage aus der Euro-Zone musste die von den Konservativen angeführte Regierung jüngst einräumen, zwei Jahren länger als zunächst geplant für das Erreichen der Haushaltsziele zu benötigen. Bei der Machtübernahme vor zwei Jahren erbte die Regierung ein Rekorddefizit von elf Prozent der Wirtschaftsleistung und kündigte an, die jährliche Neuverschuldung praktisch auf Null zu senken.
London prüft "ewige Staatsanleihen"
Großbritannien will sich offenbar bis in ferne Zukunft bei Investoren zu niedrigen Zinsen mit frischem Geld eindecken. Das Land denkt über den Verkauf von 100-jährigen und gar "ewigen Staatsanleihen" nach, um von den niedrigen Marktzinsen auf lange Zeit zu profitieren. Wie aus Kreisen des Finanzministeriums in der Nacht zum Mittwoch verlautete, will die Regierung nach positiven Gesprächen mit Investoren die Nachfrage nach solchen Papieren nächste Woche ausloten. Die längste Laufzeit bei Bonds in Großbritannien beträgt 50 Jahre. Die sogenannten ewigen Anleihen haben keine Fälligkeit. Sie verbriefen aber regelmäßige Zinszahlungen.
"Damit könnte man für die Zukunft aus der jetzigen Glaubwürdigkeit der Regierung und dem Status als sicherer Hafen konkreten Nutzen ziehen", sagte ein Vertreter des Finanzministeriums. Tatsächlich könnte Großbritannien derzeit auf reges Interesse bei solchen langfristigen Anleihen treffen und überdies mit relativ niedrigen Zinszahlungen kalkulieren. Die Renditen für 50-jährige Anleihen waren im Januar auf ein Rekordtief von rund drei Prozent gefallen.
Von einem solch niedrigen Niveau für langlaufende Anleihen können viele Schuldenstaaten in der Euro-Zone nur träumen: Italien beispielsweise musste Investoren am Mittwoch für weit kürzer laufende Papiere mit Fälligkeit 2019 eine Durchschnittsrendite von 4,3 Prozent zahlen.
Mit den superlangen Anleihen könnte Großbritannien zudem die durchschnittliche Laufzeit seiner Schuldtitel weiter nach oben treiben: Bereits jetzt liegt sie mit zehn Jahren relativ hoch. Dies ist einer der Gründe, warum der britische Staat trotz seiner Schuldenprobleme weiter die Spitzenbonität halten konnte.
EURACTIV/rtr/dto
Links
EURACTIV Frankreich: Le triple A britannique menacé par Fitch (15. März 2012)
Dokumente
Fitch Ratings: Fitch Affirms United Kingdom at ‚AAA‘; Revises Outlook to Negative (14. März 2012)