Rebellen schießen zwei ukrainische Kampfjets ab

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten zwei ukrainische Kampfjets abgeschossen. Die Raketen wurden vermutlich in Russland gestartet. Ein Rebellenführer bestätigte unterdessen, die Aufständischen verfügten über Luftabwehrraketen.

Euractiv.de
Ein ukrainischer Kampfjet Su-25. Foto: dpa
Ein ukrainischer Kampfjet Su-25. Foto: dpa

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten zwei ukrainische Kampfjets abgeschossen. Die Raketen wurden vermutlich in Russland gestartet. Ein Rebellenführer bestätigte unterdessen, die Aufständischen verfügten über Luftabwehrraketen.

In der Ostukraine sind am Mittwoch zwei ukrainische Kampfjets abgeschossen worden. Die Flieger stürzten nach Angaben des ukrainischen Militärs nahe Sawur Mogila ab. Der Anführer der Separatisten in Donezk, Igor Strelkow, sprach zunächst nur von einem Kampfflugzeug. Der Pilot habe sich mit dem Schleudersitz aus der Maschine katapultiert.

Die Raketen seien „nach vorläufigen Informationen von russischem Territorium aus abgeschossen worden“, sagte Andrei Lysenko, Sprecher des ukrainischen Sicherheitsrates. Die ukrainische Regierung habe zudem Erkenntnisse, wonach die Raketen aus einem „sehr leistungsstarkem Luftabwehrsystem“ gefeuert worden seien, das die Separatisten im Osten des Landes nicht besitzen, sagte Lysenko weiter.

Nicht weit von der Abschussstelle war vorige Woche Flug MH17 der Malaysia Airlines mutmaßlich von einer Rakete getroffen worden und mit 298 Insassen abgestürzt. Fast 200 Opfer waren Niederländer. Die ersten 40 Leichen trafen am Mittwoch an Bord zweier Flugzeuge im niederländischen Eindhoven ein.

Neue Hinweise für Abschuss von MH17 durch aus Russland stammende Luftabwehrraketen

Unterdessen hat ein Rebellenkommandeur in der Ostukraine in einem Interview eingeräumt, dass Separatisten zeitweise über Buk-Luftabwehrraketen verfügt haben. Alexander Chodakowski, der Kommandeur des Wostok-Bataillons, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das System stamme möglicherweise aus Russland und sei eventuell dahin zurückgebracht worden, um zu verschleiern, dass sie in Besitz der Rebellen waren. Mit solchen Buk-Raketen wurde nach US-Informationen die Passagiermaschine von Malaysian Airways abgeschossen.

„Ich weiß von diesem Buk-System“, sagte der Rebellenkommandeur der Nachrichtenagentur. „Ich habe davon gehört. Ich denke, sie haben es zurückgeschickt. Denn ich habe genau in dem Moment davon erfahren, als diese Tragödie geschehen ist. Sie haben es vermutlich zurückgeschickt, um den Beweis seiner Existenz zu beseitigen.“

In Donezk, neben Luhansk die letzte ostukrainische Stadt in den Händen der Rebellen, sind die Separatisten nach Darstellung des ukrainischen Militärs auf dem Rückzug. Die Aufständischen hätten Stellungen in den Außenbezirken aufgegeben und sich in das Zentrum zurückgezogen, erklärte die Armee. Einwohner berichteten, dass die Separatisten in der Innenstadt Schützengräben vor der Universität ausgehoben hätten. Schwere Kämpfe wurden den zweiten Tag in Folge auch aus der Region Luhansk gemeldet.

Verbleib zahlreicher Opfer von MH17 unklar

In den Niederlanden kam das öffentliche Leben um 16.00 Uhr zum Erliegen, als die ersten Leichen der Opfer des Absturzes auf dem Flughafen von Eindhoven eintrafen. Zwei Transportmaschinen überführten 40 Holzsärge mit den sterblichen Überresten aus Charkiw in der Ostukraine. In einer Kaserne bei Hilversum sollen Experten die Opfer identifizieren.

Der Verbleib zahlreicher Leichen war sechs Tage nach dem Absturz noch ungeklärt. In Charkiw waren am Dienstag fünf Kühlwaggons mit 200 Leichensäcken angekommen. Sie waren von den Separatisten freigegeben worden, die das Gebiet um die Absturzstelle kontrollieren. „Auf der Grundlage einer ersten Inspektion der Waggons in Charkiw können wir nicht sagen, wie viele Leichen wir haben“, sagte Australiens Ministerpräsident Tony Abbott. Es sei gut möglich, dass viele Leichen noch am Absturzort im Freien lägen und dort Hitze und Tieren ausgesetzt seien. Unter den Absturzopfern waren auch 28 Australier.

Flugschreiber von MH17 in Großbritannien eingetroffen

Die Absturzursache der malaysischen Maschine, die auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur war, ist noch immer unklar. Vermutet wird, dass sie von einer Boden-Luft-Rakete getroffen wurde. Die Rakete wurde nach Darstellung der USA aus einem Gebiet abgefeuert, das von Rebellen kontrolliert wird. Die Separatisten bestreiten aber eine Beteiligung.

Die Flugschreiber der Unglücksmaschine trafen am Mittwoch zur Auswertung in Großbritannien ein. Allein das Auslesen der Daten wird nach Angaben des britischen Verkehrsministeriums aber mindestens 24 Stunden dauern. Die Daten werden dann an internationale Experten zur Auswertung geschickt.

EU will weitere Sanktionen verhängen

Der Westen wirft Russland vor, seinen Einfluss auf die Separatisten in der Ostukraine nicht zur raschen Aufklärung der Absturzursache zu nutzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel dringt daher nach Angaben eines Regierungssprechers darauf, dass möglichst schnell substanzielle EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt werden. Darüber beraten am Donnerstag die Botschafter der 28 EU-Mitgliedstaaten.