Rechter schwedischer Parteichef in Kontroverse um Banden verwickelt

Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Schwedendemokraten, Jimmie Åkesson (SD/EKR), gerät zunehmend unter Druck. Laut eine Medienrecherche kannte er mutmaßlich den Präsidenten eines Motorradclubs, der Verbindungen zum organisierten Verbrechen pflegt.

EURACTIV.com
General elections in Sweden
Åkesson (Bild) behauptete in einem Beitrag auf X, dass er mit dem Anführer des Motorradclubs Comanches, Robert Hedarv, nur „oberflächlich bekannt“ sei, obwohl dieser Anfang des Monats zu Åkessons Hochzeit eingeladen war. [EPA-EFE/Maja Suslin]

Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Schwedendemokraten, Jimmie Åkesson (SD/EKR), gerät zunehmend unter Druck. Laut eine Medienrecherche kannte er mutmaßlich den Präsidenten eines Motorradclubs, der Verbindungen zum organisierten Verbrechen pflegt.

Åkesson behauptete in einem Beitrag auf X, dass er mit dem Anführer des Motorradclubs Comanches, Robert Hedarv, nur „oberflächlich bekannt“ sei, obwohl dieser Anfang des Monats zu Åkessons Hochzeit eingeladen war. Diese Aussage führte sowohl bei der Opposition als auch innerhalb der regierenden konservativen Koalition, welche von den Schwedendemokraten toleriert wird, zu Kritik.

Obwohl Åkesson betont, er habe nichts von Hedarvs kriminellen Verbindungen gewusst, stieß die Nachricht auf scharfe Reaktionen führender konservativer Politiker. Unter ihnen war auch der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson, der darauf hinwies, dass Spitzenpolitiker genau darauf achten müssten, mit wem sie sich umgeben.

„Åkesson hat selbst erklärt, wie es dazu kam, dass diese Person bei seiner Hochzeit war. Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte direkt an ihn“, sagte Kristerssons Pressesprecherin Hanna Strömberg am Montag (7. Oktober).

Auch Douglas Thor, Vorsitzender des Jugendverbandes der Moderaten Sammlungspartei, äußerte sich kritisch und bezeichnete es als „äußerst unklug“, dass Åkesson Kontakt zu einem führenden Mitglied der kriminellen Motorradgang Comanches hatte.

„Es ist offensichtlich, dass Jimmie Åkesson Bescheid wusste“, sagte Thor gegenüber der Zeitung Dagens Nyheter.

Die Comanches sind in Schweden relativ neu, jedoch bereits aus Dänemark bekannt, wo sie in Konflikte mit anderen Gangs verwickelt waren. 

Mehrere Mitglieder der Bande wurden in Schweden wegen Drogen- und Waffendelikten verurteilt. Ein Bericht des schwedischen Forschungsunternehmens Acta Publica warnt vor engen Verbindungen zwischen dem Motorradboss Hedarv und mehreren Mitgliedern des schwedischen Parlaments.

Hedarv selbst wurde wegen verschiedener Verkehrs- und Finanzdelikte verurteilt und hat eine Vorgeschichte mit der Motorradgang Bandidos.

[Bearbeitet von Jeremias Lin/Kjeld Neubert]