Schwedens Regierungschef kontert Orbáns ‘Barbarei’-Aussage
Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson hat Ungarns Regierungschef Viktor Orbán der Lüge bezichtigt, nachdem dieser Schweden wegen Jugendkriminalität in den Zustand der „Barbarei“ versetzt sah.
Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson hat Ungarns Regierungschef Viktor Orbán der Lüge bezichtigt, nachdem dieser Schweden wegen Jugendkriminalität in den Zustand der „Barbarei“ versetzt sah.
„In Schweden wurden 284 minderjährige Mädchen wegen Mordes verhaftet. Nicht, weil sie gemeinsam jemanden umgebracht hätten, sondern jede für sich“, sagte Orbán in einem Video. Er bezog sich dabei auf einen Artikel der Tageszeitung Die Welt, die über kriminelle Banden berichtet hatte, die Mädchen für Gewalttaten anwerben.
Tatsächlich hatte Die Welt jedoch nie von Hunderten Festnahmen berichtet. Das Blatt schrieb, dass gegen 280 Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden – darunter Mord, Totschlag und Körperverletzung. Nach Angaben des schwedischen Kriminalpräventionsrats lag die Zahl der tatsächlich bestätigten Tötungsdelikte 2024 bei 92.
Orbán nutzte das Beispiel Schweden, um zu argumentieren, dass „Gesetz und Ordnung zusammenbrechen“ und dass Stockholm in den vergangenen 15 Jahren „die europäische Zivilisation verlassen“ habe. Seine Aussagen wurden von Videoaufnahmen untermalt, die schwedische Polizei und Tatorte zeigen.
Kristersson wies dies als „dreiste Lügen“ zurück und warf Orbán vor, in Ungarn den Rechtsstaat auszuhöhlen und gleichzeitig im Vorfeld der Parlamentswahl im April 2026 Desinformation zu verbreiten. „Orbán ist verzweifelt“, schrieb Kristersson auf X.
Der Schlagabtausch reiht sich ein in eine Serie von Auseinandersetzungen zwischen den beiden Regierungen. Ungarn war 2024 das letzte NATO-Mitglied, das den schwedischen Beitritt ratifizierte – nach wiederholten Verzögerungen und dem Vorwurf, Stockholm habe über den Zustand der ungarischen Demokratie gelogen.
Im Rechtsstaatlichkeitsbericht 2025 der EU-Kommission heißt es, Ungarn habe systemische Defizite bei der Unabhängigkeit der Justiz und der Integrität der öffentlichen Verwaltung; zudem gebe es anhaltende Probleme mit Medienpluralismus und Korruption.
(mm, jl)