Erneuerbare Wärmetechnologien haben Potenzial noch nicht ausgeschöpft

Die Europäische Kommission will den Einsatz erneuerbarer Energien beim Heizen und Kühlen ausbauen, um vom russischen Gas unabhängig zu werden.

EURACTIV.com
Solar thermal
Bisher wurde das Heizen in den EU-Rechtsvorschriften für erneuerbare Energien weitgehend vernachlässigt. Doch das ändert sich jetzt aufgrund des Ukraine-Krieges, der die Europäer:innen zwingt, über Alternativen zum russischen Gas nachzudenken. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/solar-water-heater-266174576" target="_blank" rel="noopener">Jimmy Yan / Shutterstock</a>]

Die Europäische Kommission will den Einsatz erneuerbarer Energien beim Heizen und Kühlen weiter ausbauen, um so schneller vom russischen Gas unabhängig zu werden.

Allerdings gibt es laut Industriequellen noch viel zu tun, um gleiche Wettbewerbsbedingungen mit den herkömmlichen Heiztechnologien für fossile Brennstoffe zu gewährleisten.

Mit ihrem 300-Milliarden-Euro-Plan „REPowerEU“ zur Abkehr vom russischen Gas will die Europäische Kommission den Einsatz erneuerbarer Energien beim Heizen und Kühlen fördern und plant, den Einsatz von Wärmepumpen, Erdwärme und Solarthermie in großem Maßstab zu beschleunigen.

Der Schritt sei Teil eines umfassenderen Vorstoßes der EU, den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen, sagte ein hochrangiger EU-Beamter, der am 20. Juni auf einer von Solar Heat Europe, einem Industrieverband, organisierten Konferenz sprach.

Bisher wurde das Heizen in den EU-Rechtsvorschriften für erneuerbare Energien weitgehend vernachlässigt. Doch das ändert sich jetzt aufgrund des Ukraine-Krieges, der die Europäer:innen zwingt, über Alternativen zum russischen Gas nachzudenken.

Im REPowerEU-Plan schlägt die Kommission vor, das EU-Ziel für erneuerbare Energien bis 2030 auf 45 Prozent des europäischen Energiemixes zu erhöhen und die solarthermische Kapazität mindestens zu verdreifachen.

„Wenn man ein höheres Ziel für erneuerbare Energien erreichen will, muss man erneuerbare Energien im Wärme- und Kältebereich einsetzen. Und es ist ganz klar, dass dieser Sektor sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat“, so Lukasz Kolinski, Referatsleiter in der Energieabteilung der Kommission.

„Deshalb stärken wir hier den Rahmen“, sagte Kolinski und fügte hinzu, dass der Sektor der erneuerbaren Wärmeerzeugung „in der Pole-Position und einer der Gewinner in der aktuellen Situation“ sei.

Zusätzlich zu RePowerEU hat die EU-Exekutive im Mai eine EU-Solardachstrategie vorgestellt, die eine Verpflichtung zur Installation von Solarzellen auf öffentlichen und gewerblichen Gebäuden ab 2026 und auf Wohngebäuden ab 2029 vorsieht.

Die im Dezember veröffentlichte Überarbeitung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) wiederum zielt auf Null-Emissions-Gebäude ab, in denen erneuerbare Energien zur Deckung des Heiz- und Kühlbedarfs beitragen. Die Kommission will außerdem die Heizkessel für fossile Brennstoffe bis 2029 schrittweise ersetzen.

Fehlender politischer Weitblick

Da fast 40 Prozent des gesamten Gasverbrauchs in der EU auf den Wärmebereich entfallen, haben erneuerbare Alternativen seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine erheblich an Bedeutung gewonnen.

„Wenn wir sie mit der Windkraft oder der Fotovoltaik vergleichen, haben wir das Potenzial, schnell einen großen Teil des Energiepuzzles zu lösen“, sagte Joakim Bystrom, Geschäftsführer von Absolicon, einem Solarwärmeunternehmen mit Sitz in Schweden.

Vertreter:innen der Solarthermie-Branche sind jedoch der Meinung, dass dies nicht ausreicht, um gleiche Wettbewerbsbedingungen gegenüber fossilen Brennstoffen wie Gas oder Alternativen wie Elektrifizierung und Wasserstoff zu schaffen.

„Wir unterstützen die Investitionen in erneuerbare Energien und andere Solartechnologien wie die Fotovoltaik und die Bemühungen um eine Renaissance der PV-Industrie in Europa sehr“, sagte Pedro Dias, Generalsekretär von Solar Heat Europe, der ebenfalls auf der Konferenz sprach.

„Aber wir wollen auch die Tatsache hervorheben, dass wir in Europa bereits eine führende Solarthermie-Industrie haben“, fügte er hinzu.

Die Solarthermie versorgt derzeit rund 10 Millionen Haushalte in Europa. Die Gesamtkapazität könnte bis 2035 auf bis zu 500 GW und bis 2050 auf 2.000 GW ansteigen, so Solar Heat Europe in einem im letzten Monat veröffentlichten Zeitplan.

Solarenergie und andere erneuerbare Wärme- und Kältequellen haben jedoch immer noch nicht die gleichen Chancen wie Heizkessel für fossile Brennstoffe, die weiterhin von öffentlichen Subventionen profitieren.

„Wir müssen von einem Binnenmarkt für Gas zu einem Binnenmarkt für Wärme übergehen, sodass wir der erneuerbaren Wärme generell dieselbe Priorität einräumen wie der Elektrizität“, sagte Sanjeev Kumar vom European Geothermal Energy Council.

„Der Mangel an politischer Aufmerksamkeit ist einer der Hauptgründe, der Investitionen in erneuerbare Wärme- und Kälteerzeugung hemmt“, fügte er hinzu.

Auch die Vertreter der Fernwärmebranche sind der Meinung, dass die Europäische Kommission den Schwerpunkt eher auf individuelle erneuerbare Heizsysteme als auf kollektive Lösungen gelegt hat. „Uns fehlen die Dringlichkeit und das Geld, um in diese Systeme zu investieren“, sagte Aurelie Beauvais, Geschäftsführerin von EuroHeat & Power, die auf derselben Konferenz sprach.

[Beareitet von Frédéric Simon]