Rückgang von Kartoffelanbau durch Klima und Verbrauchergewohnheiten
Ein neuer Eurostat-Bericht weist auf einen starken Rückgang der Kartoffelproduktion in der EU zwischen 2000 und 2023 hin. Strengere EU-Vorschriften für Pestizide, Veränderungen des europäischen Klimas und veränderte Verbrauchergewohnheiten gehören zu den Hauptursachen.
Ein neuer Eurostat-Bericht weist auf einen starken Rückgang der Kartoffelproduktion in der EU zwischen 2000 und 2023 hin. Strengere EU-Vorschriften für Pestizide, Veränderungen des europäischen Klimas und veränderte Verbrauchergewohnheiten gehören zu den Hauptursachen.
Von belgischen Pommes frites über spanische Tortilla de patata bis hin zu italienischen Gnocchi – die stärkehaltige Wurzel ist ein kulinarischer Eckpfeiler in ganz Europa. Die jährliche Produktion ist jedoch um 36,7 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000 zurückgegangen, was bedeutet, dass die EU-Länder 27,9 Millionen Tonnen weniger produzieren. Diese Daten veröffentlichte Eurostat in einem Bericht am 8. August.
Im Jahr 2023 ernteten die EU-Länder 48,3 Millionen Tonnen Kartoffeln, gegenüber 47,5 Millionen Tonnen im Jahr 2022, einem Jahr, das von einer schweren Dürre geprägt war.
Deutschland liegt mit einem Anteil von 24 Prozent an der Gesamterzeugung im Jahr 2023 an der Spitze, gefolgt von Frankreich mit fast 18 Prozent und den Niederlanden mit 13,4 Prozent. Gleichzeitig haben Rumänien (32,4 Prozent) und Polen (25,1 Prozent) die meisten Kartoffelanbaubetriebe, obwohl sie wirtschaftlich gesehen klein bleiben.
Berta Redondo, Generalsekretärin von Europatat, einer in Brüssel ansässigen Lobbygruppe, die Kartoffelhändler vertritt, erklärte gegenüber Euractiv, dass mehrere Faktoren den Produktionsrückgang erklären.
Sie wies auf „radikale Veränderungen im europäischen Klima“ hin und auf die Dürre im Jahr 2022. Ebenfalls wären die übermäßigen Regenfälle in Westeuropa im letzten Herbst und Frühjahr für den Rückgang verantwortlich.
Ein weiterer Faktor ist die Verschärfung der EU-Beschränkungen für Pestizide, insbesondere für solche, die für die Schädlingsbekämpfung im Kartoffelanbau wichtig sind. „Unseren Landwirten stehen immer weniger Mittel zur Bekämpfung von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten zur Verfügung.“
2019 verlängerte die Europäische Kommission die Zulassung von Ethoprophos nicht, da sie Bedenken hinsichtlich der Toxizität äußerte. Dabei handelt es sich um einen Wirkstoff, der in Pflanzenschutzmitteln gegen Drahtwürmer im Kartoffelanbau eingesetzt wird.
Im Jahr 2018 verbot die EU alle Außenanwendungen von drei Neonicotinoiden – Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin – aufgrund ihrer schädlichen Auswirkungen auf Bestäuber.
Redondo wies auch auf die steigenden Produktionskosten hin, hauptsächlich für Treibstoff und Energie. Durch den Einmarsch Russlands in der Ukraine hat sich die Lage weiter verschlechtert, was den Sektor zusätzlich belastet.
„All dies könnte die Landwirte zu weniger risikoreichen Kulturen drängen.“
Millennials vs. Kartoffeln
Auch die veränderten Verbrauchergewohnheiten wirken sich auf die EU-Kartoffelproduktion aus.
„Junge Verbraucher streichen Kohlenhydrate aus ihrer Ernährung oder tauschen Kartoffeln gegen ‚exotischere‘ Alternativen aus“, erklärt Redondo.
Um dem entgegenzuwirken, startete Europatat im Jahr 2020 eine von der Europäischen Kommission kofinanzierte Werbekampagne im Wert von 3,4 Millionen Euro. Diese richtet sich an Millennials – Menschen, die zwischen 1981 und 1996 geboren sind – in Flandern (Belgien), Frankreich und Irland.
Die Kampagne, die bis 2025 laufen soll, enthält mehr als 300 Rezepte, die darauf abzielen, die Kartoffel in den modernen Lebensstil zu integrieren. Zusätzlich zeigen Influencer und Prominente die Vielseitigkeit der Knolle, um ihr Image als „traditionelles Lebensmittel“ abzuschütteln.
[Bearbeitet von Daniel Eck/Kjeld Neubert]