Dass ein SPD-Politiker, der trotz der russischen Rolle im Ukraine-Krieg immer wieder die Annäherung an Russland gesucht hatte, das Amt des Außenministers übernehmen würde, wurde in Polen, den baltischen Staaten und der Ukraine durchaus mit Sorge gesehen. Doch selbst Gabriels größte Kritiker haben an seinem bisherigen Umgang mit dem Ukraine-Konflikt und dem heiklen Verhältnis zu Russland wenig auszusetzen.
Bei seinem Besuch im Baltikum machte Gabriel bereits deutlich, dass die Sanktionen gegen Russland nicht aufgehoben werden könnten, solange es im Ukraine-Konflikt keine Fortschritte gibt. Vor ukrainischen Abgeordneten in Kiew sagte Gabriel über Moskaus Rolle im Ukraine-Krieg: „Wir wissen, wer der Aggressor ist. Wir wissen, wer das Völkerrecht gebrochen hat. Und wir wissen, dass es sich nicht um einen Konflikt nur der Ukraine handelt.“ Kurz nach seiner Amtsübernahme hatte er angesichts der massiven Kämpfe um die ostukrainische Stadt Awdijiwka noch gesagt, man könne nicht nur einer Seite die Schuld geben.
Deutschland und Frankreich haben im Ukraine-Konflikt eine Vermittlerrolle übernommen. Seit Monaten gibt es praktisch keine Fortschritte bei der Umsetzung der im Februar 2015 in Minsk geschlossenen Vereinbarungen. So können sich Kiew und Moskau nicht darauf verständigen, in welcher Reihenfolge die Punkte des Abkommens umgesetzt werden sollen. In diesen Prozess Bewegung zu bringen, ist die wohl schwierigste Aufgabe des neuen Außenministers. Gabriel, der bisher als wenig diplomatisch galt, muss nun in Moskau diplomatisches Geschick beweisen.