Slowakei will Stilllegung von Atomkraftwerk verschieben [DE]
Aus 'Sicherheitsgründen' drängt die Slowakei auf eine Aufschiebung der vorgeschriebenen Stilllegung beider Reaktoren des Kernkraftwerks Jaslovské Bohunice. Unterdessen hat Bulgarien den Bau eines neuen Atomkraftwerks beschlossen.
Aus ‚Sicherheitsgründen‘ drängt die Slowakei auf eine Aufschiebung der vorgeschriebenen Stilllegung beider Reaktoren des Kernkraftwerks Jaslovské Bohunice. Unterdessen hat Bulgarien den Bau eines neuen Atomkraftwerks beschlossen.
Unter dem EU-Beitrittsvertrag ist die Slowakei dazu verpflichtet, beide Reaktoren des nach sowjetischen Plänen gebauten Kernkraftwerks stillzulegen. Der erste Reaktor soll Ende 2006 und der zweite Ende 2008 vom Netz gehen. Jegliche Änderungen der Beitrittsbedingungen müssen mit den EU-Mitgliedstaaten ausgehandelt und von ihnen ratifiziert werden.
Nach Einschätzung des slowakischen Wirtschaftsministers Pavol Rusko könnte die stufenweise Stilllegung des Atomkraftwerks jedoch „das Unfallrisiko erhöhen“. Daher will er die anderen Mitgliedstaaten davon überzeugen, dass beide Reaktoren gleichzeitig, d.h. Ende 2008, stillgelegt werden.
Während seines Treffens mit EU-Energiekommissar Andris Piebalgs in Brüssel am 8. Aril wurde Rusko davon in Kenntnis gesetzt, dass die Stilllegung in den im Beitrittsvertrag festgeschriebenen Phasen stattfinden müsse.
Es wird davon ausgegangen, dass die Energieerzeugung in der Slowakei bis 2008 um 25 % zurückgehen wird. Die Außerbetriebnahme des Atomkraftwerks Jaslovské Bohunice könnte daher zu schweren Engpässen bei der Stromversorgung führen. Im Jahr 2003 erzeugte das Atomkraftwerk 57 % des gesamten in der Slowakei erzeugten Atomstroms. Das Kernkraftwerk allein deckt somit 22,6 % des Strombedarfs des Landes.
Unterdessen hat Bulgarien den Bau eines neuen – 2.000 Megawatt starken – Atomkraftwerks bei Belene beschlossen. Es soll die Stromerzeugung von zwei veralteten Sowjet-Reaktoren übernehmen, die im Rahmen des EU-Beitrittsvertrags im Jahr 2007 geschlossen werden sollen.