South Stream: Tauziehen zwischen Türkei und Russland

Moskau bekommt von der Türkei zum Bau der South Stream-Pipeline noch immer keine Erlaubnis für die Rohrverlegung. Begräbt Russland sein Prestigeprojekt?

Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat genug von der Blockadehaltung der Türkei. Foto: dpa
Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat genug von der Blockadehaltung der Türkei. Foto: dpa

Moskau bekommt von der Türkei zum Bau der South Stream-Pipeline noch immer keine Erlaubnis für die Rohrverlegung. Begräbt Russland sein Prestigeprojekt?

Russland zieht die Möglichkeit in Betracht, das Gaspipeline-Projekt South Stream aufzugeben. Dies melden  russischen Medien unter Berufung auf Regierungskreise. Seit Oktober 2010 zögere die Türkei ihre Zustimmung zum Bau eines wichtigen Teilabschnitts der Gaspipeline vor der türkischen Küste heraus.

Auch das Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew und dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan am 16. März sei ergebnislos geblieben. Die Türkei wolle nur einwilligen, wenn Gazprom zusätzliche Dokumente zur Verfügung stelle.

Diese kann der russische Energieriese jedoch nicht, da keine Genehmigung für die Untersuchung des Meeresgrunds vorliegt. Türkische Behörden haben vor einem Monat nach langen Verhandlungen zugesichert, dass ab dem 31. Mai mit der Meereserkundung begonnen werden könne.

Eine billigere Version?

Solange es keine Einigung gebe, prüfe Gazprom und die russische Regierung "eine billigere Version" von South Stream, erklärte der russische Vize-Ministerpräsident Igor Sechin. Die Pipeline könne etwa durch eine Gasverflüssigungsanlage ersetzt werden. Der Gastransport würde dann per Schiff über das Schwarze Meer erfolgen.

Die russische Seite hält die türkischen Forderungen offenbar für reines Kalkül: Ein Preisnachlass für Gasimporte in die Türkei sei das eigentliche Ziel. Mikhail Korchemkin, Gründer und Geschäftsführer des Beratungsinstituts  East European Gas Analysis glaubt der russischen Zeitung Kommersant zufolge nicht daran, dass Russland South Stream ad acta legen wird: "Russland kann South Stream nicht aufgeben (…), dass wäre ein zu großer Schlag für den Premier." Moskau würde nur bluffen und Ankara wisse genau, wie der Hase läuft. Eine schnelle Lösung sieht er nicht in Sicht.

Christian Dolezal, Kommunikationschef der EU-geförderten Nabucco-Pipeline, schloss gegenüber Euractiv nicht aus, dass russisches Gas durch die Nabucco-Pipeline fließen könnte. "Wir sind ja kein anti-russisches Projekt", so Dolezal. Die Nabucco-Pipeline soll ebenfalls durch türkisches Gebiet führen  – die Türkei muss nur noch zustimmen.

ssc

Links

Presse

RIA Novosti: Gas-Pipeline South Stream: Türkei legt sich quer, Russland zückt Sparstift (17. März 2011)

Russland-Aktuell: Türkei versperrt South Stream Einfahrt nach Europa (17. März 2011) 

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