Spanischer Rechnungshof entdeckt Unregelmäßigkeiten bei Aufträgen im Umfeld von Sánchez’ Ehefrau
Die Affäre erhöht den Druck auf die sozialdemokratisch geführte Regierung Sánchez, die bereits durch Korruptionsaffären um ehemalige Minister und hochrangige Parteifunktionäre belastet ist.
Madrid – Spaniens Rechnungshof wirft der staatlichen Digitalagentur Red.es vor, Aufträge im Wert von 8,4 Millionen Euro unrechtmäßig an einen Unternehmer vergeben zu haben, der Verbindungen zur Ehefrau von Ministerpräsident Pedro Sánchez hat. Damit wächst die Sorge vor einem Missbrauch von EU-Wiederaufbauhilfen.
Nach Berichten spanischer Medien gehen die Erkenntnisse aus einem 303 Seiten starken Gutachten hervor, das der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA) vorgelegt wurde. Die Behörde ermittelt seit 2024 gegen den Unternehmer Carlos Barrabés sowie gegen Verantwortliche von Red.es wegen des Verdachts der Misswirtschaft bei EU-Mitteln seit 2021.
Dem Bericht zufolge schloss Red.es „grundlos“ ein wettbewerbsfähigeres Konsortium vom Verfahren aus, um die Aufträge an Barrabés’ Firma Innova Next zu vergeben – ein Vorgehen, das einen „hohen Grad an Intransparenz“ im Ausschreibungsprozess erkennen lasse.
Das Oberste Gericht Madrids untersucht Barrabés derzeit als Beschuldigten in dem Verfahren gegen Sánchez’ Ehefrau Begoña Gómez. Wie vergangene Woche bekannt wurde, soll sie sich in einem Geschworenengericht wegen mutmaßlicher Veruntreuung öffentlicher Gelder verantworten.
Der Fall ist Teil umfassenderer Ermittlungen des Madrider Obersten Gerichts gegen Gómez. Ihr wird nicht nur Veruntreuung vorgeworfen, sondern sie steht zudem wegen Amtsmissbrauchs, Wirtschaftskorruption, Markenrechtsverletzung und Amtsanmaßung unter Untersuchung – im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Co-Direktorin zweier Masterprogramme sowie eines Sonderlehrstuhls an der Universität Complutense Madrid.
Barrabés wies die Vorwürfe der Begünstigung zurück und erklärte vor Gericht im vergangenen Jahr, seine Treffen mit Gómez hätten ausschließlich mit seiner Tätigkeit als Dozent an der Universität zu tun gehabt.
Die Affäre erhöht den Druck auf die sozialdemokratisch geführte Regierung Sánchez, die bereits durch Korruptionsaffären um ehemalige Minister und hochrangige Parteifunktionäre belastet ist.
Spanien ist nach Italien der zweitgrößte Empfänger der EU-Hilfen aus dem Post-Corona-Wiederaufbauprogramm und erhielt knapp 48 Milliarden Euro an Zuschüssen sowie 340 Millionen Euro an Krediten aus dem insgesamt 724 Milliarden Euro schweren Paket.
(de, jl)