Streit um Kampfflugzeugprojekt FCAS: Spanien stellt sich an die Seite von Deutschland

Hintergrund ist Frankreichs Drängen auf eine größere Rolle bei der Entwicklung des Kampfjets, das Befürchtungen schürt, das Future Combat Air System (FCAS) im Wert von 100 Milliarden Euro mit Deutschland und Spanien könnte scheitern.

EURACTIV.com
[A. Perez Meca/Europa Press via Getty Images]

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat bekräftigt, dass beim europäischen Milliardenprojekt FCAS die vereinbarte Arbeitsteilung zwischen Spanien, Deutschland und Frankreich eingehalten werden müsse – und unterstützt damit die deutsche Position gegenüber Paris.

Hintergrund ist Frankreichs Drängen auf eine größere Rolle bei der Entwicklung des Kampfjets, das Befürchtungen schürt, das Future Combat Air System (FCAS) im Wert von 100 Milliarden Euro mit Deutschland und Spanien könnte scheitern.

„Das Interesse Spaniens an diesem Projekt ist aufrichtig, es ist umfassend, es ist absolut – aber natürlich zu den Bedingungen, die von den drei Ländern Deutschland, Frankreich und Spanien im Vorfeld vereinbart wurden“, sagte Sánchez am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz.

Das FCAS-Projekt umfasst einen Tarnkappen-Kampfjet, der mit autonomen Drohnen und einer digitalen Gefechtswolke vernetzt ist. Das Vorhaben steht kurz vor einem entscheidenden Meilenstein: Nach Abschluss der Planungsphase soll als Nächstes ein Prototyp des Jets entstehen – das Herzstück des Programms.

Frankreichs Rüstungskonzern Dassault Aviation, Hauptauftragnehmer des Projekts, pocht auf mehr Entscheidungskompetenz. Das stößt auf Widerstand in der deutschen Luftfahrtindustrie, während Berlin und Paris bis Ende 2025 eine Lösung finden müssen.

Merz erklärte am Donnerstag, zwar gebe es eine Einigung über das Projekt, aber es „kann nicht so weitergehen wie gegenwärtig.“ Gespräche zwischen den drei Partnern liefen weiter.

Spanien und der dortige Hauptauftragnehmer Indra halten sich bislang weitgehend aus der öffentlichen deutsch-französischen Auseinandersetzung heraus.

Während Dassault und Airbus den Jet und Drohnen entwickeln, verantwortet Indra die Sensorik, die Informationen sammelt und verteilt, um Jets und Drohnen als vernetztes System zusammenarbeiten zu lassen.

Fachleute sehen Paris und Berlin trotz der Spannungen aneinander gebunden – auch wenn es theoretisch Alternativen gäbe, etwa ein Einstieg in das britisch geführte Konkurrenzprojekt oder Partnerschaften mit anderen Ländern.

Inés Fernández-Pontes hat zur Berichterstattung beigetragen.

(cp, jl)