Studie zeigt große Unterschiede bei Krebssterblichkeit innerhalb der EU
Bei der Krebssterblichkeit bestehen innerhalb der EU gravierende Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, breitangelegte Studie.
Bei der Krebssterblichkeit bestehen innerhalb der EU gravierende Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, breitangelegte Studie.
Die Krebssterblichkeit in den einzelnen Ländern unterscheidet sich fast um das Doppelte, und auch zwischen den Geschlechtern gibt es große Unterschiede, so die Studie, welche alle 27 Mitgliedstaaten sowie Norwegen und Island abdecken.
Sie wurden von der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verfasst und ist die erste größere länderspezifische Studie ihrer Art.
„Diese erste Reihe länderspezifischer Krebsprofile […] zeigt deutlich die großen und inakzeptablen Ungleichheiten zwischen den EU-Mitgliedstaaten auf“, sagte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Mittwoch auf der Krebskonferenz 2023 in Stockholm.
„In der Tat gibt es zwischen den Ländern und sogar innerhalb der Länder enorme Unterschiede bei den Sterblichkeitsraten, den Risikofaktoren und dem Zugang zur Versorgung, je nach sozioökonomischem Status, Geschlecht oder Alter“, fügte sie hinzu.
Die Gründe für diese Unterschiede liegen in der unterschiedlichen Risikoexposition gegenüber Krebsfaktoren sowie in der unterschiedlichen Fähigkeit der Gesundheitssysteme, rechtzeitig und kostenlos Zugang zu Frühdiagnose, hochwertiger Krebsversorgung und -behandlung zu bieten.
„In einer Europäischen Gesundheitsunion, die den Schutz aller Menschen anstrebt, sind solche Ungleichheiten nicht akzeptabel“, betonte Kyriakides.
Die Mitgliedstaaten stehen bei der Bereitstellung einer hochwertigen Krebsbehandlung vor unterschiedlichen Herausforderungen.
Einige Länder sind gut ausgestattet, haben aber mit einem Mangel an qualifiziertem Gesundheitspersonal zu kämpfen, während andere eine hohe Zahl qualifizierter Ärzt:innen haben, denen es aber beispielsweise an Geräten für die Strahlentherapie fehlt.
„Screening ist der Schlüssel zur Verbesserung der Früherkennung: Die Abdeckung bei der Brustkrebsvorsorge ist jedoch sehr unterschiedlich und reicht von 6 bis 90 Prozent und bei Gebärmutterhalskrebs von etwa 25 bis 80 Prozent“, so Kyriakides.
Um die Ungleichheiten zu verringern, werden die Länder aufgefordert, Herausforderungen zu erkennen und bewährte Verfahren untereinander auszutauschen.
Geschlechterspezifische und sozioökonomische Ungleichheiten
Auch innerhalb der Länder gibt es erhebliche Diskrepanzen, insbesondere zwischen den verschiedenen Geschlechtern und sozioökonomischen Gruppen.
Was das Geschlecht betrifft, so ist die Krebssterblichkeitsrate in den Mitgliedstaaten bei Männern 75 Prozent höher als bei Frauen.
Die größten Unterschiede sind in den baltischen Ländern, Portugal und Spanien zu verzeichnen, was ein OECD-Beamter auf Risikofaktoren wie Ernährung, Rauchen oder Alkoholkonsum zurückführt. In den nordischen Ländern – Norwegen, Island, Irland und Island – sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern relativ gering.
Große sozioökonomische Ungleichheiten bei der Krebssterblichkeit bestehen auch in Bezug auf Bildung oder Einkommen.
Allgemeine Risikofaktoren sind tendenziell bei Männern und in Gruppen mit niedrigem Einkommen und niedrigem Bildungsniveau stärker ausgeprägt. So ist beispielsweise die Krebssterblicheit bei Männern mit niedrigem Bildungsniveau bis zu 2,5-Mal höher als bei Männern mit hohem Bildungsniveau.
Weitere Ergebnisse zeigen, dass Krebs mit 26 Prozent aller Todesfälle in der Region die zweithäufigste Todesursache nach Kreislauferkrankungen ist. Insgesamt starben in den Mitgliedstaaten etwa 1,2 Millionen Menschen an Krebs. Die tödlichste aller Krebsarten ist nach wie vor Lungenkrebs.
Die Studie zeigte, dass die Mitgliedstaaten im Jahr 2018 fast 170 Milliarden Euro für die Krebsbehandlung ausgaben. Insgesamt sind die Ausgaben für die Prävention in den letzten Jahren gestiegen, aber sie machen immer noch nur 3,4 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben aus.
Möglichkeiten der Verbesserung
Der OECD zufolge gibt es mehrere Möglichkeiten, die Situation zu verbessern und bestehende Lücken zu schließen.
Der Schwerpunkt liegt dabei auf verschiedenen Stufen, angefangen bei der Prävention und der Förderung eines gesünderen Lebensstils, gefolgt von einem besseren Zugang zur Frühdiagnose und der Verbesserung der Qualität der Krebsvorsorge.
Die länderspezifische Situation wird jedes Jahr überwacht, um „einen regelmäßigen Überblick über die Entwicklung der Situation zu erhalten“, sagte ein hochrangiger Kommissionsbeamter am Montag während eines inoffiziellen Medienbriefings. Er fügte hinzu, dass das Register dazu beitragen wird, Ungleichheiten in ganz Europa zu beseitigen und zu verringern, und Investitionen entsprechend den Ergebnissen zu priorisieren.
„Es wird einen Folgeprozess zur Untersuchung der Finanzinstrumente geben, um zu sehen, wie wir Länder mit einem Defizit bezüglich der Ungleichheiten dazu ermutigen können, Projekte zu entwickeln, um diese zu beseitigen“, sagte der Beamte.
Das Register über die Ungleichheiten bei Krebs und die Länderprofile sind eine Vorreiterinitiative im Rahmen des europäischen Plans zur Bekämpfung von Krebs. Letzte Woche wurde ein weiteres Projekt ins Leben gerufen – die Initiative zur Krebs-Bildgebung, die es der künstlichen Intelligenz ermöglicht, beim Lesen von Krebsbildern eine Rolle zu spielen.
Dreißig weitere Initiativen sollen im Laufe des kommenden Jahres umgesetzt werden.
Dazu gehören der Vorschlag der Kommission für eine Empfehlung des Rates zur Impfung gegen vermeidbare Krebsarten sowie eine Aktualisierung der Empfehlung des Rates aus dem Jahr 2009 bezüglich rauchfreier Zonen, um Bürger:innen besser vor Tabakkonsum zu schützen und dazu beizutragen, das Ziel einer tabakfreien Generation bis 2024 zu erreichen.
(Bearbeitet von Zoran Radosavljevic)