Kimchi-Diplomatie: Südkorea und Polen verstärken Zusammenarbeit

Im Jahr 2022 haben sich die Beziehungen zwischen Südkorea und Polen dank umfangreicher Waffengeschäfte und eines koreanischen Unternehmens, das mit dem Bau eines Kernkraftwerks in Polen beauftragt wurde, erheblich verstärkt - mit einem Hauch von "Kimchi-Diplomatie."

/ Euractiv.com
Poland purchase South Korean rocket launchers
Polen und Südkorea vertiefen ihre Beziehungen von Jahr zu Jahr, 2022 wurde die Tiefe der Beziehungen zwischen Warschau und Seoul deutlich. [EPA-EFE/MARCIN OBARA]

Im Jahr 2022 haben sich die Beziehungen zwischen Südkorea und Polen dank umfangreicher Waffengeschäfte und eines koreanischen Unternehmens, das mit dem Bau eines Kernkraftwerks in Polen beauftragt wurde, erheblich verstärkt – mit einem Hauch von „Kimchi-Diplomatie.“

Polen und Südkorea sind sich in vielerlei Hinsicht ähnlich. Beide waren in den frühen 1990er Jahren relative Nachzügler in Sachen Demokratie, und beide hatten eine auffallend konservative Wählerschaft. 2022 scheint nun das Jahr zu sein, in dem die beiden Länder ihre Beziehungen festigen.

Nicht nur, dass Warschau im Rahmen eines 6-Milliarden-Dollar-Rüstungsgeschäfts 1.000 K2-Panzer und etwa 600 Panzerhaubitzen sowie 48 leichte Kampfflugzeuge bei südkoreanischen Herstellern – und nicht bei europäischen Verbündeten – bestellt hat, auch die Investitionen koreanischer Unternehmen in Polen haben zugenommen. Korea Hydro & Nuclear Power ist mit dem Bau von vier Kernreaktoren in Polen beauftragt worden.

Auch der Handel zwischen den beiden Ländern hat stetig zugenommen und nähert sich im Jahr 2021 bei den Einfuhren und Ausfuhren einem Wert von fast 1 Milliarde US-Dollar, wobei die Ausfuhren Südkoreas nach Polen um etwa 100 Millionen Euro höher sind als die Einfuhren.

„Dies ist der Höhepunkt einer langjährigen Zusammenarbeit und eines über viele Jahre aufgebauten Vertrauens“, so das Büro des polnischen Premierministers.

„Polen war ein sehr wichtiger Investitionspartner“, sagte der koreanische Handelsminister Dukgeun Ahn gegenüber EURACTIV.

„Zahlreiche koreanische Unternehmen haben in Polen investiert, weil das Land ein sehr wichtiges Mitglied der EU ist und über gute Arbeitskräfte und einen relativ guten Zugang zu anderen wichtigen europäischen Partnern verfügt.“

Im Jahr 2013 vereinbarten Südkorea und Polen eine strategische Partnerschaft, die ein seit 2004 bestehendes „zukunftsorientiertes“ Abkommen aufwertet. Damals war der polnische Präsident Bronislaw Komorowski das erste europäische Staatsoberhaupt, das die neue koreanische Präsidentin Park Geun-hye besuchte.

Die historischen Gemeinsamkeiten der beiden Länder, nämlich die rasche Verwirklichung von Demokratie und Wirtschaftswachstum, sollten ihre Zusammenarbeit fördern, sagte Geun-hye 2013. Beide Länder litten unter der Gewalt ihrer aggressiven Nachbarn und kämpften um ihre Unabhängigkeit. Und: Bis heute werden sowohl Polen als auch Südkorea von konservativen Regierungen regiert, und ihre Verflechtung hat zugenommen – auf Geheiß Seouls.

„Die in letzter Zeit sichtbare Stärkung der Beziehungen zwischen Polen und Südkorea ist unter anderem das Ergebnis einer strategischen Entscheidung Koreas, die mit außergewöhnlicher Konsequenz verfolgt wird“, betont Małgorzata Bonikowska, Präsidentin des Think-Tanks Centre for International Relations.

Anstatt sich den traditionellen Schwergewichten Europas anzunähern, scheinen die politischen Entscheidungsträger in Seoul zu wollen, dass Warschau ihr Tor zum Westen oder zumindest zum regionalen Markt Mitteleuropas wird.

Minister Dukgeun Ahn bestätigte, dass viele koreanische Unternehmen jetzt in die Tschechische Republik, die Slowakei „und andere Länder“ gehen.

„Südkorea setzt seit mindestens einem Jahrzehnt auf Polen und erkennt uns als den wichtigsten Partner in der mittel- und osteuropäischen Region an“, fügt sie hinzu.

Gibt es einen besseren Weg, seine Ernsthaftigkeit zu zeigen, als die „Kimchi-Diplomatie“? Kimchi, der fermentierte, würzige Kohl, ist das koreanische Nationalgericht und eines der wichtigsten kulturellen Exportgüter des Landes, neben koreanischer Popmusik und Filmen wie dem Oscar-Gewinner Parasite.

„Wir werden unser Bestes tun, um die Vorzüglichkeit und Legitimität von Kimchi in Europa zu fördern“, erklärte der Geschäftsführer von Daesang, dem größten Kimchi-Hersteller Koreas, nach der Ankündigung, dass seine erste Fabrik in Polen gebaut werden soll.

Die „Kimchi-Diplomatie“ ist Teil der koreanischen Außenpolitik. Das Nationalgericht wird von König:innen, Stars und normalen Menschen gleichermaßen gegessen, meist am nationalen Kimchi-Tag am 22. November.

Höhere Auslandsinvestitionen

Trotz der geografischen Entfernung ist Korea einer der größten ausländischen Investoren in Polen. Die Gesamtinvestitionen aus Südkorea stellen die meisten Nicht-EU-Länder in den Schatten und kämpfen mit den USA um den Spitzenplatz. Im Jahr 2021 beliefen sich die koreanischen Direktinvestitionen in Polen auf rund 1,9 Milliarden Dollar.

„Immer mehr große koreanische Investoren, darunter Samsung oder LG, entscheiden sich für große Investitionen in unserem Land“, so Expertin Bonikowska gegenüber EURACTIV.

Große Industriekonglomerate haben die südkoreanische Wirtschaft lange Zeit dominiert, die so genannten Jaebeols, was übersetzt so viel wie „reiche Familien“ bedeutet. Wo sie hingehen, neigen andere Unternehmen dazu, ihnen zu folgen.

„Eine große Anzahl koreanischer Jaebeols ist in Polen vertreten“, sagte der polnische Geschäftsträger in Korea den Teilnehmer:innen eines Wirtschaftsforums in Seoul im Mai 2022.

Der Löwenanteil der Investitionen fließt in die Unterhaltungselektronik und die Automobilindustrie.

Am auffälligsten war jedoch die Entscheidung, den Auftrag für den Bau von vier Kernreaktoren mit einer Leistung von je 1.400 MW in Polen zu vergeben – ein Impuls für den neuen koreanischen Präsidenten, den konservativen Yoon Suk-yeol, der die Atomindustrie seines Landes stärken will.

Wetten absichern

Für Warschau ist Seoul ein willkommener Verbündeter, da Polen weiterhin mit einem Großteil Europas über Fragen der Rechtsstaatlichkeit und EU-Gelder streitet. Auf die Frage nach Waffenkäufen aus Nicht-EU-Ländern machte der Vorsitzende der Regierungspartei PiS seine Haltung deutlich.

„Wir sind bereit, in anderen Ländern zu kaufen, wenn diese Länder den Krieg mit uns in der Europäischen Union beenden wollen“, sagte er am 11. November.

Vielleicht will Warschau signalisieren, dass es bereit ist, über die EU hinaus mehr als nur Waffen zu kaufen. Laut dem Büro des Premierministers ist „ein weiterer Ausbau der Zusammenarbeit mit der Republik Korea möglich.“

Schließlich sind die Beziehungen zwischen europäischen Ländern oft durch eine jahrhundertelange Geschichte belastet. Zwischen den beiden neuen besten Freunden gibt es dieses Problem nicht. „Wir haben keine historische Vergangenheit, keine Probleme zu lösen, wir versuchen nicht zu konkurrieren“, stellt die Expertin für internationale Beziehungen Bonikowska fest.

*János Allenbach-Ammann trug zur Berichterstattung bei.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald/János Allenbach-Ammann]