Tabakindustrie unterstützt EU-Pläne zu Vape-Studien – mit Vorbehalt
Die Spannungen zwischen der Tabakindustrie und der Kommission nehmen zu. Brüssel will nicht nur die Steuern auf Zigaretten anheben, sondern auch auf neue Produkte. Zudem soll ein Anteil von 15 Prozent der nationalen Tabaksteuereinnahmen künftig direkt in den EU-Haushalt fließen.
Der Tabakkonzern Philip Morris International begrüßt nach eigenen Angaben weitere Forschung zu den gesundheitlichen Folgen von Zigaretten-Alternativen wie E-Zigaretten und Tabakerhitzern – vorausgesetzt, diese werde von einer „unabhängigen, wissenschaftsgetriebenen Drittorganisation“ durchgeführt.
Die EU-Kommission plant erstmals, die gesundheitlichen Auswirkungen von E-Zigaretten, erhitztem Tabak und anderen Nikotinprodukten zu untersuchen. Hintergrund ist die Überprüfung zentraler Tabakrichtlinien. Ein Kommissionsvertreter erklärte gegenüber Euractiv, die Bewertung werde sich ausschließlich auf künftige Studien stützen, die „ausschließlich mit EU-Mitteln“ finanziert werden – im Einklang mit den Ethikrichtlinien des WHO-Rahmenübereinkommens zur Tabakkontrolle.
Massimo Andolina, Europachef von Philip Morris International (PMI), sagte dazu: „Wir würden eine unabhängige, wissenschaftsgetriebene Drittorganisation, die eine umfassende Studie durchführt, um unsere Aussagen zu validieren, absolut begrüßen.“ Welche Institution dafür infrage käme, ließ er offen. Auch ist bislang unklar, wie die Kommission ihre Prüfung konkret gestalten will.
Die Tabakindustrie verweist darauf, dass ihre neuen Produkte weniger schädlich seien als herkömmliche Zigaretten. Weltgesundheitsorganisation (WHO) und EU betonen jedoch, dass auch diese Produkte der Gesundheit schaden – und zudem als Einstieg in den klassischen Tabakkonsum dienen könnten.
Mehrere Gesundheits- und Krebsorganisationen forderten die EU-Staaten jüngst in einem Schreiben auf, entschiedener gegen alternative Tabakprodukte vorzugehen. Diese stellten ein „wachsendes Problem“ für die öffentliche Gesundheit dar und „beförderten die Nikotin-Einstiegsphase bei jungen Menschen“, heißt es in dem Brief.
Die Spannungen zwischen der Tabakindustrie und der Kommission nehmen zu. Brüssel will nicht nur die Steuern auf Zigaretten anheben, sondern auch auf neue Produkte. Zudem soll ein Anteil von 15 Prozent der nationalen Tabaksteuereinnahmen künftig direkt in den EU-Haushalt fließen.
EU-Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi sagte in einem Interview mit Euractiv, Produkte wie E-Zigaretten seien „enorm populär, gerade bei jungen Menschen“, und stellten ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. „Sie zahlen [noch] keine Steuern“, so Várhelyi, „und für mich ist klar, dass sich das ändern muss.“
(jp, jl)