Tierschlachtung auf Bauernhöfen: EU-Abgeordnete fordern Erleichterungen

Die Abgeordneten des Landwirtschaftsausschusses des EU-Parlaments unterstützten den Vorschlag der Kommission, den Landwirten mehr Flexibilität bei der Schlachtung von Tieren auf dem eigenen Hof zu geben. Jedoch sind ihnen die Voraussetzung noch zu restriktiv.

Euractiv.com
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Lokale Schlachthöfe in Europa schrumpfen zugunsten großer industrieller Strukturen. Dadurch verlängert sich die Zeit für den Transport lebender Tiere, was Stress und körperliches Leiden verursacht. [Foto 4440 / Shutterstock]

Die Abgeordneten des Landwirtschaftsausschusses des EU-Parlaments unterstützten den Vorschlag der Kommission, den Landwirten mehr Flexibilität bei der Schlachtung von Tieren auf dem eigenen Hof zu geben. Jedoch sind ihnen die Voraussetzung noch zu restriktiv.

In einer delegierten Verordnung, die im vergangenen Dezember verabschiedet wurde, schlug die Europäische Kommission vor, die Tötung von Tieren auf dem Bauernhof zu erleichtern. Dies soll dann möglich sein, wenn während des Transports eine Gefahr für das Tier oder den Transporteur besteht.

Lokale Schlachthöfe in Europa schrumpfen zugunsten großer industrieller Strukturen. Dadurch verlängert sich die Zeit für den Transport lebender Tiere, was Stress und körperliches Leiden verursacht.

Für NGOs und eine wachsende Zahl von EU-Staaten liegt die Lösung in der Schlachtung auf dem Bauernhof. Dafür sollen „mobile Schlachthöfe“ eingesetzt werden. Das sind Lastwagen, die mit der entsprechenden Ausrüstung von Hof zu Hof fahren.

„Wir geben der Schlachtung auf dem Bauernhof mehr Flexibilität“, sagte Koen Van Dyck, ein Vertreter der Generaldirektion Gesundheit der Kommission, vor den Abgeordneten des Landwirtschaftsausschusses.

Die einzige Bedingung sei die Einhaltung der Hygienevorschriften, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. Schließlich werde das Fleisch auf dem europäischen Markt verkauft und könne sogar exportiert werden, ohne dass es sich von Produkten aus industriellen Schlachthöfen unterscheide.

So muss beispielsweise vor der Schlachtung ein Tierarzt auf dem Hof anwesend sein.

Die Abgeordneten unterstützten den Vorschlag weitgehend. Martin Häusling (Grüne/EFA) sagte jedoch, dass es „immer noch viel Bürokratie gibt.“ Er beklagte sich insbesondere über die Anforderung, dass ein Tierarzt vor Ort anwesend sein muss.

„Es gibt Millionen von Jägern in Europa und wenn sie ein Reh schlachten, ist kein Tierarzt anwesend“, fügte der deutsche Biolandwirt hinzu. Der rumänische Europaabgeordnete Daniel Buda (EVP) wies darauf hin, dass es „nicht genug Tierärzte gibt, um sie dorthin zu schicken, wo die Tiere geschlachtet werden.“

Die Kommission wies diese Kritik zurück. Sie hält die „Inspektion vor dem Tod“ durch einen Tierarzt für ein „notwendiges“ Verfahren, um sicherzustellen, dass das Fleisch genauso sicher ist wie jedes andere Fleisch auf dem Markt.

Wirtschaftliche Lebensfähigkeit

„In Rumänien gibt es nicht viele Schlachthöfe, daher sollte die Kommission jetzt dafür sorgen, dass die Mitgliedstaaten diese Gesetzgebung anwenden“, fügte Buda hinzu. Er forderte eine finanzielle Unterstützung der landwirtschaftlichen Betriebe für den Kauf von Behandlungs- und Verarbeitungsausrüstung.

Diese Forderung wurde vom Europäischen Parlament in einem Bericht des Untersuchungsausschusses für den Schutz von Tieren beim Transport aus dem Jahr 2021 erhoben.

Gilles Lebreton (ID) wies darauf hin, dass der erste französische mobile Schlachthof, der 2021 seinen Betrieb aufnehmen sollte, Bœuf Ethique, nach nur zwei Jahren in Konkurs gegangen sei. Die Gründe dafür seien laut ihm ein Auftragsrückgang aufgrund von einschränkenden Corona-maßnahmen, steigende Kosten und aufgelaufene Zahlungsverzüge.

„Ist sich die Kommission dieses Versagens in Frankreich bewusst?“, fragte der französische Europaabgeordnete. Er räumte ein, dass das System in anderen Mitgliedstaaten, wie beispielsweise in Schweden, funktioniere.

Das skandinavische Land, das sehr empfindlich auf Fragen des Tierschutzes reagiert, ist heute ein Vorbild in diesem Bereich. Es hat in den letzten Jahren stark investiert, um hochwertige tierische Produkte in kleinem Maßstab zu produzieren.

Dem Europäischen Rechnungshof zufolge stünden Landwirte, die mobile Schlachthöfe nutzen, auch „vor Herausforderungen in Bezug auf Logistik und Rentabilität.“ Die Betriebskosten machten es erforderlich, „einen Mehrwert zu schaffen“ und die Preise für die Verbraucher zu erhöhen.

Die französische Europaabgeordnete Irène Tolleret (Renew) erklärte, eine klare Kennzeichnung der Schlachtmethode würde es den Landwirten ermöglichen, „ihrem Fleisch einen Mehrwert zu verleihen und die Kundenbindung zu stärken.“

Schrittweise Liberalisierung

Die EU-Vorschriften verbieten seit 2004 das Schlachten in landwirtschaftlichen Betrieben. Seit 2021 dürfen die Landwirte die Tiere jedoch auf dem Hof entbluten und betäuben, wenn während des Transports eine Gefahr für das Tier oder den Transporteur besteht.

Am 14. Dezember 2023 erließ die Kommission einen delegierten Rechtsakt, mit dem die Schlachtung auf dem Bauernhof auf Schafe und Ziegen ausgeweitet wurde, wenn beim Transport eine Gefahr besteht. Experimente in diesem Bereich waren bisher auf Pferde, Rinder und Schweine beschränkt. Jeder Landwirt kann nun bis zu drei Rinder, sechs Schweine oder neun Schafe oder Ziegen pro Jahr schlachten.

Nach Angaben der Europäischen Kommission dauert mehr als ein Drittel der Lebendtiertransporte in der EU zwischen acht und 24 Stunden. Bei Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen sind dies mehr als 40 Prozent der Transporte.

[Bearbeitet von Angelo Di Mambro/Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]