Transgreen - Desertec bekommt Gesellschaft

Bislang bestand Frankreichs Energieaußenpolitik im Verkauf von Atomkraftwerken. Jetzt planen französische Unternehmen, in den Import von Ökostrom aus Nordafrika einzusteigen. Desertec-Vorstandschef Paul van Son begrüßt den Vorstoß.

Foto: dpa.
„Wenn man einmal die Hand ins Meer gehalten hat, ist man mit allen Ländern verbunden, die an diesem Meer liegen.“

Bislang bestand Frankreichs Energieaußenpolitik im Verkauf von Atomkraftwerken. Jetzt planen französische Unternehmen, in den Import von Ökostrom aus Nordafrika einzusteigen. Desertec-Vorstandschef Paul van Son begrüßt den Vorstoß.

Französische Firmen planen ein Industrie-Konsortium zum Bau eines Stromnetzes unter dem Mittelmeer. Das berichtet das Handelsblatt mit Berufung auf Unternehmenskreise. Das Netz könnte den Strom des deutsch dominierten Wüstenstromprojekts Desertec nach Europa transportieren. Bei Desertec sind bislang Siemens und ABB als Anbieter der entsprechenden Leitungen vertreten.

Wie das Handelsblatt berichtet, soll Frankreichs Umweltminister das Projekt mit dem Namen "Transgreen" offiziell nächste Woche vorstellen. Geschäftsführer soll der Ökonom Christian Stoffaes werden. 

Die Transgreen-Initiative wird bereits im Rahmen der Union für das Mittelmeer diskutiert. Mitwirken sollen die Netztochter des franzöischen Stromriesen EDF, Alstom, und der Kabelanbieter Nexans. Siemens soll ebenfalls mit an Bord sein. Zunächst werden bis 2012 Machbarkeitsstudien erstellt.

"Netze sind Schlüsselelement"

Desertec (siehe EURACTIV.de 13. Juli 2009) hat sich das Ziel gesetzt, mit Solarthermie-, Photovoltaik- und Windkraftanlagen in Nordafrika rund 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Die notwendigen Investionen werden auf mehere Hundert Milliarden Euro geschätzt. Im Jahr 2020 sollen die ersten Anlagen in Betrieb gehen. Der Planungshorizont reicht bis 2050.

Bislang fehlen die Netze, um Ökostrom in großen Mengen aus Nordafrika zu importieren. Allerdings sind bereits Untersee-Leitungen zwischen Algerien und Spanien, Algerien und Sardinien sowie Tunesien und Sizilien in der Planung.

Die Desertec-Verantwortlichen begrüßen den französischen Vorstoß. "Die Frage der Stromübertragung von Nordafrika zu den europäischen Märkten ist natürlich ein Schlüsselelement des Desertec-Projekts", sagte Desertec-Vorstandschef Paul van Son dem Handelsblatt.

Die Initiative passt in das neue Konzept Frankreichs, auf Ökostrom zu setzen. So wolle man zum Beispiel "Weltmarktführer" im Bereich Solarenergie werden (EURACTIV.de vom 24. Juli 2010). Bisher hat Frankreich den Schwerpunkt seiner Energiepolitik auf Atomstrom gelegt. Auch den nordafrikanischen Staaten werden regelmäßig Atomkraftwerke angeboten.

Deutschland steht hinter Desertec

Klar ist, dass beide Projekte ohne staatliche Unterstützung nicht zu realisieren sind. Die Bundesregierung will Desertec mit staatlichen Geldern vorantreiben. Nach der Konkretisierung des Vorhabens seien deutsche Exportfördermaßnahmen und Hermes-Bürgschaften denkbar, sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) Anfang März. Das Projekt soll ins nationale Energiekonzept eingehen, dass im Herbst präsentiert wird. 

"Die Erwartung ist, dass der Strom aus der Wüste, besonders der aus sogenannten solarthermischen Kraftwerken, nicht nur CO2-frei, sondern auch langfristig wirtschaftlich und grundlastfähig (also frei von Wetterschwankungen) erzeugt werden kann", so Brüderle. Die Regierung hat eine Arbeitsgruppe unter Führung des Wirtschaftsressorts eingerichtet, die die staatliche Unterstützung koordiniert.

Zum Desertec-Konsortium gehören neben der Deutschen Bank Unternehmen wie Siemens, sowie die Energiekonzerne Eon und RWE, aber auch Firmen aus Spanien und Algerien. Ingesamt sind 17 Gesellschafter aus acht Ländern beteiligt. Frankreich ist bislang durch Saint-Gobain Solar vertreten.

awr

Links


Handelsblatt:
Franzosen verkabeln die Wüste (20. Mai 2010)

DESERTEC Industrial Initiative (Dii GmbH): Webseite

Union für das Mittelmeer (EUROMED): Webseite

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Christian Hey: Europas Weg zu 100 Prozent Ökostrom (11. März 2010)
Manuel Sarrazin:
Autonomie oder Verflechtung? (10. März 2010)
Rebecca Harms: Kein Platz für Kohle und Atom (10. März 2010)
Lutz Mez:
Atom-Renaissance – Viel Rauch um Nichts? (10. März 2010)
Michaele Schreyer:
Weg zur EU-Energiewende (8. März 2010)
Reinhard Loske: "Den Konsumismus überlisten" (8. März 2010)
Fritz Reusswig: "Wir brauchen die dritte industrielle Revolution" (1. März 2010)
Hans-Josef Fell: "Weitgehendes Versagen der EU-Energiepolitik" (1. März 2010)