Tschechien verhandelt über Astrazeneca-Angebot
Die tschechische Regierung hat sich unzufrieden mit der Impfstoffverteilung innerhalb der EU gezeigt und separate Verhandlungen mit dem britisch-schwedischen Pharmaunternehmen Astrazeneca aufgenommen.
Die tschechische Regierung hat sich unzufrieden mit der Impfstoffverteilung innerhalb der EU gezeigt und separate Verhandlungen mit dem britisch-schwedischen Pharmaunternehmen Astrazeneca aufgenommen.
„Das Gesundheitsministerium wurde von Vertretern von Astrazeneca in der Tschechischen Republik mit einem Angebot für zusätzliche Impfstoffe angesprochen. Wir stehen in Kontakt mit Astrazeneca und verhandeln über weitere Details, insbesondere über die Anzahl der Dosen, das Lieferdatum und den Preis,“ so die Ministeriumssprecherin Barbora Peterová gegenüber der Nachrichten-Website Seznam Zprávy.
Die tschechische Regierung prüfe derzeit auch, ob dieses Angebot im Einklang mit den EU-Vereinbarungen steht. Astrazeneca reagierte auf eine EURACTIV-Anfrage, ob es Gespräche über separate Deals mit Prag gegeben habe, bisher nicht.
In der vergangenen Woche hatte das Unternehmen außerdem betont, der Fokus liege aktuell darauf, „unsere umfangreichen globalen Verpflichtungen gegenüber Regierungen und internationalen Gesundheitsorganisationen so schnell wie möglich zu erfüllen […] Daher gibt es derzeit keine Lieferung, keinen Verkauf oder Vertrieb des Impfstoffs durch den privaten Sektor.“
Zuvor hatte der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš geäußert, seinem Land seien zusätzliche Astrazeneca-Impfstoffe von einem „Zwischenhändler“ aus Dubai angeboten worden.
Astrazeneca betonte dazu: „Wenn jemand privat Impfstoffe anbietet, ist es wahrscheinlich, dass es sich um Fälschungen handelt. Solche Angebote sollten daher abgelehnt und den örtlichen Gesundheitsbehörden gemeldet werden.“
Angebote an vier EU-Staaten
Insgesamt sei wohl vier EU-Mitgliedsstaaten angeboten worden, separate Impfstoff-Vereinbarungen außerhalb des EU-Rahmens zu unterzeichnen, um Impfstoffe schneller als andere zu bekommen, hatte Babiš am vergangenen Donnerstag enthüllt.
In einer Rede vor dem tschechischen Parlament erklärte er: „Während Astrazeneca sich weigerte, 80 Millionen Dosen an die EU zu liefern, erhielten wir wiederholt Angebote für diesen Impfstoff – nicht nur ich, sondern auch drei andere Regierungschefs in Europa – noch vor dem Beginn der Lieferungen [an die EU].“
Babiš merkte weiter an, zumindest der österreichische Kanzler Sebastian Kurz und der ungarische Premier Viktor Orbán hätten ähnliche Angebote erhalten.
Einen Tag zuvor hatte Babiš bei einer Pressekonferenz während eines Besuchs in Belgrad außerdem nahegelegt, dass es weitere Angebote für Astrazeneca-Impfstoffe auf dem Schwarzmarkt gebe: „Wir haben ein Angebot von einem Zwischenhändler aus Dubai erhalten, über fünf Millionen Dosen für je zehn Dollar,“ zitiert Deník N Babiš.
Die tschechische Regierung habe dieses Angebot abgelehnt und Babiš diesbezüglich eine Mitteilung an EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen geschickt. Am vergangenen Freitag hatte die EU-Exekutive allerdings ihrerseits mitgeteilt, man habe bisher keinerlei Kenntnis über derartige Vorgänge.
EURACTIV.com hat derweil erfahren, dass das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) diese Woche weiter Ankündigungen bezüglich Anti-COVID-Impfstoffe auf dem Schwarzmarkt machen wird.
In Reaktion auf einen entsprechenden Artikel und Nachfragen von EURACTIV teilte das tschechische Gesundheitsministerium kurz mit: „Der Artikel berichtet über einen Vermittler aus Dubai. Unsere Antwort steht daher nicht im Widerspruch zu den Informationen in dem Artikel.“