Tschechien will bei Ausfall russischer Gaslieferungen einspringen
In Europa wächst die Sorge über Ausfälle des Gastransits über die Ukraine. Doch Tschechien verfüge über ausreichend Kapazitäten, um andere EU-Staaten im Falle einer Unterbrechung russischer Lieferungen zu unterstützen, beschwichtigt Tschechiens Industrieminister.
In Europa wächst die Sorge über Ausfälle des Gastransits über die Ukraine. Doch Tschechien verfüge über ausreichend Kapazitäten, um andere EU-Staaten im Falle einer Unterbrechung russischer Lieferungen zu unterstützen, beschwichtigt Tschechiens Industrieminister.
Das derzeitige Abkommen über den Transit von russischem Gas durch die Ukraine nach Europa läuft Ende dieses Jahres aus.
Kyjiw hat wiederholt erklärt, dass es nicht beabsichtigt dieses zu verlängern. Es wird zudem befürchtet, dass die Kämpfe in der russischen Region Kursk, einen weiteren Transitpunkt für russische Gasexporte nach Europa beeinträchtigen könnten.
Da keine Anzeichen für eine Erneuerung des Abkommens zu erkennen sind, forderte der derzeitige tschechische Industrieminister und designierte EU-Kommissar, Jozef Síkela (STAN, EVP), Europa auf, sich auf mögliche Versorgungsunterbrechungen vorzubereiten. Er brachte dabei sein eigenes Land als Alternative ins Spiel.
„Es ist uns gelungen, die Einfuhren russischer Energierohstoffe in die Europäische Union erheblich zu reduzieren, aber wir müssen diese Bemühungen fortsetzen“, sagte Síkela am Donnerstag.
Die EU-Staaten sollen etwaige Defizite durch Lieferungen aus alternativen Quellen ausgleichen, so der Minister weiter.
„Wir müssen eine Situation vermeiden, in der die Ersetzung russischer Lieferungen dazu führt, dass wir offiziell nicht-russisches Gas kaufen, das dann beim Transit nach Europa gegen russisches Gas ausgetauscht wird, sodass die russischen Lieferungen faktisch nicht reduziert werden“, erklärte Síkela.
In seinem Schreiben an EU-Energiekommissarin Kadri Simson und seine Amtskollegen in anderen EU-Staaten forderte Síkela eine strategische Umstellung auf alternative Gaslieferungen, insbesondere auf Flüssigerdgas (LNG), das aus westeuropäischen Staaten importiert wird.
„Dabei kann auch die Kapazität der durch tschechisches Gebiet verlaufenden Pipelines hilfreich sein“, betonte der tschechische Minister.
Darüber hinaus wies Síkela darauf hin, dass die jüngste Entscheidung der deutschen Regierung, eine Sondergebühr für die Gasspeicherung abzuschaffen, erheblich dazu beitragen wird, mögliche Engpässe zu verhindern.
Dieser Schritt werde den Gastransport durch Deutschland erschwinglicher machen, den Handel mit nicht-russischem Gas in Mittel- und Osteuropa steigern und die Energiesicherheit in der Region unterstützen.
Nach Angaben des tschechischen Industrie- und Handelsministeriums könnte das Auslaufen des russisch-ukrainischen Gastransitabkommens vor allem die osteuropäischen EU-Mitglieder treffen. Es wird geschätzt, dass etwa 40 bis 42 Millionen Kubikmeter russisches Erdgas pro Tag ersetzt werden müssten.
[Bearbeitet von Nick Alipour]